40.000 Lose gehen pro Jahr Meppener Weihnachtsmarkt: Rüdiger Smorra verlässt die Goldene 7

Die "Goldene 7" ist ein wichtiger Bestandteil des Meppener Weihnachtsmarktes. Rüdiger Smorra (l.) hat ihr jahrelang ein Gesicht gegeben. In diesem Jahr hat Georg Lampe Smorras Amt in der Losbude übernommen.Die "Goldene 7" ist ein wichtiger Bestandteil des Meppener Weihnachtsmarktes. Rüdiger Smorra (l.) hat ihr jahrelang ein Gesicht gegeben. In diesem Jahr hat Georg Lampe Smorras Amt in der Losbude übernommen.
Tobias Böckermann

Meppen. 26 Jahre lang war Rüdiger Smorra eine prägende Figur des Meppener Weihnachtsmarktes. In diesem Jahr muss die Verlosung „Die Goldene 7“ ohne ihn auskommen.

Wie man Lose unters Volk bringt, das weiß Rüdiger Smorra aus dem Effeff. Der Umgang mit Menschen liegt ihm, seit einer Ewigkeit kennen ihn viele Meppener von der Freilichtbühne und vom Sportabzeichen, das er ganzen Generationen von Emsländern bereits abgenommen hat.

Seit 1994 stand Smorra zusätzlich zur Weihnachtszeit auch in der Losbude auf dem Weihnachtsmarkt. Aber was hat der 79-Jährige nun vor? Und wie kam es eigentlich zur „Goldenen 7“?

Die Anfänge 1994

Über die Anfänge berichten kann Georg Lampe. Der Meppener Geschäftsmann im Ruhestand war nämlich einer der Mitbegründer der Lotterie und ist ihr bis heute eng verbunden. Mehr noch: Lampe ist auch der Nachfolger von Rüdiger Smorra und steht in diesen Tagen ziemlich oft in der Hütte der "Goldenen 7" direkt an der Eisbahn.

Tobias Böckermann
Beliebt auch bei schlechtem Wetter: Die Lotterie "Die Goldene 7."

„1994 war der Weihnachtsmarkt noch recht klein und hatte wenig zu bieten", erinnert sich Lampe. "Hermann Wilken hatte deshalb die Idee, eine Lotterie aufzuziehen“. Wilken ist seinerseits eines der Gesichter des Weihnachtsmarktes. Wenn man ihn „Glühwein-Hermann“ nennt, ist er wohl nicht böse. Denn seit vielen Jahrzehnten verkaufen er und seine Familie hier Mandeln und eben auch Glühwein.

Tobias Böckermann
Der Meppener Weihnachtsmarkt ist 2021 wegen der Corona-Pandemie nicht immer so voll wie in den Vorjahren.

Auf Vorschlag von Hermann Wilken also gründeten drei Mitglieder des damaligen Vereins für Wirtschaft und Werbung (VWW, heute WiM) eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Ihr Ziel: Eine Weihnachtslotterie, deren Überschüsse jeweils für einen guten Zweck verwendet werden. Ein geeigneter Repräsentant für den Verkauf musste her, eine Art Zugpferd. „Wir kamen sofort auf Rüdiger Smorra“, erinnert sich Georg Lampe. „Er war einfach der Richtige. Und er hat damals ja gesagt.“

Hermann-Josef Mammes
Traditionell kurz nach Weihnachten wird der Hauptpreis der Goldenen 7 ausgelost. Das Foto stammt aus dem Jahr 2019.

Die "Goldene 7" entstand und mit ihr die drei Gewinnchancen pro Los. 40.000 Lose gehen pro Jahr für je einen Euro über den Tisch. Chance eins: Mit der Endziffer 7 gibt es eine Kleinigkeit, mit zwei Endziffern 7 schon etwas mehr und mit vier Mal der 7 einen Fernseher. Chance zwei: Auf den Losen stehen auch Buchstaben. Wer aus sechs Losen das Wort „Meppen“ legen kann, bekommt 50 Euro. 

Chance drei: Jedes Los kann am Ende für den Hauptgewinn sorgen – ein Auto jeweils von einem anderen Meppener Händler. 12.000 Euro Reingewinn fließen Jahr für Jahr an gemeinnützige Organisationen – für Georg Lampe und Rüdiger Smorra war und ist das Grund zum Dank an die Sponsoren und stets Ansporn fürs Weitermachen gewesen.

Tobias Böckermann
Für den 50-Euro-Sofortgewinn fehlt nur noch das M.

Smorra verkaufte zweieinhalb Jahrzehnte lang Lose und läutete bei einem Hauptgewinn mit Freude und Schmackes die große Glocke am Verkaufsfenster. Trotzdem ist jetzt Schluss damit. „So eine Lotterie ist sehr zeitaufwändig“, sagt Smorra. 34 Tage Vorbereitung und Verkauf bedeuteten dabei auch, dass er mit seiner Frau Marianne selbst fast nie einen anderen Weihnachtsmarkt besuchen konnte – auch weil diese selbst oft in der "Goldenen 7" mit anpackte und ihn ab und an vertrat.

Tobias Böckermann
Rüdiger Smorra will sich mehr als bisher seiner Tätigkeit als Künstler widmen.

Für den gebürtigen Münsteraner war der Wunsch nach mehr Freizeit in der Weihnachtszeit aber nicht ganz so wichtig wie seine eigentliche Berufung: Smorra hat sich als Künstler einen Namen gemacht und möchte seine Zeit voll und ganz darauf verwenden. Auch mit dem Hobby Sportabzeichenabnahme soll bald Schluss sein.

Tobias Böckermann
Der Hauptpreis 2021.

Eigentlich wollte er sogar schon 2018 aufhören und ließ sich noch einmal überreden. Jetzt aber hat Georg Lampe neben der Organisation der Preise und des Dienstplans auch den Losverkauf übernommen und wird fortan 80 Prozent der Verkaufszeiten übernehmen. 

Warten auf den Gewinner

Und Spaß hat es wohl auch gemacht – das jedenfalls ist den Erinnerungen an besondere Begebenheiten zu entnehmen, die die beiden teilen. „Ich habe zum Beispiel immer darauf gewartet, dass der Gewinner des Autos am Abend der Verlosung auf der Eisbahn dabei ist“, sagt Smorra. Aber nur einmal in 26 Jahren war das der Fall.

Und dann war da noch eine ganze besondere Gewinnerin des Hauptpreises. „Einmal hat tatsächlich die Ehefrau eines anderen Autohändlers das Fahrzeug der Konkurrenz gewonnen“, sagt Lampe. „Sie hat das Auto dann gespendet.“

Zur Sache

Der Meppener Weihnachtsmarkt
Beliebt seit 1970
Die Erstauflage des Meppener Weihnachtsmarktes gab es vom 4. bis 13. Dezember 1970 - als Probedurchlauf in dem Gässchen „Up’n Bült“ zwischen Domhof und Kuhstraße. Auch das Kinderkarussell drehte sich schon in diesem engen Sträßchen. Bundeskanzler war damals Willy Brandt, seine SPD regierte mit der FDP und Meppens Bürgermeister hieß Arnold Blanke.
1972 fand dann der Weihnachtsmarkt auf dem Vorplatz der Propsteikirche statt. 1973 zog er zum Rathausplatz zwischen Rathaus und der nahen Gymnasialkirche. Nach einem nicht bestandenen „Probelauf“ in der Bahnhofstraße im Jahr 1977 siedelte 1978 der Weihnachtsmarkt auf den Alten Markt um.


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