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Michael und Florenz Potthast arbeiten seit fünf Jahren an „Gesina“ – Konzeptalbum auf CD Ein Musical made in Meppen entsteht

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Meppen. Er ist einer der Initiatoren der Meppener Musicalnacht, präsentiert während der Meppener Kultveranstaltung Werke bekannter Komponisten. Jetzt arbeitet Michael Potthast gemeinsam mit seinem Vater Florenz mit Hochdruck an seinem eigenen Musical: „Gesina“.

Mittlerweile im fünften Jahr komponieren und texten sie dafür. Michael schreibt die Songs, der Vater liefert die Texte. Nahezu jede freie Minute verbringen sie oben im Tonstudio ihres Hauses. Herzstück des knapp 20 Quadratmeter großen Raumes ist ein E-Piano mit Computer. Bis auf Nuancen steht die Lyrik, musikalisch umgesetzt ist das Musical made in Meppen zu 80 Prozent. Jetzt ist vor allem Feinschliff angesagt.

Wenn Vater und Sohn vor dem großen Computerbildschirm sitzen, verfolgen sie bestimmte Tonspuren darauf ganz genau. „Takt 48 gefällt mir noch nicht so richtig“, deutet Florenz Potthast auf einen lilafarbenen Balken auf dem Monitor, blättert in seinem Skript, wünscht sich mehr Dramatik. Michael stimmt ein paar Akkorde auf dem Klavier an, probiert hin und her, wippt mit dem Fuß zum Takt. „Damm, dumm, daddam“, wabert es durch den Raum. Ja, genau. Das ist der Bogen, den wir da brauchen. Speicher mal ab“, klopft Florenz Potthast seinem Sohn auf die Schulter.

Sequenz für Sequenz des Musicals wächst langsam zusammen. 23 Lieder lang. Sie werden am Ende, unterstützt von kleineren Dialogen, zweieinhalb Stunden lang eine Geschichte erzählen, in deren Mittelpunkt eine tragische emsländische Figur steht: Gesina Brink, vielen bekannt als „Goose Sienken“. Die Idee dazu hatten die beiden Meppener, als im April 2007 anlässlich ihres 200. Todestages ein großer Artikel in der Meppener Tagespost über sie erschien.

In kirchlichen Archiven, bei Ahnenforschern und Bibliotheken suchten die zwei nach Material, studierten alles, „was uns zum Thema in die Finger kam“. Und da begannen schon die ersten Probleme. „Es zeigte sich relativ schnell, dass viele Gerüchte, Halbwahrheiten und Fantastereien in Bezug auf Gesina im Umlauf sind“, sagt Michael Potthast. Er deutet auf diverse Internetausdrucke, die sich zum Beispiel schon in der Beantwortung der einfachen Frage widersprechen, wie viele Kinder Brink denn hatte.

Aufgeben? Daran dachten Florenz und Michael Potthast nicht. Sie entschieden sich vielmehr dafür, ihr Musical nicht ausschließlich historisch anzulegen, sondern die Geschichte Brinks mit fiktiven Szenen zu verweben. „So entsteht ein ganz neuer Blick auf die bekannte Geschichte“, erzählt Vater Potthast. Als Stilmittel rückt er dazu Begebenheiten in den Fokus, die die Dramaturgie der Handlung stützen. Das Finale des Musicals beispielsweise endet nicht mit einer tragischen Hinrichtung, die geschichtlich verbrieft ist. „Wenn bei uns auch Gesina draufsteht, ist aber nicht nur Gesina drin“, erklärt Michael.

Ein leichtes Schmunzeln umspielt sein Gesicht, als er von kritischen Stimmen berichtet, die die Musicalentstehung begleiten. „Wir haben nicht das Ziel, die Historie Gesinas als spezielle Adaption für die Theater- und Musicalbühne zu schaffen. Unser Musical hat Gesina lediglich als Grundlage, ist aber eine Parabel auf das Erwachsenwerden, auf Probleme und Konflikte, auf Missverständnisse zwischen den Menschen, ist ein Blick auf die Agierenden und ihre Gefühlswelt. Jetzt endlich sind wir an einem Punkt, an dem wir sagen können, es entsteht eine spannende Geschichte, die zwar nicht ausschließlich auf wahren Begebenheiten beruht, dafür aber einen packenden und spannenden Musicalabend erwarten lässt.“

Bei der Meppener Musicalnacht 2011 gab es einen ersten Vorgeschmack mit drei Songs aus dem Musical. Das war die Feuertaufe. Mittlerweile haben die ersten der vorgesehenen sieben Sänger für die zum Musical gehörende CD ein paar Aufnahmen eingesungen. Das Libretto steht größtenteils, drei Musiknummern fehlen noch.

Fünf Jahre musikalisches Tüfteln? Michael Potthast nickt. Viel Zeit hat er vor allem für die Programmierung der Orchesterinstrumente am Computer gebraucht. Dank moderner digitaler Technik entstand so ein „Orchester“, wie es bei vielen Film- und Fernsehproduktionen ebenfalls gemacht wird. Neben diesen sogenannten Samples sind aber auch im Potthast’schen Ministudio eingespielte Instrumente wie Gitarren, Akkordeon und Bass zu hören.

In diesen Playbacks kommt die aktuelle musikalische Bandbreite des Genres Musical zum Tragen. Neben orchestralen Balladen wie etwa „Ich will sie nicht verlieren“ stehen rockige Nummern wie „Lebendig tot“. Die Entstehungsweise, sie ist bei allen Songs ähnlich. Im stillen Kämmerlein hat Michael Potthast probiert und experimentiert, sich manchmal Note für Note am Klavier abgerungen, um die Sprachmelodie des Textes umzusetzen. Bei dem dramatischen Stück „Feuer“ zum Beispiel hatte der 29-Jährige das Bühnenszenario mit riesigen Flammen in Form von grellroten wabernden Tüchern im Kopf. Er spielt eine Sequenz daraus an. Schwere blecherne Bläserklänge mischen sich mit dem Schlagzeugsound, werden immer bedrohlicher. Der Musik lauschend, hat man den Brand, den Gesina Brink im Musical stiftet, um Höfe ausrauben zu können, sehr plastisch vor dem geistigen Auge.

Die Potthasts sind gar so weit, dass sie genaue Vorstellungen von der Bühnenumsetzung dieser (und der anderen) Szenen haben. Die technische Umsetzung ihres Musicals dagegen – sie ist bisher reine Spekulation. Klar, Planungen gibt es in ganz bestimmte Richtungen. „Letztlich aber müssen wir schauen, ob sie finanzierbar sind“, sind beide realistisch. Eins steht für sie aber fest. Die zurzeit entstehende CD soll nur ein erster Schritt sein. „Ein Musical gehört auf die Bühne. Eine Inszenierung wäre der logische zweite Schritt“, ist für Michael Potthast die Marschrichtung klar. Da die Story ursprünglich im Emsland angesiedelt ist, „wäre sie natürlich sozusagen auch am Originalschauplatz wünschenswert“. Dort, wo der Mitbegründer der Meppener Musicalnacht bisher die Werke anderer Komponisten präsentiert ...


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