Heilende Kraft aus der Wand Eine Salzgrotte bei Meppen für Mensch und Tier

Von Carola Alge


Meppen. Es riecht nach Meer. Feiner Salzniesel fällt von der hellen Decke herab, aus einer Ecke mischt sich der mineralhaltige Duft einer kleinen Saline neben dem Eingang dazu. Entspannungsmusik scheinbar aus dem Nichts umspielt deren sanftes Rauschen. Decken- und Wandstrahler zaubern zusätzlich Wohlfühlatmosphäre pur in der für Menschen und Tiere gebauten Grotte im Meppener Ortsteil Fullen.

Christiane Laun hat sie auf ihrem Pferdetherapiehof eingerichtet und betritt mit ihrer Equinus Salzgrotte Neuland in der Region. Ausprobieren, Erfahrungen sammeln ist angesagt. Erfahrung darüber zum Beispiel, wie lange sich ein Pferd im Verhältnis zu einem Hund in dem 28 Quadratmeter großen Raum bei welcher Temperatur wohlfühlt. Mit Fanny hat Laun eine geeignete Probandin. Das zwölf Jahre alte Shetlandpony leidet unter undefinierbarem Husten. Seine Augen tränen. Um den Allgemeinzustand des Tieres zu verbessern, sind seine Besitzer, Jennifer und Klaus Schuster aus Haren-Tinnen, mit ihm nach Fullen gekommen.

Vorsichtig befestigt Laun das Pony an der an einem boxähnlichen Gebilde angebrachten Anbindevorrichtung in der Mitte des teilweise mit Himalajasalz-Steinen verkleideten Gewölberaums. Scheu zeigt Fanny zu keiner Zeit. Im Gegenteil. Die Stute gähnt öfter und leckt mit seiner Zunge ins Nichts. Beides gefällt der Osteopathin für Hunde und Pferde . „Das sind Zeichen von Wohlfühlen und dass sich Schleim ablöst.“

Nur ganz selten bewegt sich Fanny ein paar Millimeter auf seiner seitlich in gelblich gedimmtes Licht getauchten Stelle. Der Grund ist nicht etwa Unruhe, sondern seine Familie. Gegenüber genießen auf einer der rustikalen Holzbänke seine Besitzer samt Tochter Lina und Häsin Carla die Atmosphäre. Familienhund Roxy wuselt ebenfalls herum. Ein bisschen hat die Szene von den Bremer Stadtmusikanten.

Lina, Roxy und Carla sind nicht einfach nur so dabei. Auch für sie erhoffen sich ihre Besitzer Linderung diverser Beschwerden. Die dreijährige Tochter kämpft häufig im Jahr mit sehr hartnäckigem Husten und Bronchitis. Die zehnjährige Australian-Shepard-Mix-Hündin hat Juckreiz, kratzt sich viel. Und die sechsjährige Zwergwidderhäsin ist, medizinisch gesehen, eine einzige „Baustelle“: Asthma mit Atemnot, Allergien und Durchfall machen ihr das Leben schwer. Eigentlich hatten die Schusters sich, wie vom Tierarzt empfohlen, bereits mit dem Gedanken getragen, den Mümmelmann einschläfern zu lassen. Nun hoffen sie aber, dass Besuche in der Salzgrotte den Allgemeinzustand doch noch verbessern können.

Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Nach nur einer halben Stunde Aufenthalt in der Grotte , in der knapp neun Tonnen Himalajasalz verbaut und die Decke aus einem mit Salz aus dem Toten Meer versetzten Strukturputz versehen sind, atmet die Häsin auf dem Arm ihrer Besitzerin deutlich ruhiger. An seinem Rückenfell ist zu sehen, dass das Tier die Luft nicht mehr, wie bisher, schwer, sondern gleichmäßig und leicht einzieht. Mehr noch. Die Häsin möchte auf den Boden. Neugierig geht sie auf Erkundungstour, bleibt immer wieder kurz an den Himalajasalz-Steinen stehen, schnuppert daran.

Christiane Laun gefällt das. Auch nahezu austherapierte Tiere wie Carla hatte die 31-Jährige, selbst großer Salzgrottenfan und durch den Besuch einer Saline inspiriert, im Hinterkopf, als sie das Projekt Salzgrotte vor ein paar Monaten in Angriff nahm. Herausgekommen ist eine urgemütliche Grotte, in der das Salz aus einer natürlichen Sole-Quelle über eine Saline und einen Ultraschall-Sole-Vernebeler in die Luft gebracht wird. Glühbirnen erwärmen das Salz, bringen es zum Leuchten. Die Steuerung erfolgt über einen Schaltkasten im angrenzenden Seminarraum.

Die Aufnahme des Salzes erfolgt über das ionisierende Mikroklima in der Grotte. „Die Mineralstoffe und Spurenelemente durchdringen die Haut und gelangen damit in den Blutkreislauf“, erklärt Laun und tippt kurz über den Arm ihrer Banknachbarin Jennifer Schuster. Der Hauch einer winzigen salzigen Schicht hat sich darauf abgelagert. „Ich merke überall einen leichten Salzfilm. Auch auf den Lippen. Das ist sehr angenehm und schmeckt irgendwie nach Nordsee“, schmunzelt die Harenerin.

Das ist so gewollt. „Die Luft der Grotte enthält eine Feuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent und sichert dank ihres großen Anteils an Natriumchlorid, das antiallergisch und pilzhemmend wirkt, eine besondere Reinheit. Kristallsalze sind besonders reich an Jod, Kalzium, Magnesium, Kalium, Brom und Eisen, was durch diese spezielle Therapieform leicht über Atmung, Schleimhäute und Haut vom Körper aufgenommen werden kann. Die Atemwege werden gesäubert und der Mineralstoffhaushalt ausgeglichen“, so Laun. Fünf Sitzungen in der Grotte, davon ist die gebürtige Heilbronnerin überzeugt, wirkten auf den Organismus „wie eine Woche am Meer“.

Aufgrund ihrer achtjährigen Praxis als Osteopathin stellte sie auch bei vielen Tieren chronische Haut-, Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen fest. „Immer mehr werden leider oft therapieresistent.“ Hier soll ihre Equinus-Salzgrotte helfen. Sie soll nicht nur zur Rehabilitation, „sondern ganz besonders auch zur Entspannung, Prophylaxe und allgemeinen Gesunderhaltung dienen“.

Die Anwendungsgebiete – ob bei Mensch oder Tier – reichen – medizinisch gesehen – von Erkrankungen der Haut und Atemwege über rheumatische Prozesse bis hin zu Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen sowie Schwermetallbelastung. Gleichzeitig möchte die Pferde- und Hundebesitzerin „einfach eine Möglichkeit bieten, dass sich Mensch und Tier einfach auch mal eine Auszeit vom Alltagsstress nehmen können.“

Die Zwei- und Vierbeiner der Familie Schuster genießen das. „Bei Fanny hat sich richtig gut Schleim gelöst“, freut sich Jennifer Schuster. Glücklich tätschelt sie dem Pony, das zwischendurch immer wieder die Augen schließt und kurz vor dem Einschlafen ist, die helle Mähne. Neben ihr hustet Tochter Lina. Der Husten klingt gelockert. Salzniesel und Co. zeigen ihre Wirkung in der Grotte .


Christiane Laun vertraut in die Möglichkeiten der osteopathischen Hunde- und Pferdetherapie voll und ganz. Schon als kleines Mädchen wollte sie „immer etwas mit Tieren machen“. Sie absolvierte ein Praktikum bei einem Veterinärmediziner. Mit dem Einschläfern von Tieren kam sie allerdings „überhaupt nicht klar“. Der Weg der seit 2003 im Emsland Lebenden machte einen Schlenker. Sie wurde Floristin, arbeitete in ihrem Beruf, bis sie 2004 erfuhr, dass eine Ausbildung zur osteopathischen Pferde- und Hundetherapeutin nun auch als Nichtmediziner möglich war. Drei Jahre lang ließ sie sich in der Lüneburger Heide und im Kölner Raum schulen, jobbte nebenbei. Ihr Unternehmen gründete sie im Jahr 2007, war zunächst jedoch erst einmal nur in Sachen Pferd mobil unterwegs. 2009 wurde dann schließlich der große Traum vom eigenen Pferdetherapiehof mit Praxis und Aufnahmemöglichkeit von Rehapatienten wahr. Auf dem Restbauernhof in Klein Fullen, auf dem sie mit ihren Eltern, fünf Pferden, Hunden und Katzen lebt, eröffnete die 31-Jährige, inzwischen auch Cranio-Sacral-Therapeutin & Akupunkteurin, ihre Praxis. cw

Die Equinus Salzgrotte von Christiane Laun finden Sie in der Flutmulde 8 in 49716 Meppen. Preise: Pferd: 20 Euro, Pferd und Mensch: 30 Euro, Hund15 Euro, Hund und Mensch: 25 Euro, Mensch: 15 Euro. Termine sind nur nach telefonischer Absprache möglich. Weitere Informationen unter Tel. 05931/887333, 0176/43004088 und per E-Mail info@pferdetherapiehof.de. cw