Mobiles Wohnzimmer auf Werbetour Hausmusik von ganz leise bis rockig in Meppens City

Von Heiner Harnack



Meppen. Gehört Hausmusik nur noch zu den verstaubten Anekdoten einer vergangenen Epoche? Im Zeitalter von Internet, live-mobile-tv und Downloads reist derzeit eine kleine Truppe der Musikland Niedersachsen gGmbH durchs Land, um handgemachte Musik in die Wohnzimmer, Keller, Garagen oder auch auf die Dachböden zu bringen, und machte jetzt halt auf dem Windthorstplatz in Meppen.

Das Ambiente der kleinen Bühne bestand aus einem kleinen, einachsigen Wohnwagen, beklebt mit einer Tapete im Stil der 1960er-Jahre. Daran gehängt einige Bilder mit musizierenden Menschen, dazu gestellt ein paar schwere Eichensessel und eine Stehlampe – sowie kleine Teppiche aufs Pflaster gelegt. Eben typisch gemütliche Wohnzimmer-Atmosphäre.

Wie Martin Lüdke, Geschäftsführer der Musikland Niedersachsen GmbH und gleichzeitig Moderator der Veranstaltung, erläuterte, sollen wieder mehr Menschen zur selbst gemachten Musik geholt werden oder zu dieser zurückkehren.

Vor allem spielte Lüdke auf den 22. November an, der als der offizielle Tag der Hausmusik erkoren wurde. Aber nicht nur an diesem Datum sollen Menschen, auch wenn sie sich gar nicht kennen sollten, zusammenfinden, um der Musik zu lauschen oder diese selbst aufzuführen. Und hierbei spiele es gar keine Rolle, ob die Teilnehmer nun wirklich ein Instrument perfekt beherrschten oder zum Beispiel nur zu einer Melodie summten.

Auch Martin Nieswandt, Direktor der Musikschule des Emslandes, erklärte auf dem Windthorstplatz, wie wichtig es heute sei, die Musik zu den Menschen zu bringen. So gebe es heute auch den Unterricht für Kinder in den Schulen, da man nicht nur warten wolle, bis Interessierte den Weg zur Musikschule finden. Angebote gebe es heute genug, ob nun für die Generation von 50 plus oder bis 16 minus. Nieswandt und Lüdke betonten das einfache Motto: „Hauptsache Musik!“

Dabei wurde deutlich gemacht, dass es absolut keine Schwierigkeiten mit Forderungen der GEMA – Vertretung der Komponisten, Texter und Musikverleger – gebe, da ein Pauschalvertrag mit dieser existiere, sodass die Veranstalter der Hausmusik keine Angst vor Zahlungen haben müssten.

So stellte die Musikschule des Emslandes unter anderem auf dieser kleinen Veranstaltung das Streichquartett, das Ensemble Hotchpotch, bestehend aus Pädagogen der Schule – die mit ihrem Mischmasch, was der Name auf Deutsch bedeutet, sowohl die Tangofreunde als auch Interessenten der französischen Barockmusik bedienen – und das Violinen-Duo mit Sandy Schneider und Anne Lienstromberg, die Werke aus der Straßenmusik von Uwe Heger und anderen Komponisten aufführten. Zwei junge Frauen, die es mit ihrer schönen Darbietung verdient gehabt hätten, dass mehr Passanten stehen geblieben wären und der Musik gelauscht hätten. Ein kleines, aber feines Klangerlebnis, das man in der heutigen, hektischen Zeit gerne öfter hören würde.

Unterhaltsam zwischendurch die Präsentation des Kazoo. Hierbei handelt es sich um ein Instrument, einer kleinen Pfeife ähnelnd, in das man mit der eigenen Stimme hineinsingt. So war es den Teilnehmern an diesem Mini-Workshop in kürzester Zeit gelungen, bekannte Melodien mit dem Kazoo zu spielen oder zu singen.

Aus Papenburg war der Frauenchor Cantabile mit seinem Chorleiter und Pianisten Jürgen Saamer angereist . Von eigentlich 14 Sängerinnen waren sieben auf dem Windthorstplatz vertreten und wurden für ihr Können von den Zuhörern mit feinem Applaus bedacht. Für Freunde des Jazz sorgte die Miniformation Jazzination, mit dem Meppener Horst Caillé am Kontrabass, für den richtigen Swing und Drive am Windthorstplatz. Ein Duo, das auch großes Improvisationsvermögen auf der Kleinkunstbühne bewies.

Zwischendurch brachte Moderator Lüdge den Zuschauern auch noch kurz das Ukulele-Spielen bei. Auch hier entwickelte sich mancher Passant schnell zum Profizupfer.

Den Abschluss der Veranstaltung, die bei strahlendem Sonnenschein wesentlich mehr Zuhörer verdient gehabt hätte, bildete die Akustik-Rock- und Pop-Gruppe Kleinstadttrio. Die Band, die seit Dezember 2012 besteht, bot Eigenkompositionen wie „Herzlich willkommen“ und auch eine Coverversion des Tote-Hosen-Hits „Altes Fieber“. Vor allen Dingen der selbst geschriebene Titel „Kleinstadtkind“ ging bei den Meppenern richtig unter die Haut.

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