Mit Erkrankungen offen umgehen Demenz-Pflegeservicezentrum Emsland gibt Unterstützung

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Meppen. Die Vergesslichkeit nimmt zu, die Persönlichkeit verändert sich rasch, und die Aggressionsausbrüche häufen sich: Jeder dritte Mensch ist gefährdet, im Laufe seines Lebens an Demenz zu erkranken. Die Mitarbeiter des Demenz-Pflegeservicezentrums Emsland unterstützen beim Umgang mit Erkrankten, damit das Umfeld lernt, wie der Alltag trotzdem gemeistert werden kann.

„Wenn die Medizin nicht hilft, müssen Menschen helfen“, betont Rita Wallmann vom Demenz-Servicezentrum des Landkreises Emsland, das vor drei Jahren gegründet wurde, um dieses Ziel zu erreichen. Die Koordinatorin berät und klärt Erkrankte sowie Angehörige über das Thema auf und weiß, wie schwierig die Kommunikation zwischen Demenz-Erkrankten, deren Freunden sowie Angehörigen sein kann. „Aggressionen oder das Vergessen von simplen Sachen, wie Bezahlen an der Kasse, können schnell zu Irritationen bei Verkäufern führen“, beschreibt Wallmann. Damit sowohl die Bäckereiangestellte, die Frisörin im Salon sowie der Ehepartner des Erkrankten lernen, mit ihm zu kommunizieren und auch Rücksicht zu nehmen, hält die Beraterin auch regelmäßig Vorträge bei Vereinen oder Verbänden.

„Frauen suchen häufiger die Beratung der Servicestelle auf und fragen nach Hilfe“, erzählt Wallmann. Der Anteil der erkrankten Männer und Frauen sei aber ausgeglichen. „Es gibt keine Komplettlösung. Jeder Fall ist verschieden, und die Demenz kann auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.“ Ein Tabuthema sei es in der Bevölkerung trotzdem schon lange nicht mehr, betont auch Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis: „Wir müssen uns den Demenz-Erkrankten anpassen, denn sie können ihr Verhalten nicht mehr reflektieren und nichts mehr neu erlernen, trotzdem gibt es viele Möglichkeiten, in Beziehung zu treten.“ Hierbei seien Wertschätzung und Inklusion der Betroffenen sehr wichtig, so Kraujuttis.

Die Diagnose bedeute nicht gleich das Ende des Lebens, verdeutlicht Wallmann. Medikamente können helfen, jedoch gebe es kein medizinisches Mittel gegen die Krankheit. Es gebe jedoch gewisse Maßnahmen, um das Risiko der Erkrankung gering zu halten: „Gesunde Ernährung, viel Sport, Gedächtnistraining und das soziale Umfeld pflegen“, rät Wallmann.

Auch Jüngere betroffen

„Meist entwickelt sich das Leiden erst im hohen Alter, doch es kann auch jüngere Menschen treffen“, erzählt Wallmann. Eine Form von Demenz sei Alzheimer. Derzeit gibt es etwa 35 Millionen Patienten weltweit, die ersten Symptome zeigen sich in den allermeisten Fällen erst nach dem 65. Lebensjahr. Unten den 4000 Demenzkranken im Emsland seien auch einige zwischen 40 und 50 Jahre alt, so die Koordinatorin. Bei den Beratungen am Telefon verweisen die Mitarbeiter auf die Hilfestellen vor Ort. Daher arbeitet das Servicezentrum eng mit Pflegestützpunkten, Selbsthilfegruppen, Seniorenservicebüros und Betreuungsstellen sowie dem Sozialpsychiatrischen Dienst zusammen.

Geschulte ehrenamtliche Pflege- und Seniorenbegleiter im Emsland helfen ebenfalls Betroffenen sowie Angehörigen beim Umgang mit der Krankheit. „Diese Ehrenamtlichen entlasten die Familien und beschäftigen sich mit den Demenzerkrankten“, sagt Wallmann, die es sich mit Sigrid Kraujuttis zur Aufgabe gemacht hat, das Netzwerk aus Unterstützungsangeboten für Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen weiterhin auszubauen.


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