Autogrammstunde beim Herrn der Mäuse Uli Stein signiert an der Koppelschleuse in Meppen


Meppen. Je näher der Zeiger auf 14 Uhr rückt, desto länger wird die Schlange im und vor dem Gebäude des Kunstkreises an der Koppelschleuse. Zu sehen ist dort bis zum 30. November die Ausstellung „Viel Spaß“, die Cartoons von Uli Stein zeigt. Am Samstag war der Meister höchstpersönlich vor Ort. Zahlreiche Emsländer nutzten die Chance, um für eine persönliche Widmung in ihrem Uli-Stein-Buch vorbeizuschauen.

Für Uli Stein gibt es an diesem Nachmittag viel zu tun. Nach einer Stunde schüttelt er seine Schreibhand aus und sagt: „Puh, das war ganz schön viel bis jetzt.“ Deutlich über 200 persönliche Widmungen dürfte er in der ersten Stunde an der Koppelschleuse geschrieben haben, schätzt der Künstler. Jetzt ist ihm nach einer kurzen Pause, einer Tasse Kaffee und einer Zigarette zumute. Einen Mitarbeiter bittet er, für ihn die Stellung zu halten. „Ich muss mal zehn Minuten an die frische Luft“, sagt Uli Stein.

Es sei sein erster Besuch in der emsländischen Kreisstadt, verrät der Künstler, der in Wedemark bei Hannover lebt, im Gespräch mit unserer Redaktion. Drei Stunden hätte er mit dem Auto gebraucht. Ja, er will noch am selben Tag wieder zurück. „Ich wusste ja nicht, wie schön es hier ist“, sagt Uli Stein, zwinkert mit den Augen und beschreibt mit dem rechten Arm und der Hand einen Halbkreis. „Die Koppelschleuse ist ein sehr schöner Platz“, lobt er. Über Meppen selber wisse er eigentlich nichts. Stein unterbricht sich, „doch, der SV Meppen“, fällt ihm plötzlich ein, „in welcher Liga spielen die jetzt?“

Stein ist Fußball-Fan. Sein Herz schlägt – wie sollte es für einen gebürtigen Leine-Städter auch anders sein – für die Elf von Hannover 96. „Bitte drücken Sie für das nächste Spiel die Daumen“, erbittet er emsländischen Zuspruch für „seine“ Mannschaft. Vermutlich dürften viele Fans der Bitte von Uli Stein Folge leisten, bis auf einen: Hierbei handelt es sich um Tobias Coldewey. Der Schüler kam im kompletten Bayern-München-Dress und mit Uli-Stein-Büchlein zur Autogrammstunde. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden Fußball-Fans ein Gespräch. Tobias Coldewey ist aus München angereist. „Zum ersten Mal ganz allein mit dem Flugzeug“, berichtet der Schüler stolz. „Nein, nicht wegen Uli Stein“, lacht er. „Ich verbringe meine letzte Ferienwoche bei meinen Großeltern in Meppen“, erklärt er und ergänzt, „morgen geht es zurück nach München.“ Der Schüler mag die Cartoons von Uli Stein und findet es „klasse, dass ich ihn mal persönlich kennenlernen darf.“

Und Uli Stein verrät, dass er um ein Haar Lehrer geworden wäre. „Für Deutsch, Erdkunde und Biologie“, berichtet er. Kurz vor seinem Staatsexamen habe er „von einer Sekunde auf die andere“ sein Studium geschmissen. „Bereut habe ich es nicht“, sagt Stein. Eigentlich sei die Berufsberatung in den 1960er-Jahren schuld an seinem Lehrerstudium gewesen. „Ich wollte Journalist werden“, sagt Stein. „Aber der Berufsberater hat mir damals gesagt: Werden Sie lieber Lehrer, da haben Sie mittags frei und können nebenher arbeiten.“ Diese Erklärung fand der Künstler, nach seinen eigenen Angaben, damals ganz plausibel. Dennoch suchte er bereits während seines Studiums in Berlin stets den Kontakt zu den Medien und belieferte die Zeitungen als freier Mitarbeiter mit Fotos und Berichten.

Irgendwann sei ihm aufgefallen, dass er seine Gedanken bald noch schneller in Zeichenform zu Papier bringen konnte, als sie aufzuschreiben. Seine witzigen Cartoons sollten ihm bald sehr viel Erfolg einbringen. Insbesondere seine meistens lustigen, aber manchmal auch boshaften Mäuse erfreuen sich großer Beliebtheit und brachten ihm die Bezeichnung „Der Herr der Mäuse“ ein. „Ich zeichne seit rund 40 Jahren“, sagt Uli Stein. „Jetzt habe ich wieder die Fotografie für mich entdeckt.“ Er zückt sein Iphone und zeigt Hundefotos. „Ich habe in Goslar gerade eine Fotoausstellung.“ Dafür hätte er im Atelier Hunde fotografiert. „Vom 90 Kilogramm schweren English-Mastiff bis zum fünf Wochen alten Zwergpudelwelpen waren alle mit dabei.“ Dennoch hätten ihn die Studioaufnahmen nicht ganz zufrieden gestellt. „Die waren mir zu chic“, sagt Uli Stein. Nachträglich hätte er Texturen über die Motive gelegt. „Danach haben mir die Arbeiten besser gefallen“, urteilt er. Neben den Hunden hat er noch ein zweites Fotomotiv für sich entdeckt: „Das sind Wolken“, sagt Uli Stein. „Ich arbeite gerade an einen Wolken-Kalender.“

Begeistert war er, wie viele Fans in Meppen mit seinen brandneuen Büchern, „Das kleine Schwarze“, „Gesundheit“ und „Viel Spaß in der Schule“ zur Signierstunde gekommen sind. „Das kleine Schwarze ist sogar so druckfrisch, dass ich es selber heute zum ersten Mal in gebundener Form sehe“, lacht Stein und greift erneut zum Autogrammstift, „dann wollen wir mal“, sagt er und ergänzt, „auf in die zweite Halbzeit.“