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375 Jahre Windthorstgymnasium Meppen Hermann Lause war der Mädchenfänger

Von Carola Alge | 13.09.2017, 09:55 Uhr

Hermann Lause ist einer der Schüler des Meppener Windthorstgymnasiums, die deutschlandweit bekannt wurden. Als Schauspieler wirkte er unter anderem an der Seite von Veronica Ferres. Einheimischen ist er als der Mädchenfänger von Meppen in Erinnerung.

Als frischgebackener Abiturient zog er 1960 mit den Mitschülern durch die Stadt und gab eine Soloeinlage. Er lockte damals, eine alte „Melone“ auf dem Kopf, in der Hand ein schwarzes Stäbchen, ganz im Stil des Rattenfängers von Hameln eine immer größer werdende Zahl von Schülerinnen des nahe gelegenen Lyzeums aus den Klassenräumen auf die Straße. Zum Entsetzen der Lehrerinnen folgten ihm etwa 200 Mädchen unterschiedlichen Alters auf den Marktplatz. Erst als die Pause längst vorbei war, führte der Gymnasiast als „Mädchenfänger“ seine „Ratten“ ins Lyzeum zurück, wo den jungen Frauen eine harte Strafe drohte. Doch mit seinem Charme und einem großen Blumenstrauß gelang es ihm, die Direktorin zu besänftigen.

Ein lausiger Spaß

Der Auftritt bescherte dem Darsteller bereits in jungen Jahren ein beachtliches Publikum auf dem Marktplatz. Lause genoss das sichtlich. „Es war ein lausiger Spaß“, sagte er einmal im Gespräch mit der Meppener Tagespost.

Hermann Lause wurde am 7. Februar 1939 im Meppener Stadtteil Esterfeld geboren. Seine Eltern waren der bis zu seiner Pensionierung beim damaligen Katasteramt Meppen tätige und 1978 verstorbene Vermessungstechniker Clemens Lause und dessen Ehefrau Margareta (verstorben 1989 in Nürnberg).

Die Familie wohnte in Meppen zunächst an der Esterfelder Stiege und später an der Bokeloher Straße. Sohn Hermann verbrachte die Zeit bis zum Abitur durchgehend in der emsländischen Kreisstadt. Danach zog es ihn in andere Regionen: Er studierte Archäologie, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Mainz, Köln, Heidelberg und München. Zudem nahm er privat Schauspielunterricht in München.

Das Engagement endete mit der Bühnenreifeprüfung. Damit war auch seine Zukunft besiegelt: Er entschied sich für die Schauspielerei; das Studium brach er nach zwölf Semestern ab.

Rolle als Burgfräulein

Erste schauspielerische Gehversuche unternahm der Mime bereits im Februar 1954 als Burgfäulein in dem Theaterstück „Das unterste Gewölbe“. Richtig erlernte Lause die Schauspielerei 1963 bei Ellen Mahlke in München. Hier bekam der Meppener Privatunterricht. Da es in ihrem Haus eine richtige Bühne nicht gab, machte er auf einem nur wenige Quadratmeter großen schlichten Teppich die ersten Schritte statt auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Von diesem Bodenbelag nahm er sich später ein Stück mit, bewahrte es sorgfältig auf.

Lause hat das Teppichstück immer als symbolisch wertvoll gesehen. „Mit beiden Beinen auf dem Teppich zu bleiben, nicht abzuheben“, daran sollte es ihn erinnern. Mit Erfolg. Der Mime war stets jemand, der natürlich und unkompliziert daherkam. Dafür liebte er es aber, künstlerisch komplizierte Sachen zu machen, zum Beispiel schwierige Rollen zu spielen. Das Handwerkszeug dazu bekam er vor allem durch „learning by doing“. „Man lernt den Beruf nicht nur auf der Schule, sondern vor allem vom Gucken, im Vollzug sozusagen“, war seine Devise. So fühlte sich der Wahl-Hamburger bei seinem ersten Auftritt auch gewissermaßen nur als Tablettträger, mehr nicht. Das war 1966 im Schlossparktheater, der Dependance des Berliner Schillertheaters, wo er den Pierre in der „Zimmerwirtin“ von Jacques Audiberti gab.

Quasi Inventar am Schauspielhaus

Von da an ging es bald aufwärts mit Lause. Am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, wo er mit Frau und Sohn lebte, gehörte er quasi zum Inventar. Dem Haus stand Peter Zadek lange vor. Mit ihm arbeitete Lause viel zusammen, unter anderem am Akademietheater in Wien. Der blondhaarige Mime liebte das Theater. Es könne die Zuschauer aufwühlen, sei facettenreich und doch stets ein Gesamtwerk, fand Lause.

Aber auch in verschiedenen Filmen wirkte der Meppener mit. Mit Veronica Ferres zum Beispiel spielte er im „Superweib“. Er bezeichnete sie als „wunderbare Kollegin und Partnerin“, die unkompliziert und ohne Attitüden sei. Mit Ferres drehte Lause auch den Kinofilm „Schtonk“, in dem er als Kurt Glück zu sehen war. Außerdem wirkte er unter anderem in dem Doku-Drama „Die Staatskanzlei“ und in Wolfgang Petersens Ökothriller „Smog“ mit.

Gastauftritte in Serien

Fernsehserien dagegen waren kaum Lauses Ding, obwohl er immer wieder mal Gastauftritte im „Großstadtrevier“, „Der Fahnder“ und Co. hatte. „Mich hat es nie richtig gereizt, dass einen hinterher alle ansprechen oder man auf einem Titelbild irgendeiner Zeitschrift erscheint. Ich habe kein Bedürfnis, an dieser Art der Vergrößerung von Öffentlichkeit mitzuwirken“, sagte er einst im Interview mit unserer Zeitung.

„Schimanski“-Film

Im „Schimanski“-Film „Sünde“ war Hermann Lause zum letzten Mal am 26. Juni 2005 zu sehen. Einen Monat vorher starb er im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer schweren Krebserkrankung. In Erinnerung bleibt er als bescheidener, aber sehr präsenter Vollblutschauspieler, der von großer Wandlungsfähigkeit war, der Kollegen, Freunde und Bekannte gleichermaßen begeisterte.

An den Schauspieler aus Meppen erinnern in Meppen der Hermann-Lause-Weg am Stadtwall und eine große Collage-Wand im Foyer des Theaters in Meppen – unweit jener Wirkungsstätte, die er einst als Schüler besuchte.