„Les Visionnaires London“ Kammermusik der Extraklasse bei Konzert in Haselünne

Von Michael De Witt

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Das jüngste Klosterkirchenkonzert in Haselünne gestalteten „Les Visionnaires London“. Foto: privatDas jüngste Klosterkirchenkonzert in Haselünne gestalteten „Les Visionnaires London“. Foto: privat

Haselünne. Als Gast des dritten, gut besuchten Haselünner Klosterkirchenkonzerts der Saison überzeugte das internationale Ensemble „Les Visionnaires London“ mit großartigen kammermusikalischen Darbietungen, obwohl das Programm wegen des Ausfalls der Flötistin kurzfristig geändert werden musste.

Die wichtigsten Komponisten der Barockzeit, die ihre Schaffenskraft in den Dienst des Pariser Hofes gestellt hatten, wurden von den Musikern historisch inspiriert vorgestellt. Die spielerische Freiheit in der melodischen Eleganz, ein großer Klangfarbenreichtum und eine brillant entwickelte Verzierungstechnik waren wichtige kompositorische Substanzen, die von den drei Instrumentalisten in intensiver Weise verwirklicht wurden.

Im „Premier Concert G-Dur“ aus „Concerts Royaux“ von François Couperin, der sich mit dem Namenszusatz „Le Grand“ schmücken durfte, stellte Liam Byrne das Prélude auf seiner Gambe mit zarter Mehrstimmigkeit und emotionalem Tiefgang vor; die Violinistin Julia Kuhn beantwortete die poetisch elegische Einleitung mit heiter verspieltem Figurenwerk und spritzigen Verzierungen. Die Suite D-Dur für Viola da Gamba und B. c. vom sagenumwobenen Meisterkomponisten Marin Marai wurde mit stilsicherer Intensität und kammermusikalischer Perfektion dargestellt. Georg Phillipp Telemanns „Fantasie für Viola da Gamba solo“ im französischen Stil wurde mit den motorischen und rezitativischen Elementen mitreißend makellos interpretiert.

Thomas Foster agierte nicht nur als genialer Verwalter der Continuoparts, sondern auch als großartiger Solist in Louis Couperins Suite F-Dur für Cembalo und im Concert Nr. 5 aus „Pièces de clavecin en concerts“ von Jean-Philippe Rameau; mit seiner spieltechnischen Brillanz und schwebenden Eleganz begeisterte er die Zuhörer. Den musikalischen Nachruf von Johann Froberger zum Tode des Herrn Blancrocher stellte er auf dem Cembalo mit suggestiver Verdichtung lebendig dar.

Die Sonate A-Dur für Violine und B. c. von Jean-Marie Leclair, der sich in seinen Werken auch von italienischen Einflüssen inspirieren ließ, wurde zu einem der Höhepunkte des Konzerts. Julia Kuhn brillierte auf ihrem Barockinstrument mit elegant klingenden Melodien im hohen Diskant, mit virtuosen Arpeggien, mit kraftvoller Mehrstimmigkeit und mit einem spielerisch atemberaubenden Feuerwerk im Presto.

Die hohe kammermusikalische Kompetenz zeigte das Ensemble bei den durchhörig gestalteten polyfonen Strukturen, bei feinsinnig ausgeführter Terrassendynamik und bei ihrem ausgereiften musikantischen Miteinander.


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