Gerhard Henschel im Interview Meppener Autor erzählt, wie hart die Branche ist

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Gerhard Henschel wurde bereits 2012 mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis und 2013 mit dem Nicolas-Born-Preis für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur“ ausgezeichnet. Foto: privatGerhard Henschel wurde bereits 2012 mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis und 2013 mit dem Nicolas-Born-Preis für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur“ ausgezeichnet. Foto: privat

Meppen. Seit 1992 ist Gerhard Henschel als Autor von Romanen – wie „Jugendroman“ und „Liebesroman“ – sowie Erzählungen und kulturhistorischen Sachbüchern erfolgreich. Im Interview mit unserer Zeitung erläuterte der 52-Jährige, der in Meppen aufwuchs, was alles zum Schriftstellerdasein dazugehört.

Kann man den Beruf eines Schriftstellers erlernen oder wird einem das in die Wiege gelegt?

Es kommt ja jeder Mensch mit irgendeiner Begabung auf die Welt. Aus mir wäre ein miserabler Physiklehrer geworden. Ich hätte auch als Koch oder als Kfz-Mechaniker versagt, und mir sind hochbegabte Köche und Mechaniker lieber als Schriftsteller, die ihren Beruf verfehlt haben. Ich glaube, dass man dazu geboren sein muss.

Woher holen Sie sich Ihre Inspirationen?

Aus dem Leben.

Was macht eine gute Geschichte aus?

Dass sie nicht langweilig ist!

Was kommt bei den Lesern gut an?

Bei der Masse kommen Primitivlinge wie Oliver Pocher und Dieter Bohlen am besten an. Ich kümmere mich lieber darum, was bei mir selbst gut ankommt.

Was sind die einzelnen Schritte, von der Idee über das Schreiben bis hin zur Veröffentlichung?

Zuerst sichte und sortiere ich das Material, dann fertige ich die erste Reinschrift an und dann die zweite. Und dann geht das Ganze ins Lektorat.

Wie wichtig sind die Lektoren denn überhaupt?

Meinen Lektorinnen und Lektoren bin ich sehr dankbar für das Erspähen jedes einzelnen Sinn- oder Sach- oder Rechtschreib- oder Grammatikfehlers. Ein guter Lektor vergewissert sich, ob der Autor beispielsweise den Namen Gheorghe Zamfirs richtig geschrieben hat, und er berät einen auch in romandramaturgischen Fragen. Im Idealfall entsteht daraus eine muntere und fruchtbare Arbeitsbeziehung, von deren Erträgen wiederum der Leser profitiert.

Was raten Sie anderen Hobbyautoren, die ein Buch auf eigene Faust ohne Verlag rausbringen möchten?

Lassen Sie es bleiben!

Wie kommt man an einen Verlag?

Am besten wohl so wie die Jungfrau zum Kinde. Ich habe mir eines Tages gesagt: „So, jetzt bewirbst du dich bei keinem Verlag mehr, sondern schreibst für diverse Magazine und wartest darauf, dass die Verleger sich bei dir melden.“ Und so ist es dann auch gekommen.

Wie wird man vom Autor zum Erfolgsautor ?

Das Wort „Erfolgsautor“ kommt in meinem Wortschatz nicht vor; dazu kann ich nichts sagen.

Kann man dieses Hobby zum Beruf machen und davon leben?

Für mich ist die Schriftstellerei nie ein Hobby gewesen, sondern durchaus etwas Ernsteres. Und ich möchte alle, denen dieses Berufsbild vorschwebt, eindringlich warnen: Vom Kunstbetrieb abgesehen gibt es wohl kaum irgendeinen Betrieb in Deutschland, der so korrupt ist wie der sogenannte Literaturbetrieb. Aber wenn man starke Nerven mitbringt und ein gewisses Talent, dann kann man davon leben, ja.


Am Samstag, 6. September, wird der Schriftsteller Gerhard Henschel beim Treffen des Abiturjahrganges von 1969 um 19 Uhr im Windthorst-Gymnasium seine Schulzeit (Abiturjahrgang 1984) Revue passieren lassen.

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