Austausch und Akzeptanz Jugendtreff für Homosexuelle und Transgender in Meppen

Beratend stehen die Sozialpädagogen Inga Koop und Pascal Hartmann-Boll den Jugendlichen im Meppener Jugendzentrum jam zur Seite. Foto: Kim KarotkiBeratend stehen die Sozialpädagogen Inga Koop und Pascal Hartmann-Boll den Jugendlichen im Meppener Jugendzentrum jam zur Seite. Foto: Kim Karotki

Meppen. Um jungen Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen oder die sich nicht mit der sozialen Rollenzuschreibung identifizieren können (Transgender), einen Raum für Austausch und Akzeptanz zu bieten, soll im Meppener Jugendzentrum Jam eine Jugendgruppe für Homosexuelle und Transgender gegründet werden.

Aufgeschlossenheit gegenüber Homosexuellen gehört heutzutage zum guten Ton. Trotzdem wird die Toleranz nicht immer gelebt, besonders, wenn es vielleicht das eigene Kind betrifft. Das macht den Prozess des Coming-Out für Jugendliche besonders schwer und kann sie in tiefe Krisen stürzen.

Jeden Dienstag um 18.30 Uhr können sich jugendliche Homosexuelle und Transgender im Jam mit Gleichgesinnten austauschen. Begleitet wird das von der Stadt Meppen und dem Projekt „Think Big“ geförderte Vorhaben ehrenamtlich von den Sozialarbeitern und -pädagogen Inga Koop und Pascal Hartmann-Boll. Beide gehören dem Verein Land LuST (Lesben und Schwule für Toleranz auf dem Land) an. Die Jugendgruppe stellt ein Treffen zum Kennenlernen, zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, vielleicht auch zur Verwirklichung von Projekten wie einer Facebook-Seite, einem Film oder Öffentlichkeitsarbeit dar.

„Was gemacht wird, entscheiden aber die Jugendlichen“, sagte Hartmann-Boll. „Wir möchten die Jugendlichen selbst aktiv werden lassen, wir als Sozialpädagogen bieten nur den Rahmen.“ Die beiden stehen vor allem als Ansprechpartner bei Fragen und Problemen zur Verfügung.

Wichtig sei es deshalb, dass die Gruppe von einer Frau und einem Mann geleitet wird. „Da gibt es große Unterschiede – so kann man besser auf die individuellen Bedürfnisse eingehen“, erklärte Koop. Ganz unverbindlich können Jugendliche, die sich angesprochen fühlen, vorbeikommen. Die Gruppe ist an keine Mitgliedschaft gebunden, es fallen keine Kosten an, und man müsse sich auch nicht genötigt fühlen, Getränke zu kaufen; Getränke und Snacks würden gestellt.

Außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Jam soll die Jugendgruppe für Homosexuelle und Transgender im geschützten Raum stattfinden. Auch Freunde der Gruppenzugehörigen sind dort willkommen. „Aber falls eine Clique kommen sollte, nur um zu gaffen, würde die sofort weggeschickt“, betonte Hartmann-Boll.

Das Teenager-Alter ist auch die Phase der sexuellen Identitätsfindung. Viele seien verunsichert, könnten ihre Gefühle nicht einordnen oder hätten Angst, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Deshalb sei es wichtig, auch in diesem Alter Unterstützung zu geben. „Wir wollen Probleme frühzeitig angehen, damit später nicht jemand da steht und nicht weiß, wie es weitergehen soll“, sagte Hartmann-Boll. Gerade auf dem Land sei es schwer, sich der Familie und Freunden gegenüber zu öffnen. „Dadurch, dass jemand das Gefühl hat, sich verstecken zu müssen, können ernsthafte Krisen und psychische Probleme hervorgerufen werden“, so der Sexualpädagoge.

Koop wies darauf hin, dass Toleranz gegenüber Homosexuellen noch nicht immer gelebt werde: „Ich habe in meiner Jugend mitbekommen, wie mit Leuten umgegangen wird, die vielleicht homosexuell sein könnten – dass die gemobbt werden.“ Von Schulen würden sich beide mehr Unterstützung wünschen. „Da stellt Sexualkunde für einige Lehrer schon ein Problem dar“, gleichgeschlechtliche Liebe sei dann erst recht ein Tabu. „Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell, in einer Klasse wären das schon zwei Schüler“, betonte Hartmann-Boll. Deshalb sei es wichtig, die Jugendlichen aufzuklären, damit eine offene Gesellschaft entstehen könne.

„Es wäre schön, wenn wir auch in die Klassen gehen könnten, um mit den Schülern zu sprechen.“ Solange Themen wie Homosexualität und Transgender nicht mit den Jugendlichen besprochen würden, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich in ihren Köpfen der Gedanke festsetze, dass Heterosexualität die Norm sei. Für eine aufgeklärte Gesellschaft sei es entscheidend, Jugendlichen Toleranz gegenüber alternativen Lebensentwürfen näherzubringen.

In der Jugendgruppe soll es aber nicht nur um Probleme gehen. Homosexuelle, Transgender, deren Freunde und Interessierte sollen in ihrer Freizeit Raum erhalten, andere Menschen zu treffen, von denen sie akzeptiert und geschätzt werden. „Denn wozu ist ein Jugendzentrum da?“, fragte Koop. „Um mit Gleichaltrigen etwas zusammen zu machen, Kicker zu spielen oder bei einer Cola zu quatschen.“


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