Fördermittel für Nutztierhalter Niedersachsen will Schutz gegen den Wolf fördern


Meppen. Noch in diesem Jahr sollen Nutztierhalter in Niedersachsen Fördermittel für den Schutz ihres Viehs gegen den Wolf beantragen können. Eine lange erwartete Richtlinie des Landes sieht Zuwendungen für Abwehrmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde vor. Das dürfte mittelfristig auch im Emsland für Schaf- und Ziegenhalter von Interesse sein.

Denn seit 2013 lebt auf dem Gebiet der Wehrtechnischen Dienststelle 91 zwischen Meppen und Stavern nachweislich ein Tier, und auch im Gebiet des Bombenabwurfplatzes Nordhorn-Range zwischen Nordhorn und Lingen ist 2014 mehrfach ein Wolf in Erscheinung getreten. Dass Wölfe als Nahrungsopportunisten die leicht zu erbeutenden Schafe und Ziegen nicht verschmähen, ist bekannt und nicht umstritten. Bei Emsbüren ist ein erster Fall eines Wolfsrisses an zwei Schafen im Emsland dokumentiert, der sich Gründonnerstag 2014 ereignet hatte.

Hohe Kosten

Erfahrungen aus anderen Gebieten Deutschlands, in denen schon länger Wölfe leben, zeigen, dass vor allem Herdenschutzhunde und speziell für Wölfe geeignete Zaunsysteme Schutz vor Angriffen bieten können. Bisher hatten die Tierhalter in Niedersachsen für entstehende Mehrkosten selbst aufkommen müssen, und da Schafe vor allem in der Landschaftspflege gehalten werden, war das ein Problem: hohe Kosten für sehr lange Zäune standen sehr geringen Einnahmen durch die Schafe gegenüber. Und jeder Herdenschutzhund kostet rund 1000 Euro pro Jahr und ist in öffentlich zugänglichen Naturschutzgebieten kaum problemlos einzusetzen.

Das Land hatte mit der schnellen Ausbreitung des Wolfes wohl nicht gerechnet und lange Zeit keine Antwort auf die Frage nach der Kostenübernahme für Schutzmaßnahmen parat. Getötete Nutztiere wurden und werden zwar nach großem bürokratischem Aufwand entschädigt, den Tierhaltern ging es aber nie ums Geld, sondern darum, ihre Tiere vorbeugend zu schützen ( wir berichteten ).

Nun plant das Land, in einer sogenannten „Förderkulisse Herdenschutz“ nicht nur vorbeugende Schutzmaßnahmen anteilig zu bezahlen, sondern einen „wolfsabweisenden Grundschutz“ auch vorzuschreiben. Wer ihn innerhalb eines Jahres nach Bekanntgabe seines Landkreises als offizielles Wolfsgebiet nicht besitzt, wird im Schadensfall auch nicht entschädigt.

In die Förderkulisse fallen derzeit vor allem die Landkreise in Ostniedersachsen, in denen sich die fünf niedersächsischen Wolfsrudel etabliert haben. Das Emsland und die Grafschaft Bentheim gehören noch nicht zur Gebietskulisse, diese werde aber stetig erweitert, sagte die Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums, Inka Burow.

Sie teilte auf Anfrage mit, auch außerhalb der eigentlichen Förderkulisse seien im Einzelfall Förderungen von bis zu 80 Prozent der entstehenden Kosten möglich.
Als Präventionsmaßnahmen sollen Aufrüstungen und
einmalige Neuanschaffungen von Schutzzäunen nebst Zubehör sowie die Anschaffung von Herdenschutzhunden gefördert werden. Grundsätzlich soll es Zuwendungen für die Halter
von Schafen, Ziegen und Gatterwild geben, im Ausnahmefall auch für Rinder und Pferde .

Im November könnte die Richtlinie gültig werden, erste Gelder sollen 2015 fließen. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Hobbyhalter sind außen vor. Wo hier eine Grenze zu ziehen sein wird, dürfte umstritten sein, heißt es dazu beim Landesschafzuchtverband Weser-Ems. Zuchtleiter Klaus Gerdes: „Von den 12000 Schafhaltern in Niedersachsen haben 80 Prozent weniger als 20 Schafe.“

Auch will sich das Land nicht auf einen Entschädigungsanspruch festlegen: Bei diesen Zahlungen handele es sich um sogenannte Billigkeitsleistungen, also freiwillige Zahlungen des Landes. Die Gelder für Zäune und Hunde sind dagegen Zuwendungen – für beides zusammen hat das Land in diesem Jahr 50000 und im kommenden Jahr 100000 Euro veranschlagt. Ob das ausreichen wird, ist offen.

Bald flächendeckend

Aus der Antwort der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage im Landtag geht im Übrigen hervor, dass sich der Wolfsbestand von einem Rudel im Jahr 2012 über drei im vergangenen auf fünf in diesem Jahr erhöht hat. Mit Welpen und Jährlingen könnte es gut 40 Wölfe in Niedersachsen geben. Langfristig sei mit einer landesweiten Verbreitung des Wolfes zu rechnen, heißt es.

Befürchtungen, dass es gebietsweise unerträglich hohe Wolfsdichten geben könne, sind aufgrund der Biologie der Tiere nicht angebracht, da Wolfsrudel ihr 250 bis 350 Quadratkilometer großes Revier gegen fremde Wölfe verteidigen. Irgendwann sei deshalb eine natürliche Obergrenze erreicht, sagen Biologen.

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