Aus dieser Nummer kommt man nicht raus Gute Erfahrungen Meppener Banken mit SEPA



Meppen. Sabine Meyer sitzt fast mit der Nase auf der vor ihr liegenden Rechnung. Mit einem Finger verfolgt sie ganz genau die Ziffern des Bandwurm-Codes am Ende der Seite, während sie den auf einen Überweisungsträger schreibt. Die IBAN, die an die Stelle herkömmlicher Kontonummern getreten ist, bereitet der 25-Jährigen Probleme. Vor ein paar Tagen hatte die Meppenerin einen Zahlendreher beim Abschreiben des Buchstaben-Ziffer-Bandwurms. Die Folge: Die Überweisung kam zurück.

„Das ist ganz schön nervig“, findet die Jurastudentin. Aber: In einer Zeit, in der die Welt wirtschaftlich mehr und mehr zusammenwächst, findet sie es richtig, im Zahlungsverkehr von den vielen nationalen Verfahren Abschied zu nehmen und zu einheitlichen überzugehen. Von daher findet Meyer es gut, dass Politik und Kreditwirtschaft einheitliche Regelungen für den nationalen sowie den europäischen Zahlungsverkehr eingeführt haben.

Einheitliche Verfahren

SEPA ist seit 1. Februar das Zauberwort. Es steht für Single Euro Payments Area (Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum). Die dadurch geregelten neuen einheitlichen Verfahren gelten für Euro-Zahlungen in den 28 EU-Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen sowie Monaco und der Schweiz. Zwingend notwendig für diese Vereinheitlichung ist, dass bisher bei Überweisungen verwendete nationale Kontonummern und Bankleitzahlen durch einheitliche Formate ersetzt werden.

Dazu hat das European Committee for Banking Standards bzw. das Europäische Normierungsgremium die sogenannte IBAN als neue europäische Kontonummer eingeführt. Und an die Stelle der bisherigen Bankleitzahlen tritt der BIC (Bank Identifier Code = internationale Bankleitzahl), der von der SWIFT festgelegt wird und deshalb oft auch als SWIFT-Code bezeichnet wird.

Das klingt zunächst kompliziert. So kompliziert, dass viele Kunden damit nicht klarkommen? Wir haben bei hiesigen Banken nachgefragt. Bei der Commerzbank wickeln derzeit 60 Prozent der Kunden ihre Überweisungen und 40 Prozent ihrer Lastschriften über SEPA ab. Damit liege man deutlich über dem Bundesdurchschnitt. „Wir kommen bei der Umstellung des Zahlungsverkehrs auf SEPA gut voran. Dies ist das Ergebnis unserer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, sagt Andreas Schürmann, Filialdirektor der Commerzbank Meppen , auf Anfrage unserer Zeitung. Hier werden Freiberufler, Gewerbetreibende und Firmen bis zu einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro betreut.

Schürmann rät Unternehmen, die ihre Überweisungen/Lastschriften noch nicht auf SEPA umgestellt haben, „dies mit höchster Priorität voranzutreiben“ und nicht die von der EU-Kommission eingeräumte Übergangsfrist bis zum 1. August in Anspruch zu nehmen. Nur so sei sichergestellt, dass es auch nach dem Ende der Übergangsfrist einen reibungslosen Geldfluss gebe.

Geschäftskunden und Vereinen empfiehlt Schürmann, zügig die Umstellung ihres Zahlungsverkehrs auf SEPA vorzunehmen. Für Privatkunden hingegen bleibt es beim Stichtag 1. Februar 2016. Ausschließlich für sie gibt es die Möglichkeit, noch bis dahin Aufträge mit Kontonummer und Bankleitzahl zu erteilen.

Die Erfahrungen der Sparkasse Emsland sind sehr gut. „Die Umstellung auf die Verfahren sei den aktuell maßgeblich betroffenen Kunden gut gelungen, sagt Hans-Günter Kaltwasser. Bei Privatkunden konzentrierten sich die Fragen zum einen auf die Nutzung von IBAN und BIC vor allem im Zusammenhang mit Überweisungen bzw. darauf, wo und wie man diese Nummern findet. Auch bei den Lastschriften sei SEPA durchgängig etabliert. Allen Unternehmen, Vereinen usw., die dies noch nicht getan haben, rät Kaltwasser, die Umstellung auf SEPA zügig abzuschließen und die Verfahren möglichst zeitnah sowie vollständig zu nutzen.

Grundsätzlich keine Probleme bei den Überweisungen konnte die Emsländische Volksbank Meppen bisher in Sachen SEPA feststellen, wie Dietmar Albers, Projektverantwortlicher des Geldinstituts, sagt. Die Konvertierung auf das SEPA-Format erfolge im Onlinebanking automatisiert. Etwas schwieriger sei es bei den Lastschriften. Die wurden bis dato sofort gutgeschrieben und beim Zahlungspflichtigen belastet.

Unter SEPA sind nun Fristen zu beachten, die oft gedanklich nicht berücksichtigt würden. Danach werden erste und einmalige Lastschriften sechs Tage nach Einreichung gutgeschrieben und belastet, wiederkehrende drei Tage nach Einreichung. Dies sollte man bei der Liquiditätsberechnung im Hinterkopf haben.

Die Übergangsfrist wird noch von einigen Kunden der Volksbank genutzt, die bis zum 1. Februar nicht umgestellt haben. Albers empfiehlt, auf keinen Fall bis zum 1. August mit der Umstellung zu warten, da dann nicht zuletzt aufgrund der Urlaubszeit viele Ansprechpartner sowohl intern als auch extern nicht erreichbar seien.

Sabine Meyer will so lange nicht warten. Sie ist gerade dabei, sich Schritt für Schritt mit SEPA anzufreunden, und findet den Aufbau der IBAN mittlerweile logisch. „Trotzdem liegt die Tücke im Detail. Man verguckt sich so schnell beim Abschreiben des Bandwurms“, findet die 25-Jährige. Deshalb schaut sie bei der Rechnung, die sie gerade zum zweiten Mal bearbeitet, nun sehr genau auf die 22-stellige IBAN am Ende.


Die IBAN (International Bank Account Number, internationale Bankkontonummer) ersetzt in Deutschland Kontonummer und Bankleitzahl. Die IBAN ist je nach Land unterschiedlich lang – in Deutschland hat sie immer 22 Stellen und ist stets gleich aufgebaut: Sie besteht aus einem internationalen Teil, der sich aus einem Länderkennzeichen (DE für Deutschland) am Anfang und einer Prüfziffer zusammensetzt, und einem nationalen Teil, der individuelle Kontodetails enthält. In Deutschland sind das die Bankleitzahl und die Kontonummer. Überweisungen und Lastschriften dürfen seit dem 1. Februar 2014 grundsätzlich nur noch im einheitlichen SEPA-Format abgewickelt werden. Die überwiegende Mehrheit der Firmenkunden in Deutschland hat nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft fristgerecht auf SEPA umgestellt. Bis zum 1. August 2014 aber können Firmenkunden nach Absprache mit ihrer Bank ausnahmsweise noch Zahlungen in den bisherigen nationalen Formaten einreichen.

Für Verbraucher ändert sich durch die Fristverlängerung nichts. Sie können wie bisher Kontonummer und Bankleitzahl bis zum 1. Februar 2016 nutzen.

Einige Änderungen bedeutet IBAN allerdings für die circa 580000 Vereine in Deutschland, da ein Großteil seine Mitgliedsbeiträge mittels Lastschrift einzieht.

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