Freilaufende Tiere einstallen Landkreis Emsland empfiehlt Vogelgrippe-Schutz

Von Tobias Böckermann

Legehennen stehen in einem Betrieb für die Produktion von Eiern aus Freilandhaltung.Legehennen stehen in einem Betrieb für die Produktion von Eiern aus Freilandhaltung.

Meppen. Der Landkreis Emsland prüft derzeit vor dem Hintergrund von Vogelgrippefällen in Deutschland und den Niederlanden umfassend, ob eine Aufstallung von Geflügel sinnvoll ist.

Nach derzeitigem Stand besteht einer Mitteilung des Landkreises zufolge keine rechtliche Grundlage , um eine Aufstallung von Tieren anzuordnen. Es könne lediglich allen Geflügelhaltern empfohlen werden zu prüfen, ob freilaufende Tiere vorsorglich eingestallt werden könnten.

Darüber hinaus weist der Landkreis Emsland auf die genaue Einhaltung der so genannten Biosicherheitsmaßnahmen durch die Tierhalter hin, zu denen die Verwendung von Schutzkleidung beim Kontakt mit den Tierbeständen sowie ein begrenzter Personenverkehr zählen.

Der Landkreis Emsland steht bei der Frage der Bewertung des Seuchengeschehens in enger Abstimmung mit den Nachbarlandkreisen Grafschaft Bentheim, Cloppenburg und Vechta. Für ein Aufstallungsgebot sind hohe Voraussetzungen notwendig. Wegen der möglichen wirtschaftlichen Folgen für die Besitzer der Tiere muss umfassend abgewogen werden, damit eine Aufstallungsverfügung begründet und rechtlich haltbar ist. Eine abschließende Entscheidung ist dies nicht. Auf der Grundlage der weiteren Seuchenentwicklung muss diese Entscheidung nach Landkreis-Angaben ständig neu überdacht werden.

Im Landkreis Emsland waren zuletzt im Mai 2013 zwei Fälle von milder Vogelgrippe (Typ H7) in Legehennenställen aufgetreten. Die Tiere mussten getötet werden. In den Niederlanden ist ein anderer Erreger gefunden worden, nämlich der Typ H5N8.

Wie er in den Betrieb südlich von Amsterdam gekommen war, ist noch unklar. Eine Einschleppung über Zugvögel in Freilandgeflügel wird in solchen Fällen immer wieder diskutiert (wir berichteten).

Aus Sicht des Naturschutzbundes ist die „Einschleppung der Vogelgrippe durch Wildvögel aber unwahrscheinlich“. Ein viel größeres Risiko für die Verbreitung des Virus sei vielmehr in Massentierhaltung sowie weltweiten Transporten von Tieren und Futtermitteln zu suchen.

Insgesamt gibt es im Emsland 115 Freilandbetriebe (darunter auch Bio), die mehr als 2,26 Millionen Hühner halten. Darüber hinaus gibt es weitere 172 Gänse haltende Betriebe mit insgesamt 16168 Tieren. Weitaus mehr Geflügel lebt im Stall, nämlich 35 Millionen Tiere.

Einmal im Jahr führt das Land Niedersachsen ein Wildgeflügel-Monitoring durch, bei dem in diesem Herbst 720 Proben von Wildvögelkot auf Vogelgrippe untersucht wurden. 120 Proben stammten aus dem Emsland, alle waren ohne Befund geblieben.


Die Geflügelpest

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen. (dpa)