„Wildvögel sind Opfer“ Nabu Emsland äußert sich zu Vogelgrippe

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Zugvögel wie Schwäne oder Gänse als Überträger der Vogelgrippe auf Nutztierbestände? Der Naturschutzbund bestreitet das. Foto: Tobias BöckermannZugvögel wie Schwäne oder Gänse als Überträger der Vogelgrippe auf Nutztierbestände? Der Naturschutzbund bestreitet das. Foto: Tobias Böckermann

Meppen. Der NABU-Regionalverband Emsland / Grafschaft Bentheim hat sich in die Debatte um Wildvögel als mögliche Überträger der Geflügelgrippe auf Vögel aus Mastanlagen eingeschaltet. Vorsitzender Erhard Nerger betont in einer Stellungnahme: „Wildvögel sind Opfer, keine Täter der Vogelgrippe“

Angesichts der aktuellen Diskussion um die Übertragungswege des aus Asien stammenden Vogelgrippe-Virus H5N8, spricht sich der NABU-Regionalverband dafür aus, die genauen Infektionswege der betroffenen Mastanlagen zu identifizieren. Dazu müssten die Waren- und Materialströme der infizierten Betriebe untersucht werden, ebenso die Küken und Bruteier, die einen weitaus besseren Zugang zu Mastbetrieben haben, als Wildvögel.

Vor wenigen Tagen war eine äußerlich gesund erscheinende wilde Krickente positiv auf H5N8 getestet worden. Sehr schnell seien dann wilde Zugvögel als wahrscheinliche Überträger des Virus beschuldigt worden, schreibt der Nabu. Die aktuellen Umstände der Ausbrüche in den drei europäischen industriellen Geflügelmastanlagen in Mecklenburg-Vorpommern, den Niederlanden und Großbritannien ließen diesen Übertragungsweg jedoch als extrem unwahrscheinlich erscheinen.

Bereits nach einem Vogelgrippe-Ausbruch 2006 habe sich unter Fachleuten die Erkenntnis durchgesetzt, dass die weltweite Verbreitung des Virus kaum durch Wildvögel verursacht werden konnte. Der NABU-Vorsitzende und promovierte Tierarzt warnt deshalb davor, Zugvögel voreilig für das aktuelle Auftreten der Geflügelpest verantwortlich zu machen. Im Gegenteil „sollte alles versucht werden, um unsere Wildvögel vor der Ausbreitung des Virus aus Geflügelmastanlagen zu schützen.“

Bruteier und Eintagsküken reisten weltweit um ein Tausendfaches häufiger und wesentlich schneller herum als Zugvögel und hätten weitaus besseren Zugang zu Ställen als Wildvögel. „Es liegt daher auf der Hand, dass auch jetzt die Ursachen für das Auftreten des H5N8-Virus eher bei den Praktiken und Warenströmen der modernen Geflügelhaltung zu suchen sind als bei ziehenden Wildvögeln“, sagt Nerger.

Symptom der Massentierhaltung

Bislang sei außerdem noch kein Fall bekannt geworden, in dem Nutzgeflügel aus Freilandhaltung oder kleinen Privathaltungen betroffen gewesen sei, obwohl dieses leichter mit Wildvögeln in Kontakt kommen könnte. „Die Geflügelpest ist ein Symptom der Massentierhaltung in Zeiten der Globalisierung“, betont Nerger.

Der NABU fordert daher, Wildvögel wie Nutzgeflügel vor gegenseitigen Ansteckungen zu schützen. Dazu seien strikte Sicherheitsmaßnahmen für alle industriellen Nutzgeflügelbetriebe umzusetzen, wie geeignete Filter in Abluftanlagen, geordnete Entsorgung von Abfallstoffen und Abwässern, sowie der obligatorische Transport von Tieren in geschlossenen Lkw. Entsprechende Betriebe dürften in Zukunft nicht mehr in Konzentrationsgebieten von Wildvögeln genehmigt werden. Zwar hat dies der NABU-Regionalverband bereits schon in der Vergangenheit im Rahmen von Genehmigungsverfahren für industrielle Stallanlagen gefordert. Bisher wurde diese Forderung von den zuständigen Landkreisen aber ignoriert.

In Südkorea traten im vergangenen Winter größere von H5N8 hervorgerufene Massensterben von Wildvögeln jeweils erst dann auf, nachdem in der Umgebung ein Nutzgeflügelbetrieb von H5N8 befallen war. Dort waren Wildvögel die Opfer der Vogelgrippe-Ausbrüche in Nutzgeflügelbeständen, nicht die Täter, die das Virus übertragen haben.

Mehr zur Vogelgrippe in unserem Spezial .

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