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Im Emsland gingen NSDAP-Kreisleiter brutal vor

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Im katholisch geprägten Emsland waren die Nationalsozialisten bis zum Frühjahr 1933 politisch völlig unbedeutend. Sie mussten mit wenigen Stützpunkten auskommen, und wenn es Veranstaltungen der NSDAP gab, stammten die Redner und Vorsitzenden meistens nicht aus der Region.

Die im Emsland vorherrschende Partei, das Zentrum, grenzte sich strikt von der NSDAP ab. Die wenigen katholischen Sympathisanten der Nationalsozialisten, so hat die Historikerin Maria Anna Zumholz festgestellt, wagten es bis zur Wahl im März 1933 nicht, sich offiziell zur NSDAP zu bekennen.

Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler Reichskanzler wurde, empfanden die Emsländer diesen Tag nicht als einen besonderen Einschnitt, wie Kreisarchivar Heiner Schüpp betont. Drastisch gingen die neuen Machthaber jedoch im Laufe des Jahres 1933 gegen die alten Eliten im Emsland vor – zum Teil mit krimineller Energie.

Als Fanatiker zeigten sich besonders die NSDAP-Kreisleiter: Gerhard Buscher im Kreis Aschendorf-Hümmling, Josef Egert in Meppen und Erich Plesse in Lingen. Plesse, ein junger Mann mit abgebrochenem Medizinstudium, war bis Anfang 1933 in der Stadt nur ein Außenseiter. Nun machte er Karriere und gewann in kurzer Zeit an Macht.

Brutal ging Plesse gegen den herzkranken Bürgermeister Hermann Gilles vor. Er startete eine Korruptionskampagne gegen ihn und erreichte im April dessen Absetzung. Im Juli 1933 wählte das gleichgeschaltete Bürgervorsteher-Kollegium Plesse zum hauptamtlichen Bürgermeister. Bis zum November 1933 zwang die NSDAP auch die Bürgermeister in Meppen, Haselünne, Papenburg und Aschendorf, ihre Posten zu räumen.

Ein aktiver Förderer des Emslandes, der Osnabrücker Regierungspräsident Adolf Sonnenschein, musste nach der Machtübernahme der NSDAP ebenfalls seine Arbeit beenden. Der Beamte hatte zuvor versucht, sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und war Anfang März aus der Zentrumspartei ausgetreten.

Dass er in die NSDAP eintreten wollte, nahmen ihm Emsländer und katholische Kreise sehr übel. Doch Sonnenscheins Aufnahmeantrag in die Partei lehnten die Nationalsozialisten am 8. Mai ab; sein Amt hatte er bereits am 27. März wegen „nationaler Unzuverlässigkeit“ aufgeben müssen. Der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning versuchte, sich nach der Entlassung für ihn einzusetzen – vergeblich.

Nun begann eine andere Form der Emslanderschließung: Bereits im Sommer 1933 wurden die Lager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum als „Staatliches Konzentrationslager Papenburg“ fertiggestellt und mit 4000 Häftlingen belegt.


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