Davin Rickmann über Transsexualität Meppener ist als Mädchen geboren und als Junge glücklich

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Zuversichtlich: Davin Rickmann hat schwere Zeiten hinter sich. Nach dem offenen Gespräch mit seiner Mutter geht es dem 19-Jährigen jedoch besser. Foto: Nico BuchholzZuversichtlich: Davin Rickmann hat schwere Zeiten hinter sich. Nach dem offenen Gespräch mit seiner Mutter geht es dem 19-Jährigen jedoch besser. Foto: Nico Buchholz

Meppen. Davin Rickmann fühlt sich wohl. So gut ging es dem jungen Meppener jedoch nicht immer in seinem Leben. Denn auf die Welt gekommen ist er als Mädchen mit dem Namen Nadine. Der Weg von der Frau zum Mann war und ist ein beschwerlicher. Trotzdem spricht der 19-Jährige offen über seine Transsexualität.

Schon im Alter von sieben Jahren fühlte sich Davin Rickmann eher als Junge, obwohl er als Mädchen geboren war. „Damals hatte ich nichts übrig für das Schminken oder hübsche Kleider. Ich wollte immer nur Jeans, T-Shirts und Pullover tragen.“ Die Mutter habe dem Verhalten keine große Bedeutung beigemessen. Doch auch als der junge Mann, der damals noch eine junge Frau war, in die Pubertät kam, änderte sich nichts an dieser Haltung.

„In dem Alter hat man noch keine Ahnung davon, was Transsexualität ist“, sagt er heute. Davin, der zu der Zeit noch auf den Namen Nadine hörte, fühlte sich zu Frauen hingezogen und sah sich selbst auch eher als Junge. „Ich habe oft darüber nachgedacht und mir am Anfang selbst gesagt, dass ich bescheuert bin.“ Diese Situation belastete ihn nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Er bekam Kopfschmerzen, fühlte sich schlecht. „Wir fuhren zum Arzt, der alles überprüfte. Er konnte aber nichts finden.“ Davin durchlebte eine schwierige Phase in seinem Leben.

Gespräch mit der Mutter

Die Erlösung kam 2013. Seine Mutter ging auf Davin zu und suchte das Gespräch. Sie fragte: „Wenn Du noch einmal von vorne anfangen könntest, würdest Du dann als Junge oder als Mädchen starten?“ Für Davin war die Antwort klar: natürlich als Junge. Die anschließende Reaktion der Mutter hat ihm sehr geholfen. „Sie ist ein sehr offener Mensch. Für sie stand im Mittelpunkt, dass es mir gut geht.“

Das, sagt der Meppener, war der Wendepunkt in seinem Leben. „Es war wie eine 180-Grad-Drehung.“ Mit der Unterstützung seiner Mutter konnte Davin sein Leben genießen. „Ich hatte plötzlich Spaß daran, etwas zu unternehmen.“

Angespornt durch diese Reaktion, ging Davin einen Schritt weiter. Er informierte auch Freunde, Bekannte und Schulkameraden über seinen Entschluss, vom Mädchen zum Jungen zu werden. „Meine beste Freundin und mein Cousin waren nicht überrascht.“

Auch an der Marienschule, die er besuchte, nahmen die Klassenkameraden die Nachricht von der Transsexualität sehr offen auf. „Ich hatte schon etwas Bammel, wie sie reagieren würden. Aber Schüler, Lehrer und auch die Schulleitung haben sich super verhalten.“ Anschließend war das Interesse groß. „Sie haben mir viele Fragen dazu gestellt.“ Mittlerweile hat Davin an der Marienschule seine Fachhochschulreife gemacht. Nun möchte er als Krankenpfleger arbeiten.

Nach dem Gespräch mit seiner Mutter stand für Davin auch fest, dass er körperlich ein Mann werden möchte. Sein Hausarzt vermittelte ihn an eine Psychologin in Münster.

Hormonbehandlung und Operationen

Um eine Geschlechtsumwandlung durchführen lassen zu können, musste sich Davin dort ein Jahr lang psychologisch betreuen und beraten lassen. „Es ist ein Testjahr, um zu sehen, ob man auch wirklich dabei bleibt.“

Dieses Testjahr hat der 19-Jährige nun absolviert. Er ist weiterhin fest entschlossen, als Mann durch sein Leben zu gehen. „Einige Therapiestunden muss ich noch besuchen, dann kann die Hormonbehandlung beginnen“, sagt Davin. Er kann es kaum erwarten.

Anschließend stehen Operationen an. Brustgewebe und Eierstöcke werden entfernt, aus körpereigenem Gewebe wird ein Penis geformt. „Es ist wirklich erstaunlich, zu was die moderne Medizin in der Lage ist“, sagt Davin. Große Sorgen macht er sich davor nicht. „Natürlich kann bei jeder Operation etwas passieren. Aber ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch.“

Obwohl diese Hürden noch vor ihm stehen, blickt er zuversichtlich in seine Zukunft. „Ich bin wirklich froh, dass ich den Schritt gegangen bin, und auch überrascht, wie gut alle das aufgenommen haben.“ Davin hofft, dass niemand es als Provokation versteht, dass er so offen mit seiner Transsexualität umgeht. „Ich möchte nur, dass Leute, denen es vielleicht genauso geht wie mir, den Mut aufbringen, darüber zu reden. Das Thema sollte auf keinen Fall unter den Teppich gekehrt werden.“

Einen Rest Nadine gibt es allerdings noch in Davins Leben. Sein Personalausweis weist ihn noch als Frau aus. „Es ist sehr viel Papierkram, bis man das geändert hat“, sagt der Meppener. Doch auch auf dem Ausweis soll in Zukunft der Name Davin zu lesen sein. Denn Nadine gehört zur Vergangenheit in seinem Leben, die er hinter sich gelassen hat.

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Was ist Transsexualität?

In internationalen Diagnoseprotokollen wird Transsexualität wie folgt definiert: „Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht so weit wie möglich anzugleichen.“

Es gibt aber auch andere Definitionsansätze. Pascal Hartmann-Boll betreibt eine psychosoziale Praxis in Geeste-Osterbrock. Der Sozialarbeiter und Sozialpädagoge bietet Beratung unter anderem zum Thema Sexualpädagogik an. Er bevorzugt in diesem Zusammenhang den Begriff Transgender. „Der Begriff möchte sich von der sozialen Rollenzuschreibung als Mann oder Frau emanzipieren“, so Hartmann-Boll. So soll Menschen die Wahl gelassen werden, sich selbst als Mann, Frau oder auch als Genderqueer ohne Einordnung zu bezeichnen.

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