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Eine Nacht obdachlos Übernachtungsaktion der Wohnungshilfe in Meppen

Von Heiner Harnack


hhar Meppen. Mit einer Übernachtungsaktion auf dem Domhof machte die ambulante Wohnungshilfe des Caritasverbandes auf die schwierige Situation der Obdachlosen zu dieser Jahreszeit aufmerksam.

Die Lebensläufe ihrer Klienten könnten unterschiedlicher kaum sein, erklärte Geschäftsführer des Caritasverbands Emsland , Marcus Drees. „Häufig beginnen die Probleme vieler Obdachloser schon in der Kindheit mit einem gestörten Eltern-Kind-Verhältnis“, sagte Drees. Später würde dann die Ausbildung abgebrochen werden und der Weg in die Arbeitslosigkeit sei fast vorprogrammiert. Dazu kämen häufig genug Alkohol- und Drogenprobleme.

Wer aber glaube, es träfe nur sozial schwache Menschen, würde irren, fügten die beiden Sozialarbeiterinnen Isabel Fryan-Beckmann und Rita Hüsers an. Selbst gut verdienende Akademiker befänden sich heute unter den Klienten. Plötzlich liefe es im Job nicht mehr, die Ehe ginge kaputt, das schicke Eigenheim müsse verkauft werden und plötzlich stünden Menschen vor der Tür der Caritas, die man dort kaum vermuten würde.

Vor den beiden anwesenden Gästen aus der Politik, dem CDU-Landtagsabgeordneten Bernd-Carsten Hiebing und Meppens neuem Bürgermeister Helmut Knurbein, schilderten die Caritas-Mitarbeiter, wie schwierig die Wohnungssituation im Raum Meppen geworden sei.

Man habe knapp dreihundert Anzeigen, die im Immobilien-Anzeigenteil der Meppener Tagespost gefunden wurden, geprüft. 72 Prozent, so Sozialarbeiter Wilhelm Berkenheger, seien schlicht zu teuer gewesen und lediglich fünf Prozent seien infrage gekommen.Man müsste aber wissen, so der Caritas-Mitarbeiter, dass auf 250 Hilfesuchende gerade einmal 15 passende Wohnungen kämen. Beide Politiker waren sich übrigens mit den Caritas-Leuten einig, dass die Wohnungsbaugesellschaften mehr Platz zum Wohnen schaffen müssten.

Hiebing und Knurbein forderten, dass die Gesellschaft genauer hinschauen müsse, da sich das Problem nicht von selbst regeln würde und die Caritas teilweise staatliche Aufgaben übernähme. In der wirtschaftlich boomenden Region Emsland fehlten vor allen Dingen Mietwohnungen für Singles, da die meisten Obdachlosen keine Familien hätten.

Heute konkurrierten auf dem Immobilienmarkt Führungskräfte und Arbeitnehmer aus der freien Wirtschaft mit Studenten des Campus Lingen und den Obdachlosen, die dann fast automatisch die Verlierer sein würden, so Alexander Menke, der seit sieben Jahren für die ambulante Wohnungshilfe der Caritas arbeitet. Einer, der von diesem System aufgefangen wurde, ist der 41-jährige frühere Rostocker Andreas.

Nach seiner Ausbildung als Dreher ging im Laufe der Wiedervereinigung vieles „einfach den Bach runter“, so der ehemalige DDR-Bürger. Zwischen 2000 und 2004 war Andreas in ganz Deutschland unterwegs. „Ich habe das Angebot Hilfe zur Selbsthilfe angenommen und lebe seit dem letzten Jahr in einer kleinen Wohnung in Haselünne“, erzählte der gelernte Handwerker. Andreas hofft, eines Tages einen Job als GaLa-Bauer zu ergattern und fügt hinzu, dass die frühere Obdachlosigkeit noch viele Jahre danach auf einen Menschen einwirke.

Zu Weihnachten wird die Caritas wieder ein spezielles Angebot in der Wärmestube anbieten. Sie rechnen mit rund 100 Menschen.

Am späten Abend wollte der ehemalige Obdachlose Andreas noch einmal eine Nacht im kalten Caritas-Zelt verbringen. Übrigens ließen sich kaum Meppener Bürger bei dieser Aktion blicken. Hoffentlich kein Zeichen dafür, dass der Gesellschaft diese Menschen völlig egal sind, denn treffen, so zeigten die Beispiele, kann es jeden.