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Bildband über Kraniche erschienen Glücksvogel in neuem Aufwind

Von Tim Gallandi


Vechta/Meppen. Er gilt als kaum genießbar, frisst manchem Bauern die Getreidesaat weg und ist nur selten im Zoo zu betrachten. Auf den ersten Blick hat der Kranich keinen Nutzen. Dennoch übt er von je her eine starke Faszination auf den Menschen aus – durch sein unstetes Leben, seine Eleganz und die Mythen, die sich um ihn ranken.

All dem haben sich nun der Fotograf Willi Rolfes aus Vechta und der Meppener Journalist Tobias Böckermann in einem Bildband genähert. „Der Kranich – Ein Vogel im Aufwind“ heißt das Werk, mit dem das Doppelleben dieses Vogels, der mal Eigenbrötler, mal Schwarmtier ist, porträtiert wird.

Im Mittelpunkt stehen dabei Aufnahmen, die in der Diepholzer Moorniederung, an der Ostsee und in Schweden entstanden sind. Regionen, in denen sich Kraniche seit Jahrhunderten treffen, um einige Wochen lang gemeinsam zu rasten, zu fressen und in der großen Gruppe Schutz zu finden. Während er im übrigen Verlauf des Jahres lieber einsam lebt, meist paarweise oder in Kleinfamilien, zieht der Kranich im Herbst und Frühjahr zu Tausenden von Nord nach Süd oder von Süd nach Nord.

Ein fesselndes Schauspiel für den Menschen, was vor allem daran deutlich wird, dass das Publikum des Kranichs an dessen Rastplätzen oft ebenfalls in die Tausende geht. Neben den dortigen Szenarien, die sich den Kranichguckern vor allem im Herbst bieten, zeigt der vielfach ausgezeichnete Naturfotograf Willi Rolfes intime Einblicke ins Kranichleben, die den meisten Menschen verborgen bleiben: Bemerkenswerte Aufnahmen, die in einem Zeitraum von etlichen Jahren entstanden, zeigen den Vogel beim Balzen und Brüten, Kraniche mit schlagenden Flügeln beim Streit um Futter oder einen Schwarm als dunkle Silhouette am wolkigen Himmel.

Für manch einen ist der Kranich ein Vogel des Glücks, weil er als Bote des Frühlings das Ende des Winters verheißt. Anderen galt er als Symbol von Rechtschaffenheit und Wachsamkeit – und wurde im Mittelalter mitunter als Wächter im Hühnerhof eingesetzt. Doch wenn er zu früheren Zeiten nach Art des Bussards über den Dörfern seine Kreise zog, deuteten manche dies als Vorzeichen von Tod und Brand.

Mythen und Verhalten

Der Journalist Tobias Böckermann, mit dem Rolfes bereits ein Buch über das Moor veröffentlicht hat, beleuchtet diese und andere Mythen. Zudem widmet er sich den Verhaltensweisen des Kranichs. Den Autoren des Bildbands ging es nach eigenen Worten nicht darum, alle Facetten der Biologie dieses Vogels wissenschaftlich auszuleuchten. Gleichwohl werden die wichtigsten Merkmale auch für den Laien verständlich erläutert.

Böckermann veranschaulicht, wie der Kranich einst durch Verlust des Lebensraums in Bedrängnis geriet und in der Folgezeit hierzulande extrem selten anzutreffen war. Erst das Engagement von Naturschützern, die Wiedervernässung der Moore und ein verbessertes Nahrungsangebot brachten ihm wieder Aufwind.

„Der Kranich – Ein Vogel im Aufwind“ ist im Verlag Atelier im Bauernhaus erschienen und kostet 19,90 Euro. Mit jedem verkauften Exemplar gehen 50 Cent an den BUND zum Kranichschutz.