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28.10.2019, 17:51 Uhr KOMMENTAR

Um billige oder teure Jugendarbeit im Emsland geht es nicht

Ein Kommentar von Thomas Pertz


Im Sozialgesetzbuch sind die rechtlichen Regelungen der Kinder- und Jugendhilfe festgelegt. Foto: dpaIm Sozialgesetzbuch sind die rechtlichen Regelungen der Kinder- und Jugendhilfe festgelegt. Foto: dpa

Meppen . Über sieben Millionen Euro erstattet der Landkreis der Stadt Lingen bei den Jugendhilfeaufwendungen jährlich – zu viel?

Lingen leistet sich aufgrund der Größe der Stadt und ihres Selbstverständnisses ein eigenes Jugendamt. Die Kreisverwaltung erledigt diese Aufgabe für die anderen Kommunen des Emslandes von Meppen und den Außenstellen des Landkreises aus zu deutlich niedrigeren Kosten. 

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wandeln. Genau sollen sie hinschauen, wenn es in Familien zum Beispiel kriselt. Und dann abwägen: Reicht eine ambulante Hilfe zur Stärkung der Familie oder muss gar eine kostenintensivere Maßnahme organisiert werden? Jeder Fall ist anders, das wissen nicht nur die Fachkräfte im Lingener Jugendamt, sondern auch die Verantwortlichen beim Kreis.

Beispiele des Versagens von Behörden, deren genaueres Hinschauen fürchterliche Leiden von Kindern und Jugendlichen möglicherweise hätte verhindern können, gibt es bundesweit. Es gibt auch Beispiele, wo trotz intensiver behördlicher Bemühungen eine Misshandlung nicht verhindert werden konnte. Wie beim Fall der verurteilten Mutter aus Emsbüren, die ihr Kind jahrelang misshandelt hat. Dies verdeutlicht die Schwierigkeit der Aufgabe.

Deshalb kann es im Emsland auch nicht um die Frage gehen, ob Jugendarbeit billig oder teuer ist. Gut muss sie sein. So einfach ist das – und doch so schwierig umzusetzen.


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