Lehrgang für Behindertenbeauftragte Barrierefreiheit in Meppen auf dem Prüfstand

Von Ina Wemhöner


Meppen. Beim Einkaufsbummel in der Meppener Innenstadt hat sich so manch einer schon über die holprigen Platten an den Wegabzweigungen gewundert. Manch einer Frau mit Pumps wurden diese Rippenplatten auch schon zum Verhängnis. Diese Leitlinien sind jedoch enorm wichtig für Sehbehinderte, weil sie ihnen als Orientierung dienen, weiß Walter Teckert, Behindertenbeauftragter der Stadt Meppen.

„Dass es in Städten zahlreiche Hindernisse für Behinderte gibt, ist vielen gar nicht bewusst, darum ist es umso wichtiger Behörden und Bauämter darauf aufmerksam zu machen, um Barrierefreiheit für alle Behinderungsgruppen zu schaffen“, erzählte Walter Teckert, der seit 15 Jahren eng mit der Stadt Meppen zusammenarbeitet, um genau dies zu erreichen. In Meppen wurden in den letzten Jahren mit seiner Hilfe bereits zahlreiche Hindernisse für Behinderte beseitigt oder umgebaut.

In einer viertägigen Schulung wurden nun Mitglieder von Sozialverbänden und Behindertenbeauftragte aus Cloppenburg, der Grafschaft Bentheim sowie aus dem Emsland über barrierefreie Verkehrsraumgestaltung informiert. Das Projekt wird von der Aktion Mensch und dem Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen finanziert.

„Dieser Lehrgang dient dazu, die Gemeinde und das Bauamt wenn nötig zu beraten und zu informieren, um die Städte barrierefrei zu gestalten“, erläuterte Projektleiterin Andrea Heppner.

Als Ratsmitglied findet Walter Teckert für seine Ideen und Anliegen oft Gehör und hat schon viele Ziele verwirklichen können. „In den 15 Jahren sind 350 Bürgersteige umgebaut worden, vom Bahnhof bis in die Innenstadt ist ein Leitsystem gepflastert und viele Bushaltestellen sind nun auch barrierefrei “, erzählt Teckert.

Eine Blindenampel in der Stadt folge 2015 und der Weg zum Krankenhausvorplatz, soll ebenfalls mit einem Leitsystem ausgestattet werden, so der Behindertenbeauftragte.

Dass die Kommunen und Länder noch viel für die Barrierefreiheit besonders im Verkehrswesen tun können, fällt Teckert öfters auf, wenn er im Urlaub ist: „Als ich in die Nordwestbahn bei Bremen eingestiegen bin, war ich erstaunt, dass die bereits behindertengerecht ausgestattet war.“

Andrea Heppner und Tanja Aurich, die den Lehrgang leiten betonen jedoch auch, dass die Barrierefreiheit nicht nur für Behinderte, sondern für die gesamte Bevölkerung geschaffen wird. „Das Design ist für alle gedacht. Eine Mutter mit Kinderwagen oder eine Seniorin mit Rollator profitiert ebenfalls von dieser Stadtgestaltung“, so Heppner.

Bei einem Hindernisparcours, aufgebaut von Peer Maßmann, Vorsitzender des Vereins Selbsthilfe Körperbehinderter Hannover, konnten die Teilnehmer der Schulung anschließend selbst testen, wie schwer es ist, mit einem Rollstuhl eine drei Zentimeter hohe Bordsteinkante zu bezwingen. „Ein viel diskutiertes Thema, denn viele Rollstuhlfahrer sind diese drei Zentimeter zu hoch. Sehbehinderte hingegen fordern diese Erhöhung zur Orientierung“, so Maßmann.