Lesevergnügen kommt von allein Lokalprominente lesen in Meppener Schule

Von Reinhard Fanslau


Meppen. Von „Ronja Räubertochter“ über „Die kleine Hexe“ bis hin zu „1000 Gefahren im Weltall“ reichte die Palette der Bücher, die 18 lokal bekannte Meppener Persönlichkeiten am Freitagvormittag in die Johannes-Gutenberg-Schule mitgebracht hatten.

Anlass dafür, dass sich unter anderem Bürgermeister Helmut Knurbein und Meppener-Tagespost-Redakteur Tim Gallandi und viele andere um zehn Uhr morgens mit Lesestoff unterm Arm in der Schule an der Gutenbergstraße 1 einfanden, war der „Bundesweite Vorlesetag“ – eine Initiative der Wochenzeitung „Die Zeit“, der Deutschen Bahn und der „Stiftung Lesen“.

Nachdem sich die Schüler , Vorleser und Lehrer zunächst zur Begrüßung und Gruppeneinteilung in der Pausenhalle trafen, schwirrten alle in die Klassenräume aus. Je eine gute halbe Stunde trugen die Lesepaten den Schülern aus ihren mitgebrachten Werken vor. Unruhegeräusche drangen während der gesamten gut 30 Minuten aus keinem der Lesezimmer auf die Flure. So unterschiedlich die Bücher und die Geschichten auch waren - alle Vorleser schafften es von Anfang an, die Kinder mit ihrem Vortrag in den Bann zu ziehen.

So zum Beispiel Bürgermeister Helmut Knurbein, der für einen Teil der Klasse 4c aus „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler vorlas. „Ich kenne das Buch noch aus meiner eigenen Schulzeit und aus der Schulzeit meiner Töchter. Den Kindern war es nicht bekannt. Ich freue mich umso mehr, dass ich es geschafft habe, das Interesse der Kinder zu wecken. Sie wollen jetzt an der Stelle weiterlesen, an der ich aufgehört habe.“ Das Fazit des Stadtoberhaupts lautete: „Für mich war es eine tolle Erfahrung. Ich komme nächstes Jahr gerne wieder.“

Einem Kinderbuchklassiker widmete sich auch MT-Redakteur Tim Gallandi: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Das von Michael Ende 1960 geschriebene Buch und die auf Lummerland spielende Geschichte fasziniert auch fast 55 Jahre später noch Jungen und Mädchen, wie sich gleich zu Beginn des Vortrags zeigte. Die Viertklässler lauschten vom Anfang bis zum Ende des vorgelesenen Kapitels gebannt. Auch für Gallandi stand hinterher fest: „Es hat mir viel Freude gemacht. Das war eine schöne Sache für alle Beteiligten. Nächstes Jahr bin ich gerne wieder dabei.“

Auch die anderen 16 Vorleser zogen bei einem anschließenden Frühstück mit Erfahrungsaustausch in der Mensa der Schule durchweg positive Fazits, nach dem sie ihre Geschichten gelesen und mit den Kindern darüber gesprochen hatten. Der Satz „Ich komme nächstes Jahr gerne wieder“ wurde zum geflügelten Wort. Damit war der im Vorfeld geäußerte Wunsch von Otto Quaing voll erfüllt: „Für das Gelingen einer solchen Aktion ist vor allem eines wichtig: Wenn die Vorleser selbst Spaß an der Geschichte haben, stellt sich das Vergnügen der Zuhörer von alleine ein“, sagte der Mitorganisator der Veranstaltung im Vorfeld.

Die Johannes-Gutenberg-Schule macht seit zehn Jahren bei der Vorleseaktion mit. Schulleiter Bernd Koldehoff erklärte sein Anliegen so: „In 30 Prozent der Familien in Deutschland wird heute nicht mehr vorgelesen. Wenn wir ein wenig dazu beitragen könnten, dass sich das ändert, wäre es gut. Und wenn die Kinder – so wie heute mehrfach geschehen- uns sogar dazu auffordern, ihnen etwas vorzulesen, wäre es noch besser.“