2015 als Musical auf Freilichtbühne Das „Weiße Rössl“ zieht in den Meppener Wald



Meppen. Es ist mit dem aktuellen Hauptstück „Hair“ immer noch Flower Power auf der Meppener Freilichtbühne angesagt, da lüften die Verantwortlichen bereits das Geheimnis für ihr Musical 2015: Das „Weiße Rössl“ kommt zurück in den Esterfelder Forst. Als Familienstück gibt es „Emil und die Detektive“.

Die Auswahl des Musicals überrascht. „Sicherlich weicht sie von den Spielplänen der letzten Jahre ab, aber wir glauben, mit unserer jungen agilen Spielschar sowohl das Familienmusical als auch das Abendstück hervorragend besetzen zu können und sind uns auch sicher, im Abendstück unsere Mitspieler im gesetzteren Alter wieder für das ‚Rössl‘ zu begeistern“, sagt stellvertretender Vorsitzender Nothard Kaßburg .

Der Vorstand der Freilichtbühne habe nach gründlicher Überlegung den Vorschlägen von Iris Limbarth zugestimmt, das Singspiel „Im Weißen Rössl“ aufzuführen. Kaßburg hofft, „dass der Zuschauer im Sinne eines Liedes aus dem Rössl feststellt: auf der Freilichtbühne, da ka’mer gut lustig sein‘“.

Darauf setzt auch Regisseurin Iris Limbarth. Sie stand bei der Auswahl vor der Frage, „welches Musical kann man nach dem hervorragenden Ensemble-Musical ‚Hair‘ mit seinen großen Hits spielen?“ Die Antwort war für sie schnell klar: „Wir sollten etwas ganz anderes machen.“ Das „Weiße Rössl“ sei da als herrliche Satire auf den Tourismus, Volkstümelei und den Mentalitätsunterschied der Großstädter und der Landbevölkerung gerade prädestiniert.

Die künstlerische Leiterin liebt das Stück, hat es bereits ein paar Mal inszeniert. „Ich glaube, dass es jetzt genau das richtige Stück ist, das durch den Kinofilm mit Diana Amft an Aktualität gewonnen hat. Die Neuverfilmung der am Wolfgangsee angesiedelten bereits vielfach adaptierten Operette begeisterte zahlreiche Kinobesucher.“

Eine angestaubte Operetten-Fassung mit Opernsängern plant Limbarth in Meppen nicht. Ihr schwebt eine „frische swingige Musical-Variante mit unserem Ensemble und Musicalsängern vor, die aber nicht auf den ungebrochenen Charme des Originals verzichtet“. Inspiriert wird sie von einer Rössl-Fassung in der „ Bar jeder Vernunft “ Anfang der 1990er-Jahre in Berlin mit Max Raabe, Otto Sander, Meret Becker und den Geschwistern Pfister. „Die war knackig, witzig und hatte mehr Tempo. Daran orientieren wir uns, wobei es da kein Ensemble gab. Ich werde aber viele Tanznummern aus den Hits machen.“

Eine Wunschkandidatin für eine junge Rössl-Wirtin hat die Wiesbadenerin bereits: Die Meppenerin Julia Felthaus , seit Jahren in großen Rollen auf der Freilichtbühne gefeiert. Die Darstellerin habe Witz, Energie und eben eine tolle Stimme. Auch die anderen Rollen möchte Limbarth mit Akteuren der Bühne besetzen. Bis auf den Zahlkellner Leopold. Hier stehe man in Verhandlungen mit einem Gastsolisten. 1992, als das „ Weiße Rössl “ schon einmal in Meppen aufgeführt wurde, verkörperte ihn an der Seite von Gertraud Wagner (Staatsoper Hannover) als Wirtin Heinz Hellberg .

Um ihn rankt sich eine nette Anekdote. Damals sollte eine Aufführung bereits um 18 Uhr beginnen. Die Mitwirkenden hatten sich darauf eingestellt und kamen pünktlich gegen 17 Uhr zur Bühne. Nur einer verließ zu diesem Zeitpunkt die Bühne, Heinz Hellberg. Gegen 17.45 Uhr starteten die Verantwortlichen der Bühne eine Suchaktion, setzten Streifenwagen der Polizei in Bewegung, um nach einem weißen Passat Kombi mit Wiener Kennzeichen zu suchen.

Über Lautsprecherdurchsagen in sämtlichen Meppener Supermärkten wurde die „Fahndung“ unterstützt – ohne Erfolg. Schließlich traf ihn Roswitha Schulte, ein Bühnenmitglied, in einem Kiosk. „Was machst du denn hier, die Aufführung hat doch längst begonnen“, starrte sie den Schauspieler an. Als er begriffen hatte, was los war, drückte er die im Kiosk für seine Freundin ausgesuchten Utensilien Schulte in die Hand, ließ sie bezahlen und brauste mit dem Auto zur Bühne. Dort angekommen, stürzte er in die Garderobe, wo seine erste Frage war: „Wo ist mein Haarspray?“ Danach konnte die Aufführung beginnen.

Für die Familien gibt es im nächsten Jahr „Emil und die Detektive“. Ein, wie Limbarth findet, „tolles Stück für unser hervorragendes Kinder-Ensemble, das mit der Besetzung der vielen Hauptfiguren für die Zukunft gefördert wird.“ Mit diesem Musical schrieb der gebürtige Berliner Marc Schubring eine Hommage an seine Heimatstadt und die Helden seiner Kindheit. Dabei wollte er dem Stück authentischen Charakter verleihen – quasi, als ob er und der Librettist Wolfgang Adenberg mit Erich Kästner zusammengearbeitet hätten.

2001 fand die Uraufführung des Familienmusicals am Theater am Potsdamer Platz statt. Die Dramatisierung der Romanvorlage mit ihren prägnanten und pfiffigen Texten orientiert sich an Kästners Prosa und Lyrik sowie dem Stil der Entstehungszeit des Buches (1929) und entwickelt diesen weiter.

Im Mittelpunkt der Story steht der zwölfjährige Emil. Er fährt zum ersten Mal alleine nach Berlin zur Großmutter und seiner Cousine Pony Hütchen. Er hat Geld für die Großmutter bei sich. Im Zugabteil schläft er ein. Ein Herr stiehlt ihm den wertvollen Umschlag. In Berlin angekommen, verfolgt Emil den Dieb zum Café Josty. Dort lernt er Gustav kennen, der sofort seine Jugendbande zusammentrommelt. Gemeinsam organisieren die Kinder generalstabsmäßig die Verfolgung des Diebes. Was daraus wird? Die Auflösung gibt es im nächsten Jahr auf der Meppener Freilichtbühne.

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„Im weißen Rössl“ ist ein Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky. Ort der Handlung ist das Hotel Weißes Rössl in St. Wolfgang im Salzkammergut in Österreich. Das Libretto stammt vom Komponisten zusammen mit Hans Müller-Einigen und Erik Charell. Die Liedtexte schrieb Robert Gilbert, die musikalischen Einlagen Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert und Robert Stolz. Als Vorlage diente ein gleichnamiges Alt-Berliner Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg, das die beiden Autoren 1896 während eines Aufenthaltes in der Villa Blumenthal in der Nähe von Bad Ischl schrieben. Das Singspiel „Im weißen Rössl“ wurde am 8. November 1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin von Erik Charell mit Max Hansen als Leopold und Camilla Spira als Josepha uraufgeführt. Das Bühnenbild entwarf Ernst Stern. Zum Inhalt: Im Hotel „Weißes Rössl“ ist Hochsaison. Das Personal ist überfordert, Zahlkellner Leopold beruhigt die unzufriedenen Gäste. Weniger Erfolg mit seinem Charme hat er bei seiner Chefin Josepha Vogelhuber, bei der er Annäherungsversuche macht („Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“). Diese jedoch weist ihn zurück: Sie ist verliebt in den Berliner Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler, einen langjährigen Stammgast, der für den Nachmittag erwartet und dann herzlich von ihr begrüßt wird. (cw)

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