Ein Lied für Würde und Widerstand Die Moorsoldaten-Ausstellung in der JVA Meppen

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Meppen. Ein Widerstandslied, das um die Welt ging. – Mit einem bewegenden Rahmenprogramm ist die Ausstellung „Moorsoldaten“ bei der JVA in Meppen-Versen eröffnet worden. Jeder der 15 Moorsoldaten aus Holz steht für eines der Konzentrationslager.

Der Loruper Künstler Stefan Hempen erzählte bei der Ausstellungseröffnung von seinem Wunsch: die Kunst in den ländlichen Raum zu tragen und an Orten zu präsentieren, an denen sie gar nicht vermutet wird.

Aufgrund dieses Wunsches wird die Ausstellung „Moorsoldaten“ nun bei der JVA Meppen-Versen gezeigt. Die überlebensgroßen Holzfiguren des Bildhauers werden im Rahmen einer mobilen Ausstellung zum 80. Jahrestag der Uraufführung des Moorsoldatenliedes gezeigt.

Seit 2008 arbeitet Stefan Hempen an der Skulpturenreihe. Die Figuren, aus heimischen Baumstämmen gehauen, symbolisieren die politischen Gefangenen. Der Anstaltsleiter Per Zeller erzählte zudem, dass die Justizvollzugsanstalt auf einem der Konzentrationslager entstanden sei, die durch die Moorsoldaten dargestellt werden. Dabei steht jeder der 15 Moorsoldaten für eines der Lager.

„Jeder Mensch hat seine Würde. So wie die Gefangenen des Konzentrationslagers Börgermoor ihre Würde unter anderem versuchten durch das Lied ,Die Moorsoldaten‘ zu wahren, so wird in der JVA versucht, die Würde der Gefangenen zu schützen und zu wahren“, erklärte Per Zeller. Begleitet wurde die Veranstaltung durch das Musik-Aktions-Ensemble „Klank“ aus Bremen. Die vier Künstler Reinhart Hammerschmidt, Christoph Ogiermann, Tim Schomacker und Rainer Wörmann präsentierten das 1933 entstandene Lied der Moorsoldaten in einer beeindruckenden und bewegenden Version. Neben dem Kontrabass und der Geige wurden auch Marmeladengläser, Murmeln, Holzstücke und Steinchen als Instrumente eingesetzt.

Verbotenes Lied

Des Weiteren las Sabine Helmbrecht Passagen aus dem Buch der Moorsoldaten vor. Sie begann mit einem Zitat von William Shakespeare: „Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“

Das Lied wurde am 27. August 1933 bei einer Veranstaltung namens Zirkus „Konzentrazani“ von 16 Häftlingen, überwiegend ehemalige Mitglieder des Solinger Arbeitergesangvereins, aufgeführt. Zwei Tage nach der ersten Aufführung wurde das Lied von der Lagerleitung verboten. Trotzdem war es das Wachpersonal des Lagers, das wiederholt verlangte, dass das Lied von den Häftlingen auf ihren Märschen zum Arbeitsplatz gesungen wurde. Texter des Liedes waren der Bergmann Johann Esser und der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff.

Die Musik stammte von dem kaufmännischen Angestellten Rudi Goguel. Durch entlassene oder in andere Lager verlegte Gefangene wurde das Widerstandslied gegen den Terror der Diktatur über Börgermoor hinaus bekannt. Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Oktober bei der JVA Meppen-Versen zu besichtigen.


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