Vom Abbruch zum Aufbruch Musical „Treppengeflüster“ hat Premiere in Meppen

Von Peter H. Eisenhuth

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Meppen. Wieder einmal hat ein Menke-Potthast-produziertes Musical, dieses Mal „Treppengeflüster“ aus der Feder von Sarah Kurze und Wolfgang Kohne, das Meppener Theaterpublikum begeistert.

Musik mit Ohrwurmpotenzial, pfiffig-freche, aber auch berührend ernste Texte, ausgefeilte Tontechnik, ein die Stimmung auf den Punkt bringendes Lichtkonzept, Akzente setzende Kulissen, Charaktere unterstreichende Kostüme und Maskenarbeit, interpretierende Choreografie und voller Einsatz aller Akteure auf der Bühne – mit Liebe zum Detail ist ein Gesamtwerk entstanden, das nicht nur vergnüglich unterhält, sondern einen gesellschaftlichen Mikrokosmos mit Wiedererkennungseffekt offen legt, der durchaus auch nachdenklich stimmt.

Voll Herzenswärme strahlen lässt Elena Fehrmann das Gesicht der Alice, die früh das Café ihrer Eltern übernehmen musste und selbst so sehr einen Menschen für sich bräuchte. Das ist ebenfalls Markenzeichen von Heike Görlich – die Frau Mietjen, einer mütterlichen Floristin, in der die Weltkarriere als Opernstar als Erfahrung weiterlebt. Hervorragend interpretieren Anna Stecking und Florian Kerperien tänzerisch ihren Vergangenheitstraum.

Den Gegenpol bilden in „Treppengeflüster“ die eng befreundeten Studentinnen Laura und Kora. Während Heike Wösten Kora zum vor Temperament fast berstenden Vulkan werden lässt, wenn es um „süße Jungs“ geht, lässt sich Laura, liebenswert von Birgit Meiners in Szene gesetzt, mitreißen, ohne sich zu verlieren. Den unsicheren, immer am Pullover knibbelnden Simon haben verpasste Lebenschancen immer mutloser werden lassen. Jan Grimm verkörpert den selbst ernannten Versager mit viel Einfühlungsvermögen, ohne ihn lächerlich zu machen- Andy Krüßel lässt den geradezu dement erscheinenden, beharrlich nach seiner Kaffeedose forschenden Harry in phänomenaler Weise gebrechlich, aber nicht seiner Würde beraubt auftreten. Umso eindrucksvoller wirkt Harry, wenn er schließlich zur alles entscheidenden Schlüsselfigur wird. In dieses ruhende Biotop gerät Weltenbummler Tim, dessen starkes Selbstbewusstsein letztendlich auch nur Fassade ist. Wolfgang Kohne spielt und singt diese Vielschichtigkeit glaubhaft heraus.

Das alles gerät buchstäblich aus den Fugen, als Hausbesitzerin Greta, Bühnen beherrschend von Sarah Kurze stimmgewaltig und mit großer Präsenz selbst in Szene gesetzt, eiskalt den Abriss des Idylls verkündet. Doch der Schlag an die Hausmauer bricht auch die menschlichen Fassaden auf, der Umhergetriebene findet sein Ziel, Schüchterne zueinander, Greta zu sich selbst. Träume werden wieder (er)lebbar, Neuanfänge möglich.


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