Jäger finden die Bomber nicht Nächtlicher Luftkrieg vor 75 Jahren im Emsland

Von Manfred Fickers

Im Saargebiet war das Infanterie-Regiment 37 aus Osnabrück und Lingen im September 1939 eingesetzt. Grafik: NOZ/Heiner WittwerIm Saargebiet war das Infanterie-Regiment 37 aus Osnabrück und Lingen im September 1939 eingesetzt. Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Meppen. Bereits in der zweiten Kriegswoche zwischen dem 8. und 14. September bekommt die Zivilbevölkerung im Emsland ebenso wie die Soldaten aus der Garnison in Lingen einen Eindruck davon, welches Risiko die deutsche Führung mit dem Angriff auf Polen eingegangen ist.

Nachdem in der Vorwoche Aufklärungseinheiten der 3., 4. und 5. französischen Armee dringen in der Pfalz und im Saargebiet nach Deutschland eingedrungen sind, musste sich das aus Lingen und Osnabrück kommende Infanterie-Regiment 37 im Abschnitt Hornbach – Seyweiler kämpfend von der Grenze auf den Westwall zurückziehen. Am Samstag, 9. September herrscht Ruhe, denn das französische Oberkommando stoppt den Vormarsch der zehn französischen Divisionen. Sie waren bis zu acht Kilometer weit vorgegangen und hatten zwölf Ortschaften besetzt.

Heute ist bekannt, dass die im Saargebiet und der Pfalz befindlichen Truppen kaum in der Lage gewesen wären, einen massiven Angriff der französischen Armee zu stoppen. Den zahlenmäßig weit unterlegenen deutschen Heeresverbänden im Westen hätte auch der mit viel Propagandagetöse gepriesene Westwall nur wenig genützt. Aber der französische Oberbefehlshaber Maurice Gamelin (1872 - 1958) wollte kein Risiko eingehen, seine Truppen sollten nur in Erfahrung bringen, wie stark der Westwall war.

Ebenfalls am 9. September ziehen die Beobachter der Luftwaffe aus Haren ab. Wie im Ersten Weltkrieg erprobt, sollten die Beobachter Einflüge feindlicher Maschinen melden, Flughöhe und Kurs an die Jagdflieger per Funk durchgeben. Aber die britischen Bomber kamen nachts und warfen glücklicherweise nur Flugblätter ab. Die Beobachter hörten die Bomber, aber das reichte nicht, um die Nachtjäger an ihre Ziele heran zu führen. Kein Bomber wurde bei den Flugblatteinsätzen in den ersten Kriegsmonaten abgeschossen.

Als am Mittwoch, 13. September die Schulen wieder geöffnet werden, gibt es eine Neuerung. Die erste Schulstunde ist ab jetzt „Die Stunde des Führers“ in der Nachrichten von den Fronten besprochen und in den oberen Klassen die Propagandazeitschriften des Heeres, der Luftwaffe „Der Adler“ und der Marine gelesen werden. Einen normalen Schulbetrieb gab es nicht, weil viele Lehrer zum Militär eingezogen sind.

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