Nachts kommen die Bomber Kinder und der Luftkrieg über dem Emsland 1939

Von Manfred Fickers

Mit Bombern des Typs Armstrong-Whitworth Whitley wurden die Flugblatteinsätze des Bomber Command der Royal Air Force in den ersten acht Monaten des Zweiten Weltkriegs geflogen. Grafik: nozMit Bombern des Typs Armstrong-Whitworth Whitley wurden die Flugblatteinsätze des Bomber Command der Royal Air Force in den ersten acht Monaten des Zweiten Weltkriegs geflogen. Grafik: noz

Meppen. „Flugblätter einsammeln“ heißt es am Donnerstagmorgen, 14. September 1939, für die Schulkinder in Ahlen. Wieder einmal haben britische Bomber in der Nacht das Emsland in Richtung Ruhrgebiet überflogen.

Den deutschen Behörden ist die Gefahr bewusst, dass etwas anderes abgeworfen werden kann als Papier. Deshalb sollen Privatleute, Firmen und Schulen den schon in Friedenszeiten vom Reichsluftschutzbund propagierten Bau von Luftschutzräumen beschleunigen. Ab Freitag, 15. September, wird bei der Schule in Lingen-Darme ein Luftschutzstollen angelegt. Arbeiter hoben einen breiten Graben aus, eine Art Keller wurde gemauert, mit einer Betondecke versehen und mit Erde bedeckt. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs reichte das zum Schutz vor Bombensplittern und sogar leichten Bomben. Aber die Veteranen dieses Krieges unter den Schullehrern wissen, dass solche Unterstände einem Voll- oder Nahtreffer einer schweren Bombe nicht standhalten können. Deshalb schicken sie bei Luftalarm in der Schulzeit die in der Nähe wohnenden Kinder nach Hause. Die Gefahr, dass mit einem Schlag alle Schulkinder getötet werden, ist ihnen zu hoch.

Um den britischen Bomberbesatzungen die Orientierung zu erschweren, ist Verdunkelung angesagt. Aber die Ems und der ins Ruhrgebiet führende Dortmund-Ems-Kanal reflektieren auch schwaches Mondlicht, zudem befinden sich die Niederlande noch im Frieden, dort ist alles hell erleuchtet, auch um vor einer Verletzung der Neutralität des Landes zu warnen. Die britischen Piloten halten sich auf der dunklen Seite der Grenze.

Wohl nur den wenigsten Emsländern war 1939 bekannt, dass der Aufbau der deutschen Nachtjagd weit hinter den Planungen zurückgeblieben ist. Am 1. September 1939 waren nur die 10. Staffel des Jagdgeschwaders 2 (Richthofen) in Jever und die 11. Staffel des Lehrgeschwaders (LG) 2 in Greifswald einsatzbereit. Die 11. (N) LG 2 wird nach dem Kriegsbeginn mit Großbritannien und Frankreich am 3. September 1939 in die 10. Staffel (N) beim Jagdgeschwader 26 umgewandelt und von Bonn-Hangelar aus eingesetzt. Kaum mehr als 24 Nachtjäger standen also den 272 einsatzbereiten Maschinen des Bomber Command der Royal Air Force und 250 einsatzbereiten Bombern der französischen Armée de l’air gegenüber.

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