Mit einem Kniff Portokosten reduzieren Briefe für vier Cent in Meppen zugestellt


Meppen. Kim Ole Andersen ist kein geiziger Mensch. Aber er ist neugierig und probiert gerne Sachen aus. Das hat den 45-jährigen Meppener dann doch auf eine Spur geführt, Geld zu sparen: beim Porto. In mehreren Versuchen schaffte es der Geschäftsführer einer Firma in Nödike, Briefe für schlappe vier Cent von der Post befördern zu lassen.

Einen mit den Buchstaben F.R.G., „NON DOMESTIC“ und eckigen Klammern um die Postleitzahl versehenen Brief adressierte er an sich selbst. Den versah er mit einer Sechs-Cent-Marke. Die Zustellung klappte. Andersen wurde kühner. Er schickte kurz darauf drei nur noch mit vier Cent frankierte Umschläge ab. Auch die flatterten ihm ordnungsgemäß per Deutscher Post AG ins Haus.

Dass das funktioniert, überraschte den Kreisstädter nicht. Bundesweit ist es mehreren Briefeschreibern gelungen. Davon hatte er gehört und gelesen: Seit März dieses Jahres kursieren Beiträge im Internet, man könne Briefe bis zu 20 Gramm zu einem Bruchteil der normalen Portokosten versenden. „Glauben wollte ich es aber erst, nachdem ich es selbst ausprobiert habe“, sagt der gebürtige Däne.

Seine Testphase begann. Er verschickte einen Brief, der bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss, an sich selbst, lediglich mit sechs Cent freigemacht. Schon am nächsten Tag wurde der ohne Nachportoforderung zugestellt. Danach sendete Andersen noch 15 weitere Briefe an Freunde, diesmal lediglich mit vier Cent frankiert. „Alle kamen nach ein bis zwei Tagen unbeanstandet bei den Empfängern an.“

Die Neugier des Wahl-Meppeners war endgültig geweckt. Er recherchierte, befasste sich detaillierter mit der Materie. Die in Internetquellen häufigste Begründung ist, dass sich der Brieftarif durch ein Abkommen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Weltpostverein UPU aus dem Jahr 1875 sowie dem Reichspostgesetz von 1871 ergibt, in dem die Portokosten in dem damaligen Deutschland festgeschrieben waren.

Warum aber werden die Briefe durch die Deutsche Post heute offensichtlich prompt und ohne Beanstandung zugestellt? Manche sprechen von einer Art Verschwörungstheorie. „Es wird behauptet, die Bundesrepublik Deutschland wäre immer noch kein souveräner Staat, und es gelten völkerrechtlich immer noch die Gesetze des Deutschen Reiches, da es immer noch existiere, aber durch eine fehlende Regierung und deren durchführende Organe handlungsunfähig sei. Darum wären internationale Verträge wie zum Beispiel das Abkommen mit dem Weltpostverein UPU von 1875 und deren späteren Anpassungen immer noch rechtskräftig“, zitiert der Meppener entsprechende Quellen. Daraus abgeleitet sei immer noch das Briefporto von anno damals gültig.

Fakt ist: Die Bundesrepublik Deutschland ist seit 1954 Mitglied im Weltpostverein, das Deutsche Reich war bzw. ist es aber eben seit 1875. Daraus abgeleitet gelte, so Andersen, wohl weiterhin das alte Briefporto. Das bedeutet für die Deutsche Bundespost, entsprechend gekennzeichnete Briefe für „ermäßigtes“ Porto zu befördern.

Was sagt die Deutsche Post AG dazu? Einem Blogbetreiber, der sich mit dem Phänomen wie Kim Ole Andersen auseinandersetzte, antwortete deren Bonner Pressestelle: „Sehr geehrter Herr, vielen Dank für Ihre Anfrage. Ihre Annahme, dass das Ganze ‚ausgemachter Schwachsinn‘ ist, ist korrekt. Oder lassen Sie es mich so formulieren: Natürlich gelten beim Versand von Briefen über die Deutsche Post unsere regulären Briefpreise, das heißt beispielsweise 60 Cent für den Standardbrief innerhalb Deutschlands bzw. 75 Cent für den internationalen Standardbrief. Ist ein Brief unterfrankiert, kann die Deutsche Post die Annahme verweigern oder die Sendung zurückgeben bzw. zur Abholung bereithalten oder ohne Benachrichtigung des Absenders befördern. Dafür wird ein Nachentgelt berechnet.“

Für Andersen sind seine unterfrankierten, aber beförderten Briefe kein Beweis für irgendwelche Abkommen, die weit in die Geschichte zurückreichen. „Sie beweisen höchstens, dass den Postbediensteten das Erheben des Nachportos zu mühsam ist und dass solche Briefe, da sie nur vereinzelt auftauchen, trotzdem befördert werden.

Nächste Woche will der Meppener seine Tests fortsetzen. Dann schickt er Briefe für drei Cent ab. Das soll das derzeitig akzeptierte Mindestporto sein. Andersen wird kühn. 136 solcher Briefe will er auf den Weg bringen. So viele Mitglieder zählt der Verein LAND LuST , dem der Meppener angehört. Klappt die Zustellung, hätte er statt fälliger 81,60 Euro lediglich 4,08 Euro gezahlt. „Das wäre eine Ersparnis von 95 Prozent“, lacht Andersen. Er ist in dem Verein übrigens Schatzmeister. Aus dieser Funktion Geiz abzuleiten, wäre weit gefehlt. Der 45-Jährige ist einfach neugierig.

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Den Brief normal mit Absender und Adressat beschriften, die Postleitzahl dabei jedoch in eckige Klammern setzen und folgenden Zusatz aufs Kuvert schreiben: „NON DOMSTIC F.R.G“. Übersetzt heiß das, nicht innerstaatlich (der) Bundesrepublik Deutschland. Unter die Briefmarke(n) das Versanddatum setzen und eigenhändig unterschreiben.

Um sicherzugehen, kann man, so Andersen, noch den Zusatz wählen, den Bundesstaat des ehemaligen Kaiserreiches unter die Adresse zu schreiben, Meppen zum Beispiel gehörte damals zu Preußen.

Die Briefmarken kann man als Individualwert am Briefmarkenautomaten drucken oder sich 2-Cent-Marken als Ergänzungswert (nach der letzten Portoerhöhung erschienen) besorgen. (cw)

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