Zwei Millionen Liter in Meppener Gewässer Handy im Teich: 16-Jähriger will See in Toilette abpumpen


Meppen. Da staunten die Mitglieder vom Anglerverein „Catch und Kill“ nicht schlecht: Ein Jugendlicher hatte sein Smartphone in ihren privaten Angelteich im Meppener Ortsteil Rühle fallen lassen. Um es wiederzubekommen, versuchte er kurzerhand den kompletten See leer zu pumpen – und zwar durch eine Toilette.

„Zunächst nahmen wir die Geschichte mit Humor, aber als uns das ganze Ausmaß dieser wahnsinnigen Aktion bewusst wurde, blieb uns das Lachen im Halse stecken“, erzählt Hans-Hermann Kremer, der Pächter und sogenannte Teichvater vom Angelverein „Catch & Kill“.

Warum heißt ein Meppener Angelverein „Catch and Kill“?

Alles begann mit einem geposteten Beitrag auf der Facebook-Seite des Angelvereins. „Ein junger Mann schrieb uns, es hätten sich Jugendliche auf dem Gelände unseres gepachteten Teichs aufgehalten, die er wegschicken wollte. Er sei geschubst worden und dabei fiel ihm sein Handy ins Wasser“, erzählt der 52-jährige Hobby-Angler Kremer. Kurios sei es dann geworden, als er den 16-Jährigen zuhause angerufen habe. „Er wollte, dass wir einen Taucher engagieren, um sein Handy zu finden. Geld würde dabei keine Rolle spielen, seine Mutter könne das bezahlen. Ich legte daraufhin auf, denn auf solche abstrusen Aktionen wollte ich mich nicht einlassen“, erklärt Kremer.

Stromkabel im Wasser

Das Thema war damit aber noch lange nicht vom Tisch. Ein paar Tage später verabredete sich Hans-Hermann Kremer, wie er erzählt, am Teich in Rühle mit einem Schrotthändler aus Haren, der das Vereins-Angelauto abholen wollte. „Meiner Tochter fielen die Stromkabel, die ins Wasser führten, als Erster auf“, berichtet der Hotelfachmann. Und tatsächlich entdeckte der Papenburger dann zwei Abwasserpumpen im Teich. „Ein Schlauch führte in einen anliegenden Acker, der andere in unser selbstgebautes Toilettenhäuschen. Ich war geschockt, über so viel Wahnsinn“, erzählt der Anglerfreund.

„Utopische Vorstellung“

Denn bei einer Teichlänge von 80 Metern, einer Breite von etwa 15 Metern und der Tiefe von 1,5 Metern sei die Vorstellung, dass zwei Pumpen den Teich leer pumpen könnten, utopisch. Außerdem gebe es noch einen Zulauf vom Emskanal, so das Vereinsmitglied. Das Teichwasser mitsamt der Fäkalien aus dem 1000-Liter-Tank der Toillette strömten somit über das Gelände.

„Das war ein Anblick – ein einziges Chaos“, so der leidenschaftliche Angler, der mit den Mitgliedern vom Verein „Catch & Kill“ mit viel Schweiß und Arbeit diese kleine Wohlfühloase vor gut acht Jahren schuf und den Teich in Rühle von Familie Kordes pachtete, um der Angelleidenschaft mit seinen Freunden nachzugehen.

Sorge ums Handy mündet in Vandalismus

„Wenn Angler aus der Gegend an unserem Teich angeln möchten, lassen wir dies meistens zu, wenn wir die Leute kennen. Aber solch ein Vandalismus ist uns noch nicht vor die Augen gekommen“, sagt Kremer. Tische und Stühle seien umgeworfen worden, die Toilette sei kaputt, Gartengeräte hätten verteilt herumgelegen und auch in den Wohnwagen hätten sich die Jugendlichen zu schaffen gemacht.

Nach kurzer Zeit ließen sich Kremers Erzählungen nach dann die drei Täter blicken, darunter auch der 16-Jährige, der sein Handy ein paar Tage zuvor im Teich verloren hatte, außerdem zwei gleichaltrige Freunde. „Sie bestritten, mit dem Chaos am Teich etwas zu tun zu haben und waren im Begriff sich aufs Fahrrad zu setzten.“

Polizei staunt nicht schlecht

Da wurde es dem 52-Jährigen offenbar zu bunt und er rief die Polizei, die die drei Jugendlichen vernommen habe. Die Beamten hätten nicht schlecht über die diffuse Idee gestaunt, solche Wassermassen in einer kleinen Toiletten abpumpen lassen zu wollen. Der 16-Jährige sei den Beamten bereits bekannt gewesen, erzählt Kremer. Er habe daraufhin Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch, Vandalismus und Energiediebstahl gestellt.

Auf geschätzten 4000 Euro Schaden bleibt der Angelverein nach eigenen Angaben durch die Aktion sitzen. Zumindest der faktische Wert des immer noch verschollenen Smartphones (Samsung 3S mini) im Teich ist erheblich geringer.


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