Junge aus Afghanistan behandelt Meppener Krankenhaus rettet Saboors Bein

Saboor mit Hermann Lingers (Chirurgische Ambulanz), Kai Günsche und Christine Hoffmeister. Foto: privatSaboor mit Hermann Lingers (Chirurgische Ambulanz), Kai Günsche und Christine Hoffmeister. Foto: privat

Meppen. Saboor ist ein aufgeweckter Junge. Der Ringfixateur gehört mittlerweile zu ihm wie für andere die Armbanduhr. „Saboor trägt das Metallgestell mit so einer Selbstverständlichkeit, das ist schon sehr beeindruckend“, erzählt seine Pflegemutter Christine Hoffmeister.

Dabei hat Saboor schon eine Menge hinter sich. Geboren wurde er in Afghanistan. Mit sechs Jahren wird er angeschossen. „Im Krankenhaus wollten sie mir den Fuß abnehmen“, erinnert der Junge sich. Seine Verletzung war so schwer, dass kein Krankenhaus in Afghanistan die erforderliche Behandlung durchführen konnte. Doch dank einer Hilfsorganisation kommt er nach Deutschland. Vom Flughafen Hamburg geht es mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus Ludmillenstift nach Meppen. „Ich weiß noch, wie ich damals einen Teddy und eine Banane bekam.“ Der Teddy ist heute für ihn etwas ganz Besonderes. Viele Male stand er Saboor bei, denn der Junge musste in den letzten sechs Jahren etwa 15-mal operiert werden.

„Als Saboor zu uns kam, war es aufgrund der ausgeprägten Entzündung zunächst sehr fraglich, ob das Bein überhaupt zu retten ist“, erinnert sich Kai Günsche, Chefarzt der Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. „Es handelte sich um eine sogenannte Infektpseudarthrose, die nicht heilen wollte.“ In mehreren Operationen mussten abgestorbenes Gewebe, Knochen und Sehnen entfernt werden. Außerdem wurde Saboors Sprunggelenk versteift.

Durch die Schussverletzung fehlte ein Stück des Schienbeins, zudem wurde die Wachstumsfuge zerstört. „Das bedeutet, dass Saboors linkes Bein aufhörte zu wachsen. Nachdem die Entzündung abgeheilt war, haben wir den Knochen wieder aufgebaut“, berichtet Günsche weiter. „Dafür wurde mir Knochen aus dem Becken entnommen“, weiß Saboor. „Durch den Ringfixateur wurde das Bein dann nach und nach gestreckt“, erklärt Günsche. Jede Schraube wird täglich eineinhalb Umdrehungen weitergedreht. „So stellen wir sicher, dass beide Beine gleich schnell wachsen. In den vergangenen Jahren konnten wir eine Verlängerung um etwa zehn Zentimeter erzielen“, erklärt Günsche.

Heute ist Saboor 13 Jahre alt. Seit seinem sechsten Lebensjahr lebt er bei seiner Pflegefamilie in Haselünne. Eine richtige Multikultifamilie, denn Saboor hat noch zwei ältere brasilianische Brüder. Da war die Fußballweltmeisterschaft natürlich besonders spannend. Saboors Pflegemutter Christine Hoffmeister ist unglaublich stolz: „Er hat wirklich eine Menge durchgemacht. Es ist so beeindruckend, wie er damit umgeht.“ Später möchte Saboor einmal Medizin studieren und Arzt werden. „Dann übernehme ich den Posten von Herrn Günsche“, schmunzelt er.