Wie in einem jubelnden Stadion New-York-Marathon für Meppenerin Erlebnis des Lebens

Von Carola Alge


Meppen. Medaillen hat Carolin Folkerts schon viele. Eine für sie besonders wichtige erlief sie sich jetzt über 42 Kilometer: die des New-York-Marathon. 5.03 Stunden, so die bisherige offizielle Messzeit, rackerte sich die Meppenerin dafür quer durch die Straßen der US-Metropole ab – gehandicapt durch starke Halsschmerzen.

Ob es bei der Zeit bleibt oder das Ergebnis auf die von ihr gemessenen deutlich schnelleren 4.30 Stunden korrigiert wird, ist noch unklar. Das ist der 30-Jährigen im Moment aber auch nicht so sehr wichtig. Viel bedeutsamer findet sie, bei dem Laufevent mitgemacht zu haben. Als eine von mehr als 50000 Startern. Unter ihnen, getragen von den Jubelrufen der Zuschauer, dabei gewesen zu sein ist für die Emsländerin „das Erlebnis meines Lebens.“

Jede Minute genoss sie, auch wenn starker und eisiger Wind und Temperaturen um 9 Grad alles andere als angenehm waren. „Der Lauf war der härteste, den ich je gelaufen bin. Ich war gesundheitlich angeschlagen, und während des Laufs kamen üble Bauchschmerzen dazu“, berichtet Carolin Folkerts, die am Mittwoch in die Heimat zurückkehrt, aus New York. Vor allem der Wind habe sie förmlich fast umgehauen. „Ich habe wie ein Kaninchen Haken geschlagen, so sehr wurde man vom Wind nach links und rechts gedrückt.“ Bis zum Schluss behielt sie als Schutz gegen die Kälte ihre eigentlich für eine Spendenaktion vorgesehene Jacke an.

Vor allem die unvergleichlich tolle Stimmung ließ die Meppenerin, mit Startnummer 34824 ins Rennen gegangen, durchhalten. „Es war, als wäre ich 42 Kilometer durch ein jubelndes Stadion gerannt.“ Die Läufer seien gefeiert worden wie sonst nirgendwo. Richtig beeindruckend fand sie diese Kulisse und Atmosphäre. „Ich musste extrem die Zähne zusammenbeißen, um durchzuhalten. Aber Rufe wie ‚Run German Lady‘ oder ‚You are looking good, sweety‘ haben mich immer wieder lächeln lassen und angespornt.“

Jederzeit würde die angehende Justizfachwirtin, die ihre Teilnahme am New-York-Marathon dem ersten Platz bei einem Online-Voting verdankt, dort wieder starten. „Ich wäre auf jeden Fall wieder dabei und würde dann gerne gesund starten.“ Teil dieses Langstrecken-Events zu sein ist ein „wahr gewordener Traum“ für die Laufbegeisterte, die erst im April vergangenen Jahres in Hamburg ihren ersten Marathon absolvierte.

Doch nicht nur der Marathon begeisterte die 30-Jährige. New York an sich sei einfach unglaublich. „Es ist, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Man wird überflutet von Lichtern und schrillen Leinwänden. Aus Gullydeckeln dampft es. Gefühlte Millionen von Taxis und Cops sind unterwegs. Alles ist laut. Aber es ist toll.“

Die Menschen erlebt die Meppenerin als sehr offen. „Man steht kurz irgendwo, und, schwups, unterhält man sich mit den Umherstehenden.“ Das Gefühl, fremd zu sein in der Weltstadt, habe sie nie gehabt. Im Gegenteil. Als die Menschen merkten, dass sie und ihre Truppe aus Deutschland kommen, war die Begeisterung groß. „Uns wurde immer wieder zum Gewinn der Fußball-WM gratuliert. Und beim Namen Thomas Müller strahlten so viele.“

Apropos Müller. Einen Hauch seiner bayrischen Heimat verbreiteten Carolin Folkerts, ihr Freund und die anderen Starter ihres Teams bei einer großen Halloween-Party am Times Square. Mit Kunstblut und Narbengebilden schön schaurig bemalt, feierte die Gruppe in Lederhosen und Dirndl ausgelassen an einem der Wahrzeichen der Metropole. „Die Halloween-Parade war super. Die Verkleidungen waren sehr kreativ und ausgefallen.“

Diesen Eindruck , den wahnsinnigen Blick auf Empire State Building, Freiheitsstatue und Co. nimmt sie als „einfach tolle Erinnerungen“ mit auf den mehr als 6000 Kilometer langen Weg zurück über den großen Teich nach Deutschland. Und ein paar Zeitungen, darunter die New York Times, hat sie im Gepäck. Die Berichte darin über „ihren“ Marathon will sich Carolin Folkerts daheim einrahmen. Daneben soll die Medaille des New-York-Marathons hängen.