Mini-Museum voller Gemütlichkeit Meppenerin baute 100 Jahre alten Bauernkotten um

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Meppen. Der Wind lässt bunt gefärbte Baumwipfel wippen. Laub raschelt auf den Boden. Ein paar regenfest gekleidete Spaziergänger machen am nahe gelegenen Dortmund-Ems-Kanal die Runde. Herbststimmung in den Höften in Meppen, in der das Haus von Ulla Kleinlosen gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit Gemütlichkeit ausstrahlt.

Ihr annähernd 100 Jahre alter liebevoll sanierter Bauernkotten liegt nicht nur idyllisch, er ist auch selbst Idylle pur. Wer hier zu Besuch ist, fühlt sich ein bisschen wie in einem kleinen Museum mit vielen Dingen aus der guten alten Zeit. In der Küche zum Beispiel, in der der Blick unwillkürlich an Dekostücken wie einem alten Ton-Schnürschuh auf einem Sims, Karo-Mütze tragender Puppe auf groß geblümtem Sofa und alten Kochgeräten hängen bleibt, ist der Herd Marke anno dazumal ein echter Hingucker.

Beschaulichkeit

Von dieser Kulisse und der Beschaulichkeit des Gebäudes mit seinem ebenso sehenswerten weitläufigen Garten war Regisseur Oliver Jahn dermaßen angetan, dass er hier und in weiteren Teilen des Hauses im Juni 2007 einen Teil seines Debütfilms „Die Eisbombe“ drehte. Dass seine Wahl auf Ulla Kleinlosens Haus fiel, verdankte sie dem Meppener Albert Teutenberg, Jahns Schwiegervater. Der hatte ihn auf das Schmuckstück aufmerksam gemacht. „Das ist es“, war Jahn damals bei einem Vorab-Besuch völlig begeistert von der Location.

Eine Location, die 1978 natürlich ganz anders aussah, als Kleinlosen sie ersteigerte. Damals war sie Studienrätin in Bremen. Jedes Wochenende kam die Emsländerin nach Meppen, um an ihrem Haus zu werkeln. Aus einem mehr oder weniger teilweise verrotteten Gebäude, einem großen dunklen Nichts mit kaum Wohnraum machte sie Schritt für Schritt jenes Gebäude, das heute viele Spaziergänger fasziniert.

Nach drei Jahren und mehr als 4500 Arbeitsstunden hatte sie sich in Küche, dahinter liegender Upkammer und zu beiden angrenzenden Ställen hin zumindest „einen so kleinen überschaubaren Bereich“ geschaffen, dass sie einziehen konnte. „Ich weiß keinen Quadratzentimeter, den ich nicht mit dem Spachtel und anderem Werkzeug bearbeitet habe“, erzählt die 63-Jährige und blickt unwillkürlich an Stütz- und Dachbalken in der Küche hoch. Hier wie auch in den anderen liebevoll gestalteten, aber nie schrullig wirkenden Räumen erinnern sie an vergangene Zeiten. An Zeiten, in denen Mensch und Tier eng beieinander lebten: Wo heute Bad und Gäste-WC sind, waren Güllegruben, wo Steinfliesen liegen, befand sich Lehmboden, statt heller Decken und Wänden bestimmte dunkles Holz den alten Kotten.

Abriss nie ein Thema

Freunde von Ulla Kleinlosen glaubten damals nicht, dass sie ihn jemals bewohnbar machen könnte, rieten zum Abriss. Abriss? Für die ehemalige Ratsfrau kam das nicht infrage. Getreu ihrem Leitsatz „Wenn man auf den Mond fliegen kann, kann man doch auch so ein altes Haus sanieren“, baute sie es Schritt für Schritt, Jahr für Jahr aus. Hammer, Flex und Co. wurden ihre besten Freunde.

Professionelle Hilfe gab es nur von einem Maurer, der Wände und Schornstein von der Diele hochzog, die heute, mit langem Holztisch und einem ausrangierten Schrank einer Sakristei als Esszimmer dient. Selbst da musste Kleinlosen kräftig mit anpacken. „Der schrie immer ‚Steine, Speis, Steine, Speis‘, und ich musste alles von unten über alte morsche Stiegen nach oben schleppen.“

Zu viel wurde der passionierten Chansonsängerin das alles zu keiner Minute. „Ich habe dem alten Haus gegenüber eine Verantwortung übernommen“, dachte und denkt sie, fuchste sich zunehmend Learning by Doing in die Handwerksmaterie, wälzte nebenbei Bücher, tüftelte, plante, verwarf Ideen, plante neu. Manchmal über Monate oder gar Jahre. Der relativ neue kleine Windfang über dem Eingang zwischen dem an den Seiten mit Kletterhortensien und Weinlaub berankten roten Teglinger Gemäuer ist ein Beispiel dafür. Oder die Überdachung der nach hinten zum Garten führend Terrasse, von der der Blick auf eine Pferdewiese schweift. Beide Bereiche nehmen optisch den für das einstige Bauernhaus typischen dunklen Holzton auf, passen zum Stil. Bewahren nennt Ulla Kleinlosen das.

Aus der scheinbar nie enden wollenden Baustelle hat sie sich ein Heim voller Gemütlichkeit geschaffen, das sie mit ihrem Mann, Hündin Cleo und zwei Katzen teilt. Die Atmosphäre, die das Haus ausstrahlt, begeistert. Auch die Besitzerin, die durchaus ein Fan moderner Architektur ist, „wenn sie passt“. Modernes passt bei ihr nicht, wäre gar ein sehr harter Stilbruch.
Hightechgeräte oder stylische Möbel der Neuzeit gibt es deshalb kaum. Flachbildschirm im aus einem der Ställe entstandenen Wohnzimmer und neue Küche im Bereich der alten Upkammer gehören zu den Ausnahmen.

Hingucker

Dieser Stil setzt sich konsequent im Garten des 1200 Quadratmeter großen Grundstücks fort. Pavillons mit Gartenmöbeln, ein gegenüber vom Teich aus Eisen gezogener Rosenbogen, Holzbank-Bereiche, unzählige Pflanzen und Bäume zieren heute das, was damals, 1978, brach lag und „nur von Betonpfeilern mit Drahtzaun umrandet war.“ Zusätzliche Hingucker: jede Menge Skulpturen. Einige sind bunt und modern, andere aus Stein oder wie am Eingang aus Holz. Aus dem Holz einer riesigen Tanne. Die hohe schlanke Figur steht jetzt genau an der Stelle, an der sich einst die Tanne befand. Dort trotzt sie dem Wind, der durch die bunten Baumwipfel pfeift.


In loser Folge stellen wir den Wohn- und Lebensstil von Menschen im Emsland vor. Die Wohntrends sind dabei so verschieden wie die einzelnen Bewohner selbst – sei es als Single, als Mitglied einer Patchwork-Familie oder als älteres Paar, das schon seit Jahrzehnten zusammenlebt. Wir sind gespannt, wie Sie leben, wohnen und eingerichtet sind. Sie möchten ihre eigenen vier Wände auch vorstellen? Dann melden Sie sich per E-Mail unter der Adresse redaktion@meppener-tagespost.de.

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