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1998 Hochwasser an der Hase 180000 Sandsäcke für das Emsland

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<em>Bis in die Hausgärten</em> stand 1998 das Wasser der Hase in Haselünne. Zahlreiche helfer waren im Dauereinsatz. Archivfoto: Tobias BöckermannBis in die Hausgärten stand 1998 das Wasser der Hase in Haselünne. Zahlreiche helfer waren im Dauereinsatz. Archivfoto: Tobias Böckermann

Meppen. Das Emsland ist Wasserland – und damit seit Jahrhunderten Hochwasserereignissen ausgesetzt. Das letzte kam 1998 in nur einer Woche und ließ die Hase über die Ufer treten. Ein Rückblick – vor dem Hintergrund der aktuellen Hochwasserlage in Deutschland.

Am Dienstagabend des 27. Oktober und am folgenden 28. Oktober 1998 wütet ein Unwetter über Nord- und Ostdeutschland. Tief „Xylia“ geht mit schweren Sturmböen einher und richtet große Sturmschäden an. Und es bringt mehr Regen als sonst im ganzen Oktober: 1998 sind es bis zum 29. Oktober schon 226 Liter, sonst nur rund 60. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk im Emsland müssen allein an den ersten beiden Tagen zu 400 Einsätzen ausrücken. Am Ferienzentrum Schloss Dankern in Haren droht schon bald ein Deich des Mersbaches zu brechen, mit letzter Anstrengung gelingt die Stabilisierung.

In vielen Mastställen im Altkreis Meppen stehen die Tiere schon bald im Wasser, Telefone fallen aus, Straßen werden überflutet, Katastrophenalarm ausgelöst. Und der Regen lässt nicht nach. Am Vormittag des 28. Oktober steigen die Pegel von Ems und Hase um sechs bis acht Zentimeter – pro Stunde. Am 30. Oktober 1998 muss Landwirt Hermann Schulte in Haselünne-Lahre seine Tiere von den Weiden holen. „Diese Situation konnte sich mein Vater damals gar nicht vorstellen“, erinnerte sich Schulte vor einigen Jahren in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. „Und ich habe es auch nicht erlebt, dass mein Vater davon erzählt hat, dass wir so ein starkes Hochwasser haben.“

Und doch war es damals so. Es hatte sich ein Starkregengebiet gebildet, das sich über 400 Kilometer von den Niederlanden über das Emsland bis in den Raum Braunschweig hinein erstreckte. Hier fielen in einem 20 bis 50 Kilometer breiten Bereich extrem starke Niederschläge, die auf einen bereits seit Wochen nahezu wassergesättigten Boden fielen.

Sachbearbeiter Ludwig Acquistapace vom Landkreis Emsland hatte vor ein paar Jahren rückblickend berichtet, das Hochwasser sei „sehr überraschend“ eingetreten, man habe nur einen Tag Vorlaufzeit gehabt. „Es entstand binnen weniger Stunden eine riesige Seenlandschaft“, ergänzte er. Es wurden große Schäden an Gebäuden und Ernten angerichtet. So stand die Gärtnerei Bartels an der Bundesstraße 213 in Haselünne komplett unter Wasser. Der Schaden ging allein dort in die Hunderttausende. In Meppen drohte damals der Kamphaus-Deich zu brechen und Helte zu überfluten. In Bokeloh kämpften die Einsatzkräfte tagelang um einen Deich. Zusätzlich zu den hiesigen Einsatzkräften wie der Freiwilligen Feuerwehr waren damals bis zu 700 Soldaten im Einsatz. Vielerorts stabilisierten sie Dämme und Deiche, insgesamt wurden 180000 Sandsäcke verbaut.

Bauern beklagen Schäden

Ortschaften wie Lahre oder Bückelte waren zeitweise komplett oder zumindest annähernd vom Hochwasser eingeschlossen. Die Hase am Pegel Haselünne ist normalerweise im Schnitt 93 Zentimeter tief, 1998 waren es 404 Zentimeter. Erst nach gut einer Woche sank das Wasser, und die Lage entspannte sich. Die Landwirte in der Grafschaft Bentheim und im Emsland beklagten dennoch Schäden in Höhe von 35 Millionen DM.

Dass Hochwasser schwere Schäden anrichten kann, war den Emsländern damals natürlich durchaus bekannt und auch, dass die Begradigung der Flüsse und ihre Eindeichung die Gefahr erhöhten, statt sie zu senken. Deshalb folgte die Forderung, mehr für den Hochwasserschutz zu tun, auf dem Fuße und wurde später an der Hase auch umgesetzt (siehe Interview). Allerdings war eine der wichtigsten Abwehrmaßnahmen schon vor 1998 angelaufen, nämlich das E+E-Vorhaben im Hasetal zwischen Haselünne und Meppen. In dessen Zuge waren mehrere Hundert Hektar Überflutungsraum zurückgewonnen worden.

Hausbesitzer können im Internet erfahren, ob und ab wann ihr Haus durch ein Hochwasser gefährdet wäre. Die aktuellen Karten der Überschwemmungsgebiete sind unter www.umweltkarten-niedersachsen.de abzurufen und zeigen, ob ein Grundstück bei einem 100-jährlichen Hochwasser überflutet wäre. Ein solches Hochwasser stellt einen erwarteten Spitzenpegel dar, der statistisch gesehen in 1000 Jahren zehn Mal auftritt. Allerdings müssen zwischen den Ereignissen keine 100 Jahre liegen. Kreisbaurat Dirk Kopmeyer weist darauf hin, dass bei einem noch höheren Hochwasser auch außerhalb des festgelegten Überschwmmungsgebietes liegende Bereiche betroffen sein könnten. Informationen zu den neuen Überschwemmungsgebieten gibt es derzeit unter www. emsland.de.

Immobilienbesitzer oder Mieter, deren Gebäude im Überschwemmungsgebiet liegen, sollten den Abschluss einer Elementarschadenversicherung „ernsthaft in Betracht ziehen – vorausgesetzt, dass die Versicherung dies zu akzeptablen Prämien anbietet“, meint Dirk Kopmeyer. Auf der Internetseite des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (www.zuers-public.de) kann man sich darüber informieren, wie stark ein Gebäude durch Hochwasser und andere Katastrophen gefährdet ist.


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