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375 Jahre Windthorst-Gymnasium Meppen Eine Schule zwischen Tradition und Moderne

Von PM. | 11.09.2017, 09:55 Uhr

Das Meppener Windthorstgymnasium (WGM) besteht seit 375 Jahren. Gegründet wurde es im April 1642, als der Bischof von Münster dem Jesuitenorden die Einrichtung eines Gymnasiums in Meppen genehmigte. Die aktuelle Namensgebung erfolgte erst im Jahr 1982.

Der Jesuitenorden beeinflusste im 16. und 17. Jahrhundert die Erziehung von Jugendlichen und die Gestaltung des Schulunterrichts in entscheidender Weise. Im Herbst 1642 wurde der Unterricht mit zwei Klassen begonnen. Um 1652 war die Schule ein voll ausgebautes Gymnasium im Sinne der jesuitischen Ratio studiorum. Getragen von einer innigen Marienverehrung, gaben die Patres der Schule den Namen „Gymnasium Marianum“, später erweitert zu „Gymnasium Marianum-Aloysianum“.

Pater Nikolaus Krebs gilt als Begründer des Gymnasiums bzw. „Schöpfer“ der Lehranstalt. Häufig steht auch Pater Rektor Nikolaus Krebs. Krebs hat als Superior der Jesuiten-Niederlassung in Meppen die Bewilligung für die Errichtung eines Gymnasiums erhalten. Er starb 1649.

Zu der Zeit besuchten ausschließlich Jungen die Meppener Lateinschule. Die jesuitischen Patres versuchten, ihren Schülern nicht nur „Wissen“, sondern auch „Können“ zu vermitteln. Genau diese beiden Begriffe sind auch die Stützpfeiler des modernen Kompetenzbegriffes. Der Unterricht verlief in der Regel einsprachig, nämlich Lateinisch. Im Fächerkanon dominierten neben dem Religionsunterricht die altsprachlichen Fächer. Gelegentlich wurden Schuldramen aufgeführt, die einen religiösen, meist biblischen Inhalt aufwiesen. Weibliche Rollen gab es nicht.

Großes Lob

Auch wenn gewisse Einseitigkeiten in der Ratio studiorum vorliegen und die deutsche Literatur, die Natur- und Geisteswissenschaften vernachlässigt wurden, berichten die Annalen vom Erfolg des Gymnasiums in Meppen. Großes Lob zollte der berühmte Historiker Leopold von Ranke den Gymnasien des Jesuitenordens: „Man fand, dass die Jugend bei ihnen (den Jesuitengymnasien) in einem Halbjahr mehr lerne als bei anderen binnen zwei Jahren. Selbst Protestanten riefen ihre Kinder von entfernten Gymnasien zurück und übergaben sie den Jesuiten.“

1743 wurde der Grundstein für den Bau der Gymnasialkirche gelegt. Nur 23 Jahre später – nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. – endete schließlich die Tätigkeit der Jesuiten in Meppen. Im Jahr 1776 übernahmen Franziskaner aus Rheine das Gymnasium, die Residenz und die Kirche. Der Weg des Windthorst-Gymnasiums in den beiden folgenden Jahrhunderten kann an anderer Stelle nachgelesen werden. An die jesuitische Vergangenheit des Windthorst-Gymnasiums erinnern heute noch die Residenz, in dem der Verwaltungstrakt untergebracht ist, die Gymnasialkirche, ein spätbarockes Kleinod, und der sogenannte „Jesuitengang“, die Verbindung zwischen Gymnasialstraße und Wallanlagen.

Breites Angebot

Das Windthorst-Gymnasium hat es verstanden, das Bewährte zu behaupten und sich immer wieder bildungspolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Im Schuljahr 2017/2018 besuchen etwas mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler die Schule. Aus der Zweizügigkeit im 17. Jahrhundert ist eine Fünfzügigkeit geworden. Dem Leitbild Wissen-Gemeinschaft- Mündigkeit entsprechend, hält es heute ein breites unterrichtliches und außerunterrichtliches Angebot in allen Aufgabenfeldern und im Fach Sport vor, unterstützt methodisches und soziales Lernen und die individuelle Berufswahlförderung. Daher ist das Windthorst-Gymnasium als Europaschule, MINT-EC-Schule sowie sportfreundliche Schule zertifiziert. Es darf das Gütesiegel „Startklar für den Beruf“ tragen und ist Mitglied im Kooperationsverbund Begabungsförderung.

Teilnahme an zahlreichen Wettbewerben

Latein kann auch heute noch als zweite Fremdsprache angewählt werden, außerdem können die Schüler Englisch, Französisch, Spanisch und im AG-Bereich Niederländisch lernen. Der Unterricht in Geschichte, Erdkunde, Biologie und Politik-Wirtschaft wird in einigen Jahrgängen auf Englisch erteilt. Darüber hinaus haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, an zahlreichen Wettbewerben teilzunehmen und Sprachzertifikate zu erwerben. Es gibt ein breites und traditionsreiches Austauschprogramm mit Partnerschulen in anderen europäischen Ländern.

Auf internationalem Niveau

Darüber hinaus bietet es unterrichtliche und außerunterrichtliche Aktivitäten auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, Mathematik und Technik an. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler engagieren sich erfolgreich in entsprechenden Arbeitsgemeinschaften und Wettbewerben auch auf überregionalem und internationalem Niveau. Unterstützt wird die Schule durch zahlreiche Kooperationspartner, z. B. Unternehmen, Vereine und Verbände.

Beachtlich entwickelt haben sich auch die Fachbereiche Kunst, Musik und Darstellendes Spiel. In den Jahrgängen 5 und 6 sind Bläserklassen eingerichtet worden. Es gibt einen Schulchor, eine Musical-AG und ein Streicherensemble. Der Fachbereich Kunst bietet regelmäßig Kurse auf erhöhtem Niveau an und gestaltet einen außergewöhnlichen Kunstkalender. Das Fach Darstellendes Spiel wird ab dem Jahrgang 10 bzw. 11 unterrichtet. Die Theater-AG inszeniert jährlich ein anspruchsvolles Theaterstück.

Viele Aktivitäten

Als sportfreundliche Schule unterstützt das WGM Schülerinnen und Schüler über den Unterricht hinaus auch in den Pausen und im Ganztagsbereich darin, sich fit zu halten. Das Fach Sport wird stets auch als Kurs auf erhöhtem Niveau angeboten. Ein Soccerfeld, ein Klettergarten und viele Tischtennistische laden die Schüler in den Pausen zu vielfältigen Aktivitäten ein. Das Windthorst-Gymnasium beschäftigt regelmäßig zwei Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst im Sport und unterstützt die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern als Sportassistenten und Junior-Coaches im Fußball.

Alle älteren Unterrichtsgebäude der Schule wurden dank großzügiger Unterstützung des Landkreises in den letzten Jahren energetisch saniert und optisch sowie technisch auf den neuesten Stand gebracht. Das neue Fachraumgebäude für die Naturwissenschaften und das Fach Kunst enthält außerdem eine moderne Mediathek, einen großen Versammlungsraum und eine einladend gestaltete Mensa. Dort haben die Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, Billard oder Kicker zu spielen.

Soziale Projekte

Die Schüler engagieren sich gegenseitig in Schüler-helfen-Schülern-Projekten und unterstützen sowohl soziale Projekte in der Nachbarschaft als auch in Afrika. Die Schule organisiert eine Hausaufgabenbetreuung für die jüngeren Schüler, Kurse zur Rechtschreibförderung, Nachhilfe und Lernzirkel. Die Mediathek der Schule steht der Schülerschaft zum eigenverantwortlichen Arbeiten offen. Ein besonderes Highlight stellt jedes Jahr das Varieté-Programm des zwölften Jahrgangs dar, eine beeindruckende Show aus Gesang, Tanz, Akrobatik, Slapstick und Persiflage.

Das Meppener Windthorst-Gymnasium ist heute eine allseits anerkannte Bildungseinrichtung, die Tradition und Moderne miteinander verbindet. Von diesen Erfolgen konnten sich im vergangenen Jahr sowohl Bundespräsident Joachim Gauck als auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil überzeugen.