Tiefe Gefühle in Musik verpackt Mezzosopranistin begeistert in Meppens Gymnasialkirche

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Neue, faszinierende Facetten der Lieder von Gustav Mahler brachten Elisabeth Kulman und Amarcord Wien in der Meppener Gymnasialkirche zu Gehör. Foto: Gerd MecklenborgNeue, faszinierende Facetten der Lieder von Gustav Mahler brachten Elisabeth Kulman und Amarcord Wien in der Meppener Gymnasialkirche zu Gehör. Foto: Gerd Mecklenborg

Meppen. Bei den 28. Niedersächsischen Musiktagen haben die Niedersächsische Sparkassen-Stiftung und die Theatergemeinde Meppen den Freunden der gefühlvollen Lieder von Gustav Mahler in der ausverkauften Meppener Gymnasialkirche einen großartigen Konzertabend beschert.

Unter dem Motto „Glück und Überschwang“ interpretierten die international bekannte Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und das vielfach preisgekrönte Instrumentalensemble Amarcord Wien bekannte Mahlerlieder in einer ungewöhnlichen, aber in jeder Note faszinierenden Tonsprache.

Was die hervorragenden Musiker mit nach Meppen brachten, ist ein Paradebeispiel für die oft beschriebenen neuen Wege im „klassischen“ Konzertleben. Amarcord Wien – in der Besetzung: Sebastian Gürtler (Violine), Michael Williams (Violoncello), Gerhard Muthspiel (Kontrabass) und Tommaso Huber (Akkordeon) – ist, auch durch die interessante Instrumentierung, zu einem Avantgarde-Ensemble der ersten Reihe aufgestiegen.

Und dort, in der ersten Reihe, ist auch die herrliche und facettenreiche Stimme von Elisabeth Kulman einzuordnen. Sie balanciert Töne und Phrasen schwerelos aus. So entwickelte sich schnell ein wunderbarer Klangteppich, der sich in der hallenden Gymnasialkirche ausbreitete.

An dieser Stelle gebührt der Mezzosopranistin ein besonders großes Lob, da gerade der Hall in der Kirche die Instrumente nochmals verstärkte und so die Sängerin besonders forderte. Trotzdem entfaltete sich im Dialog zwischen Kulmans samtenem Mezzosopran und den hervorragenden Instrumentalisten diese feinsinnige, oszillierende Atmosphäre, die einem Konzert mit Mahlerliedern, geprägt von großen Gefühlen, einfach nur gut tut. Und so lauschten die Konzertbesucher andächtig und fast regungslos der herrlich arrangierten Musik.

In unglücklich verliebten Situationen schrieb Gustav Mahler seine „Lieder eines fahrenden Gesellen“, die er als Gedichte für seine Geliebte, die Sopranistin Johanna Richter, verfasst hatte. Ein musikalischer „Steilpass“ also für Elisabeth Kulman, denn deren farbenreiche Stimme interpretiert diese Gefühlsmomente in höchster sängerischer Perfektion. Ein melancholisch, dunkler Akkordeonteppich im Zusammenspiel mit brillanten Klängen der Streichinstrumente ließen etwa Mahlers Spaziergang „Ging ich heut morgen übers Feld“ spürbar, oder „Die zwei blauen Augen von meinem Schatz“ fast sichtbar erscheinen.

Ergreifend schön danach „In diesem Wetter“ aus den „Kindertotenliedern“, mit Texten von Friedrich Rückert. Dann wieder exzellente Instrumentalinterpretationen, die die Herkunft Mahler’scher Themen aus dem Volkslied hörbar machten. So war der Text zu Mahlers’ „Hans und Grete“, obschon nicht hörbar, da durch Soloinstrumente „nonverbal“ vorgetragen, fast in Worten zu vernehmen. Elisabeth Kulman und Amarcord Wien erbrachten in Meppen den Beweis, dass es auch bei den so populären und vielseitigen Mahler-Interpretationen immer wieder neue, faszinierende Facetten zu entdecken gibt.

Bei der Meppener Aufführung eröffnete sich den Konzertbesuchern ein neuer, kammermusikalischer Weg, in Form einer beglückenden Neubegegnung mit den unsterblichen Liedern Gustav Mahlers. Nach der Zugabe „Urlicht“ aus der 2. Sinfonie von Gustav Mahler wurden Kulman und Amarcord Wien mit lang anhaltendem Beifall verabschiedet.


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