Keine Zwangsbeglückung! Fachtag des Landkreises Emsland zum Thema Inklusion

Von Helmut Diers


Meppen. Ob und wie Inklusion gelingen kann, damit beschäftigte sich ein Fachtag des Landkreises im Forum der Berufsbildenden Schulen Meppen. Im Fokus standen dazu Themenbereiche wie Barrierefreiheit, Arbeitsleben und Ehrenamt im ländlichen Lebensraum. Mit dem Thema Bildung wird sich ein gesonderter Fachtag im kommenden Frühjahr beschäftigen.

Zur Fachtagung, die musikalisch von der Rock-Cover-Band Shit Happens aus Lingen, in der Menschen mit und ohne Behinderung spielen, eröffnet und begleitet wurde, konnte Landrat Reinhard Winter rund 100 Teilnehmer aus den verschiedensten Bereichen des öffentlichen Lebens, der Politik und der Kommunen begrüßen. Inklusion sei in aller Munde, sagte Winter. Besonderen Schwung habe das Thema ab 2006 durch die UN-Konvention zur „sozialen Inklusion als das Recht auf uneingeschränkte Teilhabe aller Menschen mit und ohne Handicaps“ genommen. Ziel der Konvention sei, „dass alle Menschen mit Behinderungen unabhängig von deren Art und Schweregrad in den vollen Genuss der Menschenrechte kommen“.

Der Weg zur Inklusion bringe auf kommunaler Ebene einiges durcheinander, erläuterte Professor Dr. Albrecht Rohrmann von der Universität Siegen den Tagungsteilnehmern, denn auch die Bundesregierung sei von der Dynamik, die die UN-Konvention losgetreten habe, überrascht worden. „Wir sind lange noch nicht da, wo die Konvention uns hinhaben will.“ Zur Durchsetzung der Inklusion forderte Rohrmann, dass sich über die eigene Zuständigkeit der Kommune alle an Inklusion Beteiligten unter der Federführung der Kommune auf den Weg machen, „um gemeinsam unter den spezifischen Bedingungen ein inklusives Gemeinwesen zu entwickeln“.

„Menschen mit Behinderung wollen nicht zwangsbeglückt werden, sondern einfach nur so leben, wie jeder andere es auch tut“, betonte Rohrmann. Er warnte davor, in den Kommunen zur Umsetzung einen neuen Fachbereich zu schaffen. Die Fachplanung Inklusion erfordere „eine Fachbereiche übergreifende Planungsorientierung“.

Das Thema „Inklusion vor Ort – Handlungsansätze in Bauen und Wohnen, Mobilität und Stadtentwicklung“ griff Sofie Eichner von „StadtRaumKonzept GmbH , Dortmund“ auf und zeigte Handlungsansätze für die Stadtentwicklung bei der Umsetzung von Inklusion auf. Nach ihrem Verständnis meint inklusive Planung eine Planung für alle Menschen, eine Planung für Kinder, für Ältere, für Menschen mit Einschränkungen, für Menschen mit vorübergehender Mobilitätsbeeinträchtigung wie Gepäck oder Verletzungen. Eine solche Planung gelinge, wenn sich die Akteure gemeinsam der Aufgabe stellen, ein inklusives Gemeinwesen zu schaffen. „Inklusion muss man leben, nicht buchstabieren“, so Eichner. Michael Korden, Geschäftsführer des St. Vitus Werk, das zurzeit an 35 Orten rund 1300 Menschen mit Behinderung im mittleren Emsland betreut, bezog Stellung zum „Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Inklusion im Arbeitsleben“. Frank Eichholt vom Christopherus Werk in Lingen bezog Stellung zum Thema „Inklusion durch Sport im Emsland“. In der abschließenden Podiumsdiskussion stellte Mersmann fest: „Der Landkreis hat noch viel zu tun, hat aber schon viel getan“.


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