Das symbolische Grab Trauerbewältigung auf Meppener Friedhof

Friedhof  an der Hüttenstraße in Meppen.Friedhof an der Hüttenstraße in Meppen.

Meppen. Wie wichtig es sein kann, einen konkreten Bestattungsort auszuweisen, erleben Aussiedler, die ihre verstorbenen Angehörigen in Russland oder Kasachstan zurücklassen mussten. Aber auch für Menschen, die durch einen Umzug aus dem Ruhrgebiet nach Meppen kamen, sind die Gräber ihrer Lieben weit weg.

Für alle, die keinen nahen Ort für ihre Trauer haben, kann auf dem evangelischen Friedhof an der Hüttenstraß e ein symbolisches Grab geschaffen werden. So sind Grabstätte und Gedenkort voneinander unabhängig, gleichwohl wird die Möglichkeit der Trauerarbeit geschaffen. Am Ende der Lindenallee entstand ein Brunnen, an dem es sich ruhig verweilen lässt. Dipl. Biologin Dr. Silke Hirndorf aus Twist beriet den Kirchenvorstand in der Gestaltung des symbolischen Grabes. „Das Wasser, das über den dunklen Granitstein herab auf polierte Granitplatten plätschert symbolisiert den Ursprung und Kreislauf des Lebens. Es ist ein Sinnbild innerer und äußerer Reinigung und tiefer Lebendigkeit“, so der Kirchenvorstand. Der rote Cortenstahl stehe für den Heiligen Geist. Die Pflaster- und Wasserfläche vor dem Brunnen bildet ein Kreuz. Die Verbindung der waagerechten Achse, dem Irdischen, mit der senkrechten Achse, dem Göttlichen, gilt als Zeichen der Versöhnung zwischen Gott und Mensch.

Eine Möglichkeit sich das symbolische Grab anzuschauen oder eine Grabkerze aufzustellen bietet sich am Tag des Friedhofs . In diesem Jahr findet der Tag des Friedhofs von 14 bis 17 Uhr nämlich auch in Meppen statt. Am 21. September stehen den Besuchern auf den kirchlichen Friedhöfen in der Hüttenstraße, der Sommerfeldstraße, der Markstiege und in Bokeloh die ortsansässigen Friedhofsgärtner, Floristen, Steinmetze und Bestattungsinstitute für Informationen rund um Bestattungen und Grabpflege zur Verfügung. Auch die kommunalen Friedhöfe in Groß Fullen und Rühle sowie der Friedhofswald beteiligen sich an diesem Tag. „Die meisten Menschen brauchen einen Anlaufpunkt zum Trauern“, sagt Martin Amel, leitender Friedhofsgärtner an der Markstiege und in Esterfeld. Auch aus diesem Grunde lehnen die Vertreter der christlichen Friedhöfe eine anonyme Bestattung der Toten ab.

Die Anforderungen an die Friedhöfe und die Bestattungen haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Es herrscht heutzutage eine große Vielfalt an Möglichkeiten, was beispielsweise Musik, Blumenschmuck, Todesanzeigen, Grabreden und viele weitere Einzelheiten angeht. Mitunter hat sich die Bestattungskultur nicht nur aus Praxisgründen, sondern auch aus weltanschaulichen Gründen verändert. So ist es nicht ungewöhnlich, dass auch Muslime auf einem christlichen Friedhof beigesetzt werden. Den Ritus führt hier ein Imam nach islamischen Regeln durch. Auf den Friedhöfen finden jeweils um 14, um 15 und um 16 Uhr kostenlose Führungen statt.