Theater Greve zu Gast „Die Brüder Karamasow“ kommen in Meppen gut an

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Viel Beifall gab es für die Hamburger Theatermacher in Meppen. Foto: Daniel LöskerViel Beifall gab es für die Hamburger Theatermacher in Meppen. Foto: Daniel Lösker

Meppen. Mit großer schauspielerischer Intensität und Brecht’schem Regiegedanken begeisterten die Hamburger Theatermacher in Meppen bei dem Versuch, eine der ganz großen Geschichten der Weltliteratur auf die Bühne zu bringen.

Als Fjodor Michailowitsch Dostojewskij seinen letzten Roman beendete, hatte er gerade noch ein Jahr zu leben. Er erzählt die Geschichte der drei Brüder Karamasow, die als Erwachsene in ihr Elternhaus zurückkehren, wo sie ihrem Vater als einem alten, lüsternen Trunkenbold begegnen. Ihre Verachtung ist so groß, dass sie seinen Tod herbeiwünschen. Als er dann wirklich ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf den ältesten Bruder, Dimitrij. Er wird schuldig gesprochen und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Alle wissen jedoch: Ein anderer hat den greisen Unhold ermordet, und trotzdem nehmen die Brüder die Schuld auf sich. Inmitten menschlicher Verirrungen und turbulenter Beziehungswirren stehen die Fragen nach dem Gesetz, dem Glauben und der Ethik.

Spannungsbogen

Wofür Dostojewskij knapp 1000 Buchseiten braucht, jenes versucht das Theater Greve in zweieinhalb Stunden auf die Bühne zu bringen. Ein von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, möchte man meinen. Dass dem nicht ganz so ist, haben wir der feinen Regiearbeit des Theatergründers Manfred H. Greve zu verdanken. Nicht immer zu einhundert Prozent gelungen ist ihm und seinem Team allerdings, den Spannungsbogen über den gesamten Abend aufrechtzuerhalten. Was im Roman noch funktioniert, wird hier durch eine gewisse Dialoglastigkeit zur Konzentrationsaufgabe für das Publikum. Doch durch die fast durchgängig ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen kann diese kleine Schwäche gut kompensiert werden.

Vorzüglich, wie Otto Beckmann als jüngster Sohn Aljoscha durch die Geschichte leitet. Er ist sowohl Erzähler als auch Protagonist. Auch die Darsteller der Brüder Dmitrij und Iwan, Jerzy Fabian Kosin und Thomas Gerber, sind hervorragend ausgewählt und bewältigen die große Aufgabe mit schauspielerischer Bravour. Den unehelichen vierten Bruder Smerdjakow, der ein unwürdiges Dasein als Diener seines wahrscheinlichen Vaters führt und am Ende als der eigentliche Täter entlarvt wird, setzt Tom Keidel mit dämonischer Selbstzerstörungswut eindrucksvoll in Szene. Dagmar Bernhard gefällt als unberechenbare Lebedame Gruschenka, die sowohl Dmitrij als auch seinem Vater Fjodor den Kopf verdreht. Dieser wird von Peter Rauch als larmoyanter, geiler, sich nicht um seine Söhne kümmernder und nur auf seinen Vorteil bedachter Unsympath dargestellt.

Dem Volkstheater nah

Allerdings ist Rauch dabei in der Gefahr, ab und zu in einen dem Volkstheater nahen Stil zu verfallen. Leider überhaupt nicht mit den durchgängig guten schauspielerischen Leistungen mithalten kann Dilara Schroeder. Viel zu steif und unflexibel wirkt sie in Ihrer Rolle der Katarina Iwanowna. Fast schon dankbar muss man da Manfred H. Greve sein, dass er ihre im Buch durchaus gewichtige Rolle hier doch recht klein hält.

Der aus schauspielerischer Sicht absolute Höhepunkt ist ganz sicher die Szene der „Legende vom Großinquisitor“, in der Iwan seinem Bruder Aljoscha seine erschütternd radikale Weltanschauung von Freiheit in einem eigens von ihm verfassten Poem erzählt. Eindrucksvoll, wie die beiden Darsteller dieses Stück ganz großer Weltliteratur auf der Bühne umsetzen.

Brecht’schen Charakter hat das Bühnenbild, das, wie Greve im Programmheft erzählt, ganz bewusst, dem Publikum viel Raum zur Fantasie lässt. „Jedes tief naturalistische (...) würde das Stück erschlagen“, so der Regisseur.

Dass am Ende viele Fragen offenbleiben, ist absolut gewollt und dem Roman des großen russischen Schriftstellers verwandt.

Greve und seinen Mitstreitern ist es tatsächlich gelungen, die großen Dostojewskij’schen Fragen nach der Stellung des Menschen zu Gott, dem Sinn von Leid und dem Verhältnis von Gut und Böse in angemessener Form auf die Bühne zu bringen.


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