Den Tod jeden Tag vor Augen Meppenerin ist Niedersachsens beste Bestatterin

Im Lager des Bestattungshauses Efken zeigt Lena Loddeweg, wie groß die Vielfalt an Särgen ist. Foto: Ina WemhöneIm Lager des Bestattungshauses Efken zeigt Lena Loddeweg, wie groß die Vielfalt an Särgen ist. Foto: Ina Wemhöne

Meppen. Der Tod ist ihr tägliches Geschäft. Seit vier Jahren arbeitet die 21-jährige Lena Loddeweg als Bestatterin beim Bestattungshaus Efken und weiß das Leben seitdem viel mehr zu schätzen. Die zugezogene Meppenerin hat als Leistungsbeste ihre Ausbildung abgeschlossen und kann sich nun Niedersachsens beste Bestatterin nennen.

Lena Loddeweg hat keine Angst vor dem Tod, nur Angst vor dem Sterben − sie weiß, wie es hinter den Kulissen von Beerdigungen zugeht und sieht jeden Tag, wie bemüht die Angehörigen der Verstorbenen sind, den Abschied so schön wie möglich zu gestalten.

Die 21-jährige Meppenerin wollte bereits seit ihrem 14. Lebensjahr Bestatterin werden . Nach einem zehnmonatigen Praktikum beim Bestattungshaus Efken war sie sich dann sicher: „Es ist mein Traumberuf, weil es unheimlich abwechslungsreich ist. Jeder Tag ist anders.“

Neben der Organisation der Gedenkfeiern und der Gesprächsberatung mit Angehörigen gehört es auch zu Lenas Job, die Verstorbenen abzuholen, zu waschen, anziehen, zu rasieren und, bei Unfallopfern, Wunden zu versorgen. Außerdem ist die Trauerpsychologie Bestandteil der Ausbildung. „Einfühlungsvermögen ist bei den Gesprächen mit den Familien sehr wichtig. Aber manchmal weiß man auch gar nicht, was man sagen soll, und dann ist eine Umarmung viel mehr wert als rumzustammeln“, erzählt die 21-Jährige. Für sie gilt jedoch immer: „mitfühlen aber nicht mittrauern“. Die Distanz zu wahren sei elementar, um die Trauer nicht mit ins Privatleben zu nehmen. „Es gibt natürlich auch Grenzfälle wie den Tod eines Kindes oder einen sehr plötzlichen Unfalltod, der einen dann sehr berührt“, erzählt Lena.

In den vier Jahren im Bestattungshaus Efken hat die toughe Bestatterin schon viele Beerdigungen geplant, Särge mit den Verwandten ausgesucht, Trauerkarten gestaltet und Dekorationen und Musik vorbereitet. Aber eine ganz persönliche Beerdigung ist der 21-Jährigen noch sehr präsent. Nämlich als ein FC-Bayern-München-Fan sich in einem roten Sarg begraben ließ. „Auf der Beerdigung wurde die Fan-Hymne gespielt, und auch der Fanschal wurde dem Verstorbenen umgelegt. Auf einer Leinwand wurden Fotos eingespielt, und auch einige Trauergäste erschienen in roter Kleidung auf der Beerdigung“, erinnert sich Loddeweg.

Über ihre eigene Beerdigung möchte sie sich noch keine Gedanken machen, aber von der Möglichkeit, die Urne mit der Asche verstorbener Angehöriger zu Hause aufzubewahren oder im Garten zu verstreuen, die es seit Kurzem in Bremen gibt, hält die Bestatterin gar nichts. „Ich finde, einen gesonderten Ort, an dem die Angehörigen und Bekannten den Verstorbenen besuchen können, viel schöner, als die Urne in eine Ecke zu stellen“, sagt die 21-Jährige.

Seit sie sich für den Beruf entschieden hat, lebe sie intensiver und rede auch mit Freunden und ihrer Familie öfters über den Tod. „Ich weiß, meine Großeltern leben auch nicht ewig, darum versuch ich, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen.“

Die 21-Jährige schloss jetzt als Leistungsbeste ihre Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ab und ist gleichzeitig Niedersachsens beste Bestatterin. Sie qualifizierte sich somit auch für den Bundeswettbewerb, wo ihre Fähigkeiten und Kreativität noch einmal gefragt waren. „Verschiedene Aufgaben mussten bewältigt werden: Trauerkarten gestalten und Anzeigen der Verstorbenen aufgeben“, so Lena, die dabei sehr gut abschnitt. Mit dem dritten Platz gewann sie von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ein Stipendium im Wert von 6000 Euro. Damit will sie ihre Ausbildungseignungsprüfung absolvieren, um sich irgendwann auch mal selbstständig machen zu können.

„Viele unsere Kunden fragen bei der Organisation der Beerdigungen gezielt nach Lena, weil sie sehr gut in ihrem Job ist“, erzählt Irmgard Efken, Inhaberin des Bestattungshauses . „Sie ist einfühlsam, kommunikativ und sehr engagiert in der Umsetzung der Kundenwünsche.“


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