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Meppen: Künftig RWE-Strom aus Geflügelmist?

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RWE Power plant in Meppen auf dem Gelände des im vergangenen Jahr stillgelegten Erdgaskraftwerkes den Bau eines Biomassekraftwerks mit einer Leistung von 20 Megawatt. Damit soll die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ausgebaut werden.

Die Leiterin der Pressestelle/Externe Kommunikation in Essen, Stephanie Schunck, bestätigte die Planungen gestern gegenüber unserer Zeitung: ,,Wir wollen das Projekt realisieren." Gegenwärtig werde geprüft und geplant, welche Anlagenkomponenten im Ortsteil Hüntel zum Einsatz kommen könnten. Man sei dabei, alle nötigen Daten und Informationen zusammenzutragen. Dazu gehöre auch, dass ein Lieferant bereits mit einer konkreten Anlagenplanung beauftragt worden sei. Dies sei eine Voraussetzung für die bevorstehenden Genehmigungsverfahren.

Bevor die Genehmigungsanträge gestellt und der Baubeschluss ausgesprochen werden könnten, seien zudem die Brennstofflieferungen abzusichern. Zum Baubeschluss werde es nach Abschluss aller Prüfungen frühestens im Frühjahr 2002 kommen können.

In der aktuellen Ausgabe des RWE-Magazins ,,agenda" heisst es, das Biomassekraftwerk Meppen solle ab Mitte 2003 rund 140 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Die Befeuerung sei mit ,,Reststoffen aus Geflügelmastbetrieben der Region" vorgesehen. Die Kosten für das Projekt werden auf rund 60 Millionen Euro - also knapp 120 Millionen DM - beziffert. Mit den 120 Millionen kWh Strom könne der Energiebedarf einer Stadt mit ca. 25 000 Einwohnern abgedeckt werden.

Stephanie Schunck betonte, Verträge über die Lieferung von Brennmaterial seien bislang noch nicht abgeschlossen worden, man sei aber bereits dabei, die Lieferung abzusichern. Geplant sei der Bezug von 180 000 Tonnen Geflügelmist pro Jahr aus den Landkreisen Emsland, Cloppenburg und Vechta, wobei Beschränkungen auf einzelne Gemeinden nicht vorgesehen seien. Auf Nachfrage betonte sie, eine Anlieferung aus den benachbarten Niederlanden, von der im Vorfeld mehrfach die Rede war, komme ,,definitiv nicht" in Frage. Die Zahl der mit dem Bau der neuen Anlage verbundenen Arbeitsplätze liegt nach Angaben der Pressesprecherin inklusive des Bereichs Logistik bei etwa 30.

Bezüglich des Biomassekraftwerkes hatte es schon bald nach der Stillegung des 600 Megawatt-Erdgaskraftwerkes erste Vorgespräche gegeben. Tenor war, an dieser Stelle ,,zu retten, was zu retten ist". Stellvertretender Stadtdirektor Karl-Heinrich Schlupper freute sich gestern über die Option, dass auf dem Gelände des Kraftwerkes bald wieder etwas passiere. Für Meppen sei vor allem die Sicherung des Kraftwerksstandortes für die weitere Zukunft ganz wichtig. Das Kraftwerk müsse im Raumordnungsplan verankert bleiben. Vielleicht gebe es hier in Zukunft ganz neue Möglichkeiten: ,,Wer weiß, was in zehn Jahren ist."

Hinzu komme, dass wenigstens einige Arbeitsplätze neu geschaffen würden. Die Stillegung des Kraftwerkes, das über Jahre hinweg zu den großen Arbeitgebern in der Kreisstadt gehörte und dann aus Kostengründen endgültig vom Netz genommen wurde, sei für die Stadt schon ein herber Schlag gewesen. Umso froher sei man im Rathaus, dass der Standort zumindest nicht vollends aufgegeben werde.

Angesprochen auf die Frage, ob sich das neue Kraftwerk nachteilig auf den Tourismus in der Region auswirken könne, erklärte Schlupper, wenn es stimme, was bislang vorgetragen worden sei, handele es sich um einen geschlossenen Kreislauf, der ,,ohne Emissionen betrieben werden kann".

Der Stadtdirektor der unmittelbar an Hüntel angrenzenden Nachbarstadt Haren, Dieter Schultejanns, betonte, die bestehende Anlage in Hüntel schreie ob ihrer hervorragenden Bausubstanz geradezu nach einer neuen Nutzung. Hier müsse grundsätzlich jede Möglichkeit beim Schopfe gegriffen werden; alles andere sei volkswirtschaftlich nicht zu vertreten. Auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze sei zu begrüßen. Mit Blick auf den gegebenen hohen Wohnwert in den umliegenden Harener Ortschaften, den es zu wahren gelte, und auch auf den Fremdenverkehr sei es allerdings schon von Bedeutung, sehr schnell konkrete Daten über die zu erwartenden Belastungen zu erfahren: ,,Hier sind sicher nähere Informationen nötig."

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