Vier ehrenamtliche Lehrer Viel mehr als nur Sprachkurse der AWO in Meppen

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Sie können schon etwas besser sprechen und verstehen: Die Fortgeschrittenengruppe des Deutschkurses. Foto: R. FanslauSie können schon etwas besser sprechen und verstehen: Die Fortgeschrittenengruppe des Deutschkurses. Foto: R. Fanslau 

Meppen. Elisabeth Gräper-Linnemeyer hat Verstärkung bekommen. Die pensionierte Lehrerin war bislang die einzige Dozentin, die bei der Arbeitswohlfahrt (AWO) in der Schützenstraße ehrenamtlich Deutschunterricht für Migranten erteilte.

Nach einem Bericht unserer Redaktion meldeten sich drei weitere Kräfte, die den 25 bis 30 Menschen aus Syrien, Tadschikistan, Eritrea, Rumänien, Usbekistan und anderen Ländern bei der sprachlichen Integration in Meppen unentgeltlich helfen. „Die Dozenten sind solche Schätze für uns. Ich sage jeden Tag ‚Danke‘“, freut sich Lilia Hübscher, Leiterin des AWO-Jugendintegrationsdienstes .

Dank der neuen Deutsch-Lehrer sei es möglich, die einst große, ungleiche Gruppe in mehrere kleinere aufzuteilen – je nach Leistungsstand. „Vorher war es fast nicht machbar, mit allen auf einmal zu arbeiten“, erinnert sich die Integrationsexpertin an die Anfänge der Kurse im Juni dieses Jahres. In den Kleingruppen seien jetzt Teilnehmer, die annähernd auf demselben Level sind. Wer schon ein bisschen Deutsch sprechen kann, braucht nicht mehr auf die zu warten, die von ganz vorne anfangen.

Und die vier Dozenten können den Unterricht effektiver gestalten. Bei den drei Neulingen handelt es sich um Reinhard Bühring, Marisanne von Stuckrad und Theo Kreutzmann.

Oft gehe das Engagement der ehrenamtlichen Dozenten über das reine Beibringen von deutscher Rechtschreibung und Grammatik hinaus, berichtet Hübscher. Die Lehrer organisieren Freizeitaktivitäten für die Kursteilnehmer. So organisierte ein Dozent eine Stadtführung durch Meppen, bei der er übersetzend eingriff, wenn nicht alles verstanden wurde.

Seitdem der AWO-Kurs in der Öffentlichkeit bekannter geworden ist, kommt auch immer öfter mal Unterstützung aus den Reihen der Bevölkerung. Eine Familie finanzierte ein Fahrrad. Ein Mann aus Eritrea wohnt viele Kilometer vom AWO-Gebäude in der Schützenstraße entfernt und nahm bisher wegen des weiten Fußmarsches nur sporadisch am Unterricht teil.

Fahrrad geschenkt

Dank des Fahrrades kann er regelmäßig kommen. Schon mehrmals klingelten hilfsbereite Menschen bei der AWO in der Schützenstraße, um Möbel und gut erhaltene Kleidung für die Migranten kostenlos anzubieten.

Bei den meisten Sprachlernwilligen handelt es sich um Flüchtlinge, Asylbewerber oder in Einzelfällen um Personen, die im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Meppen oder in umliegende Orte gekommen sind oder weil sie einen Einheimischen deutscher Nationalität geheiratet haben. Die meisten Kursteilnehmer verbindet, dass sie im Heimatland schwere, belastende Schicksale hinter sich haben. Manche Frauen oder Männer sind von ihren Familien getrennt worden und mussten ihre Kinder zurücklassen, eine Syrerin hat die Erschießung ihres Mannes miterlebt. Trotz allem herrscht keine gedrückte Stimmung im Unterricht oder in den Pausen. Es ist zu spüren, dass alle nicht nur etwas lernen, sondern auch Spaß an der Sache haben. Die Nachfrage nach den AWO-Deutschkursen ist nach wie vor ungebrochen. Die Räumlichkeiten in der Schützenstraße reichen kaum noch aus. Es laufen Gespräche über die Ausdehnung in ein andere öffentliches Gebäude. Auch sind weitere ehrenamtliche Dozenten willkommen. Diese können sich bei Lilia Hübscher unter Tel. 05931/20834 melden.

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