Saisonstart mit zwiespältigem Stoff Tragische Komödie mit Herz im Meppener Theater

Schockiert über die Intrigen: Prinz Richard (Sven Hussock) und seine Verlobte Nazreen (Melda Hazirci) in „König der Herzen“. Foto: Michael PotthastSchockiert über die Intrigen: Prinz Richard (Sven Hussock) und seine Verlobte Nazreen (Melda Hazirci) in „König der Herzen“. Foto: Michael Potthast

Meppen. Ein britscher Thronfolger verliebt sich in eine Muslima – Mit der tragischen Komödie „König der Herzen“ gastierte das Münchener Theater zu Beginn der neuen Saison auf der Bühne in Meppen.

Zwischen derber Komik und hintergründiger Kritik bewegt sich das Stück des englischen Autoren Alistair Beaton: Thronfolger Prinz Richard (Sven Hussock) liebt die Muslima Nazreen Sazwari (Melda Hazirci), will diese heiraten und selbst zum Islam konvertieren.

Vor dem Hintergrund des zu erwartenden Todes seines Vaters spitzt sich diese Situation zum Politikum zu: Premierminister Nick Bailey (Werner Haindl) sieht die Heirat als unvereinbar mit der Tradition der Monarchie in seinem Land an und will diese verhindern. Der auf Baileys Posten lauernde Oppositionsführer Stephen Clarke (Ottokar Lehrner) will die Situation für sich ausnutzen. Im Konflikt zwischen Monarchie, Religion und Politik sind es letztlich vor allem auch die persönlichen Interessen, die das Ende bestimmen: Vom Premierminister unter Druck gesetzt verlässt Nazreen ihren Verlobten Richard, der direkt nach dem Tod seines Vaters alleine den Thron besteigt.

In dem altenglisch anmutenden Bühnenbild von Claudia Weinhart agieren die Mimen unter der Regie von Johannes Pfeifer durchweg überzeugend. Vor allem ist es Werner Haindl, der mit seiner präsenten Darstellung des intriganten Premiers überzeugt. Jochen Stern als Erzbischof von Canterbury hat neben den buchbedingten Lachern auch durch sein sympathisches Spiel für Eindruck gesorgt.

Alistair Beaton stattete seine Komödie mit allerhand eher unüblichen Themen für dieses Genre aus: Missbrauch von Macht, Ungerechtigkeit, Islamo- und Homophobie oder Abhörskandale kommen hier ebenso zur Sprache wie beispielsweise ethisch-moralische Fragestellungen. An manchen Passagen der Inszenierung dürften der Umgang damit und die Umsetzung des Stoffes zumindest diskutabel erscheinen. Dass das nicht negativ zu verstehen sein muss, liegt sicher mit in der Natur der darstellenden Kunst. Und so hat „König der Herzen“ bestimmt keinen eindeutigen Eindruck beim Publikum hinterlassen.