Gutachten über NS-Gehilfen Meppener wird Ehrenbürgerschaft abgesprochen

Von Hermann-Josef Mammes

Bürgermeister Wilhelm Sagemüller (1880–1962).Bürgermeister Wilhelm Sagemüller (1880–1962).

Meppen. Der Meppener Stadtrat hat seinem früheren Bürgermeister Wilhelm Sagemüller 52 Jahre nach dessen Tod die Ehrenbürgerschaft aberkannt.

Hintergrund dieser einstimmigen und mutigen Entscheidung ist das 14000 Euro teure Gutachten des Osnabrücker Hochschulprofessors Christoph A. Rass. Der Historiker sollte im Auftrag der Stadt klären, welche Rolle das damalige NSDAP-Mitglied Sagemüller bei den Gräueltaten in den 15 Emslandlagern spielte.

Das Urteil fiel vernichtend aus: „Der Meppener nahm eine Schlüsselfigur in Sachen Emslandlager ein und hatte keine Bedenken an seiner Teilhabe am Terror- und Unrechtssystem.“ Sagemüller leitete beim Aufbau der ersten drei Emslandlager 1933 bereits das Wasserwirtschaftsamt Meppen. Genau diese Behörde sorgte zusammen mit der Moorverwaltung im Auftrag des NS-Regimes dafür, dass die Inhaftierten bis 1945 die Moore kultivierten. Bei dieser Knochenarbeit schlugen die Anweiser im Auftrag von Sagemüller die Inhaftierten mit Knüppeln. Auch die Essensportionen wurden in seinem Namen reduziert, wenn die Inhaftierten nicht das elfstündige Tagespensum in den Mooren schafften. Von den 180000 Gefangenen starben zwischen 20000 und 30000 in dieser Zeit.

Gleich nach dem Krieg bediente sich überraschend die britische Besatzungsmacht des Wasserbauexperten. Bis 1947 mussten jetzt erneut unter seiner Führung Gefangene die Moore entwässern.

Nach seinem Ruhestand wurde der CDU-Politiker 1948 zum ehrenamtlichen Meppener Bürgermeister gewählt. Acht Jahre war er der erste Mann der Kreisstadt. Sagemüller wird mit Ehrungen geradezu überhäuft. 1952 erhält er das Bundesverdienstkreuz am Band, 1955 die Ehrenbürgerschaft der Stadt, 1957 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. 1962 stirbt der Wasserbau-Ingenieur. Selbst 1991 beschließt der Stadtrat noch in Unkenntnis der Gräueltaten, nach ihm eine Straße zu benennen.