Bildkalender weckt Erinnerungen Als das Trinkwasser in Meppen per Hand gepumpt wurde


Meppen. Das Mädchen mit dem Wassereimer steht einsam auf der Straße. Offenbar war es auf dem Weg zur öffentlichen Wasserpumpe. Die Pumpe musste damals per Hand bedient werden. Es war wohl vor einhundert Jahren der plötzlich auftauchende Ansichtskarten-Fotograf, der das Mädchen auf dem Kopfsteinpflaster vor der Hinterstraße etwas seitab in den Vordergrund positionierte. Der Mann selbst ist mit seiner Kamera nicht zu sehen.

Der Mann selbst ist mit seiner Kamera nicht zu sehen. Drei Jungen mit Schülermützen müssen ihm gleichfalls als Statisten dienen. Die etwas steif dastehenden Jugendlichen „beleben“ die Kreuzung zwischen Hinterstraße, Nagelshof, Kuhstraße und Markt.

Die um das Jahr 1920 datierte Ansichtskarte wurde damals von der vom Aufnahmeort nicht allzu weit entfernten Buchhandlung Heinrich Meyer verlegt. Sie ist eines der Bilder im neuen Kalender „Meppen in alter Zeit“ für das Jahr 2015.

Pumpen wie die an der Hinterstraße waren noch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wichtig zur Wasserversorgung der Haushalte. Ein ähnliches „Andenken“ an die gute, alte Zeit steht neben dem Rathaus, wenn auch kein Tropfen Wasser mehr herauskommt.

Die historischen Ansichten können persönliche Erinnerungen hervorrufen oder Besuchern zeigen, wie die Stadt früher aussah. Der aktuelle Kalender ist inzwischen der sechste einer Reihe, die Apotheker Dieter Engemann seit 2010 in Druck gegeben hat. Das Ganze ist kein verlegerisches Unternehmen, sondern eine gemeinsame Aktion mit dem Meppener Ansichtskartensammler Heinrich Heeren.

Gegen eine Schutzgebühr von einem Euro ist der Kalender in der Apotheke am Schullendamm zu erhalten. Der Erlös kommt dem regionalen Kinderschutzbund zugute. Die inzwischen zur kleinen Tradition gewordene Fotosammlung der beiden Heimatfreunde hat 2015 kein übergreifendes Thema. Dennoch werden einige Ansichten bei Betrachtern aktuelle Vergleiche bewirken. Das betrifft zum Beispiel die neugestaltete Fußgängerzone der Innenstadt. Es fällt auf, dass die historischen Baufluchten auch jetzt noch die Ausdehnung des alten Marktes, der Hasestraße und des Windthorstplatzes bestimmen. Groß ist der Unterschied zu den Ansichten von vor hundert Jahren nicht. Allerdings fehlen heute die Bäume, wie etwa ein Foto von der Ostseite des Marktplatzes aus dem Jahr 1915 beweist. Das Bild zeigt auch das Windthorst-Denkmal, welches 1896 mit einem hohen Sockel in die Marktfläche hinein gesetzt wurde.