Kämpfer für Toleranz Straße in Meppen erinnert an Ludwig Windthorst


Meppen. Das Meppener Straßenverzeichnis erinnert zweimal an den berühmten Politiker und ersten Ehrenbürger der Stadt, Ludwig Windthorst: In der Neustadt zweigt von der Haselünner Straße die Windthorststraße nach Südosten ab.

Diese wurde bereits bei der Besiedlung dieses Stadtteils Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie von 1937 bis 1945 – wie eine ganze Anzahl weiterer Straßen – nach NS-genehmen Personen benannt, hier nach dem Hitlerjungen Herbert Norkus (1916 – 1932).

Der zweite Hinweis entstand viel später: 1974 wurde im Stadtzentrum wegen des ersten Neubaus der Kreissparkasse und einer damit verbundenen Veränderung der Straßenführung ein neuer Platz gebildet, der den Namen Windthorstplatz erhielt.

Ludwig Windthorst wurde am 17. Januar 1812 auf dem Gut Caldenhof bei Ostercappeln geboren und wuchs in einer Umgebung auf, die geprägt war von traditioneller Kirchenverbundenheit und katholischer Frömmigkeit. Diese sollte sein Leben und seine politischen und gesellschaftlichen Grundüberzeugungen prägen. Er machte 1830 am Gymnasium Carolinum in Osnabrück sein Abitur. Nach dem Jura-Studium in Göttingen und Heidelberg arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt in Osnabrück, um dann eine lange und vielfältige Politikerlaufbahn einzuschlagen.

Von 1849 bis 1856 war Windthorst Mitglied der Hannoverschen Kammer und drei Jahre erster katholischer Justizminister des Königreichs Hannover, ein Amt, das er noch einmal von 1862 bis 1865 bekleidete. Nach der Annektion Hannovers durch Preußen trat er in das preußische Abgeordnetenhaus und den Reichstag im Norddeutschen Bund als Mitglied ein. Er vertrat den Wahlkreis Meppen-Lingen-Bentheim.

Gegenspieler Bismarcks

Als 1870 die Zentrumspartei gegründet wurde, wurde er schnell ihr Anführer, da er sich bereits einen Namen als schlagfertiger Redner gemacht hatte. Im Kulturkampf, dem Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und der katholischen Kirche, wurde er zum großen Gegenspieler des Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Obwohl Windthorst klein von Statur und sehbehindert war, wusste er sich in Szene zu setzen. Schlagfertig, humorvoll und stets von seinem Platz aus (um nicht hinter dem Rednerpult zu verschwinden) reagierte er in den zahlreichen Debatten und Auseinandersetzungen mit Bismarck. In seinen politischen Überzeugungen hielt er stets klaren Kurs. In den innenpolitischen Konflikten, dem Kulturkampf und den Sozialistengesetzen ab 1878 beharrte er auf konfessioneller Toleranz und Minderheitenschutz.

Dabei war Windthorst immer das Prinzip der Rechtsgleichheit wichtig. Er bekämpfte jegliche Art von Ausnahmegesetzen, nicht nur für „seine“ katholische Zentrumspartei, sondern auch für die Sozialisten, die Juden oder zum Beispiel polnische Minderheiten. Diese Haltung machte ihn zu einem der bedeutendsten Politiker seiner Zeit und für uns heute zu einem absoluten Vorbild mit hoher Aktualität. Leider ist Ludwig Windthorst in großen Teilen unseres Landes weitgehend vergessen.

Erster Ehrenbürger

Neben den Straßen- und Platznamen ist Ludwig Windthorst bereits 1888 zum ersten Ehrenbürger der Stadt Meppen ernannt worden. 1982 bekam das Staatliche Gymnasium den Namen Windthorst-Gymnasium. In seinem Schatten hat sein Denkmal einen guten Platz gefunden, nachdem es eine wahre Odyssee durch das Stadtgebiet hinter sich hat.

Vergessen ist leider der Name „Windthorsthaus“. Bis 1931 führte das Hotel Schmidt am Markt diese Bezeichnung, auf die ein Schild am Eingang des Hauses erinnert. Und seit Jahren veranstaltet der Heimatverein mit dem Windthorst-Gymnasium und der Ludwig-Windthorst-Stiftung einen Windthorst-Abend, an dem in seinem Sinne Referenten zu aktuellen Themen sprechen. Als Erinnerung werden eine Kopie des Ehrenbürgerbriefes sowie eine Flasche eines Brust-und Halsliqueurs mit dem Namen „Perle Windthorst“ überreicht. Der Name „Perle Windthorst“ erinnert an die damals reichsweit bekannten Titel wie „Fraktion Meppen“ oder „Perle von Meppen“ , mit denen „der Herr Abgeordnete von Meppen“ von Bismarck spöttisch genannt wurde, auf die Windthorst aber durchaus stolz war.

Ludwig Windthorst starb am 14. März 1891 in Berlin, nachdem eine Woche zuvor Kaiser Wilhelm II. ihn in seinem Haus noch besucht hatte. Er wurde in der Marienkirche in Hannover beigesetzt, für deren Bau er sich zu Lebzeiten eingesetzt hatte.

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