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Interview mit Dr. Bernd Brauer Ökumene im Emsland und in der Grafschaft Bentheim: Superintendent sieht Handlungsbedarf

Von Ludger Jungeblut

Interviewpartner unserer Zeitung: Superintendent Dr. Bernd Brauer. Foto: Willy RaveInterviewpartner unserer Zeitung: Superintendent Dr. Bernd Brauer. Foto: Willy Rave

Meppen. Das ökumenische Miteinander funktioniert im Kleinen und Lokalen schon sehr gut. Das betonte der neue Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland/Grafschaft Bentheim, Dr. Bernd Brauer (45), in einem Interview mit unserer Zeitung.

Sie sind im Februar als neuer Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emsland/Grafschaft Bentheim in das Amt eingeführt worden und haben inzwischen fast alle 28 Gemeinden besucht. Wie lauten die wichtigsten Herausforderungen, denen sich der Kirchenkreis gegenübersieht?

Der Kirchenkreis hat in der jüngsten Vergangenheit seine wichtigsten Leitungspositionen neu besetzt. Da muss sich manches erst einspielen. Die demografische Entwicklung der lutherischen Gemeinden und die damit verbundenen Zuweisungen durch die Landeskirche sind relativ stabil. Wir brauchen jetzt Kriterien und Verfahren, wie sie möglichst gerecht verteilt werden können. Dabei wird wichtig sein, die Eigeninitiative in der Gemeinde zu stärken und die Zusammenarbeit der Gemeinden untereinander weiter voranzubringen.

 

Wie sind Sie von Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik in der Region aufgenommen worden?

Mit großer Freude habe ich wahrgenommen, dass im Emsland und in der Grafschaft Bentheim der Arbeit der Kirchen mit großem Respekt und Wertschätzung begegnet wird. Die Gespräche sind von positiver Kirchlichkeit geprägt. Das erleichtert den Gemeinden und Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Diakonischen Werk ihre Arbeit sehr.

 

Im Beisein von Landessuperintendent Detlev Klahr findet am 14. September ab 19 Uhr in der Gustav-Adolf-Gemeinde in Meppen der Kirchenkreistag statt. Welche Themen stehen im Vordergrund?

Der Kirchenkreistag findet im Zuge der Visitation des Kirchenkreises statt. Dazu gehört eine Einschätzung der gegenwärtigen Lage und der künftigen Entwicklungen durch den Landessuperintendenten Dr. Klahr als Mitglied des Bischofsrates der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Im Mittelpunkt der Gespräche steht ein Positionspapier, das in Zusammenarbeit der wichtigsten Gremien des Kirchenkreises entstanden ist. Es enthält Vorschläge, wie die zur Verfügung stehenden Mittel zukunftsorientiert eingesetzt werden können. Vorgeschlagen wird darin auch eine deutliche Erhöhung der Sachmittelzuweisung an die Gemeinden, um notwendige Baumaßnahmen zur energetischen Sanierung vornehmen zu können. Zudem sollen die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Entlastung für pfarramtliche Tätigkeiten personell gestärkt werden.

 

Die Christen der anderen Konfessionen sind für Sie Geschwister, die Sie gerne zu evangelischen Gottesdiensten einladen. Möchten Sie neue Wege in der Ökumene gehen?

Geschwisterliche Begegnung auf Augenhöhe mit Partnern, die sich gegenseitig respektieren, ist für mich eine wichtige Voraussetzung, um die ökumenischen Nischen der Region für das Gespräch der Kirchen untereinander zu nutzen. Das geschieht im Kleinen und Lokalen schon sehr gut. Vieles ist dort bereits an gelebter Geschwisterlichkeit möglich. Schön wäre es, wenn wir auch auf Ebene der regionalen Kirchenleitungen diese Gespräche fortführen könnten, um mehr voneinander zu partizipieren.

 

Zu ökumenischen Gottesdiensten wie zum Beispiel am Pfingstmontag auf dem Universitätsplatz in Lingen kommen mehrere Hundert Besucher. Das gemeinsame Beten des Vaterunsers ist den Menschen offenbar ein Herzensanliegen. Inwiefern lässt sich der Schwung des Kirchenvolks mit Blick auf weitere Schritte in der Ökumene nutzen?

Wenn Menschen zusammen beten, schweigen und hören oder über das, was sie bewegt, miteinander im Gespräch sind, sodass Gott als Geheimnis dieser Welt darüber erfahrbar werden kann, ist das eine wunderbare Sache. Zwar ist lutherische Kirche im Emsland und Grafschaft Bentheim insgesamt in der Minderheit, in der Diaspora, aber das ist eine Tendenz, die inzwischen quer zu allen Konfessionen geht: Längst sind schon viele in ihrer eigenen Familie, die mit ihrem Glauben und seinen gelebten Formen offen leben wollen, in einer Minderheit und suchen jemanden, mit dem sie diese Dimension des Lebens teilen können. Wer solche Fragen an das Leben hat, sucht ernsthafte Gesprächspartner und fragt erst in zweiter Linie nach der Gemeindezugehörigkeit. Räume, Anlässe und Gelegenheiten, darüber ins Gespräch zu kommen, halte ich für eine der vordringlichsten Aufgaben des ökumenischen Dialogs, wobei man dann gut von den jeweils gemachten Erfahrungen geschwisterlich profitieren kann.