FDP-Politiker besuchen Einrichtung Kinder- und Jugendhilfe in Meppen

Von Olga Zudilin

Im Gespräch: (von links) Stefan Birkner, Jens Beeck, Yvonne Schauf, Clemens Paul Schulte, Frank Hofkamp und Berthold Schligten. Foto: Olga ZudilinIm Gespräch: (von links) Stefan Birkner, Jens Beeck, Yvonne Schauf, Clemens Paul Schulte, Frank Hofkamp und Berthold Schligten. Foto: Olga Zudilin

Meppen. Instabile Familien, Vernachlässigung und Erfahrungen mit Gewalt: Kinder und Jugendliche, die bei der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe in Meppen betreut werden, bringen oft schweres Gepäck mit.

„Diesen Kindern und Jugendlichen wollen wir eine Heimat bieten“, erzählte die Gesamtleiterin der Einrichtung , Yvonne Schauf. Bei einem Rundgang hat sie die Kinder- und Jugendhilfe fünf FDP-Politikern vorgestellt. Neben dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der niedersächsischen FDP, Stefan Birkner , haben sich auch Jens Beeck ( Vorsitzender der Liberalen Stadtratsfraktion in Lingen ), Berthold Schligten und Clemens Paul Schulte sowie Frank Hofkamp (alle drei vom FDP-Ortsverband Emsland-Mitte ) über die Arbeit der Einrichtung informiert.

Die Bewohner der Einrichtung hätten alle unterschiedliche Erfahrungen in ihren Ursprungsfamilien gemacht, berichtet Schauf, die seit 13 Jahren in der Einrichtung arbeitet. Auch Kinder und Jugendliche, die emotionalen, körperlichen oder sexuellen Missbrauch erlebt haben, seien dabei. Einige Kinder und Jugendliche hätten unterschiedliche Stationen wie Pflegefamilien oder Heime hinter sich, bei denen sie aus verschiedenen Gründen nicht bleiben konnten.

Für diese Kinder und Heranwachsenden bietet Backhaus besondere Hilfe an. Dazu gehört zum Beispiel ein Kleinstheim, in dem Kinder in einer familienähnlichen Umgebung mit einem Hausleiterehepaar leben. Auch für Kinder, die nur vorläufig aus ihrer Familie herausgenommen wurden und bei denen der Sorgerechtsentzug geprüft wird, gibt es Hilfe von Backhaus. Kinder bis 13 Jahre können in der Clearingstelle für drei bis sechs Monate eine Zuflucht finden. In dieser Zeit wird entschieden, ob sie in ihre Familien zurückkehren können oder nicht.

Eine Besonderheit, die die Privateinrichtung anbietet, ist das Konzept der Profifamilien, bei denen Kinder untergebracht werden. Der Unterschied zu einer Pflegefamilie ist der, dass eine Profifamilie aus einer Fachkraft, beispielsweise einem Sozialpädagogen, und einem Partner sowie eigenen Kindern besteht.

Somit können nur ausgebildete Fachkräfte ein Kind in ihrer Familie aufnehmen. Voraussetzung, dass eine Profifamilie ein Kind aufnehmen darf, ist ein sechsmonatiger Vorbereitungskurs. Der Kurs wird individuell gestaltet und von der Fachkraft und dem Partner gemeinsam besucht. „Profifamilien können als eine Art dezentraler Heimplatz bezeichnet werden“, sagt Schauf. Das Konzept ermöglicht es den oft traumatisierten Kindern, Erfahrungen mit stabilen Beziehungen zu machen. Insgesamt 221 Profifamilien gibt es zurzeit bei der Einrichtung.

Grenzen testen

„Die Kinder testen oft ihre Grenzen bei den Profifamilien aus. Da sie oft Enttäuschungen erlebt haben, wollen sie wissen, wie weit sie gehen können“, berichtet Schauf.

Trotz der Unterbringung in Profifamilien liegt es der Einrichtung am Herzen, mit den Ursprungsfamilien zusammenzuarbeiten, was nach Angaben der Leiterin meist sehr gut klappt. „Es ist wichtig, dass die Kinder wissen, woher sie kommen, und wir freuen uns, wenn der Kontakt zu den Ursprungsfamilien bestehen bleibt.“