Ex-Kanzleramtskorrespondentin diskutiert in Meppen Wie einseitig informieren Youtube und Twitter junge Leute?

Von pm

Mit Schülern diskutierte Kristina Dunz in Meppen. Foto: WindthorstgymnasiumMit Schülern diskutierte Kristina Dunz in Meppen. Foto: Windthorstgymnasium

Meppen. Kristina Dunz, langjährige Kanzleramtskorrespondentin für die dpa, jetzt stellvertretende Leiterin der RP-Parlamentsredaktion in Berlin für die Rheinische Post und Abiturientin des Windthorstgymnasiums Meppen, hat ihre Positionen zur Informationskultur von Jugendlichen und ihre Vorstellungen zur Zukunft von Demokratie an der Schule zur Diskussion gestellt.

„Alte, faktenfreie, diskriminierende CDU-Lobbyistin vom Allerfeinsten“ diskutiert mit Schülerinnen und Schülern über die Zukunft von Demokratie und Presse Diese und andere Reaktionen erntete Kristina Dunz für ihren Kommentar auf das mittlerweile fast 17 Millionen Mal geklickte Video des Youtubers Rezo, das unter dem Titel „Zerstörung der CDU“ kurz vor den Europawahlen diesen Jahres für große Beifallsstürme, vor allem unter jungen Menschen, sorgen konnte. 

Um eine möglichst kontroverse Diskussion zu starten, zitierte Dunz ihre provokanten Betitelungen der Rezo-Anhänger als „krasse Billigflieger, verwöhnte und verzogene Erben und Pseudo-Politikinteressierte“. Und des funktionierte: Eine angeregte aber sachliche Debatte der Schülerinnen und Schüler beider Leistungskurse Politik-Wirtschaft in der Jahrgangsstufe 12 des Windthorst-Gymnasiums nahm ihren Lauf.

Rezo, vor allem unter dem Schülerinnen und Schülern bekannter Youtuber, greift in seinem Video die CDU für ihre klimaferne Regierungsarbeit in den letzten Jahren unter Angela Merkel an. Die Journalistin kritisiert dabei besonders den Ausdruck „Zerstörung der CDU“, den Rezo zum Titel seines Beitrags gemacht hatte. Die Schülerinnen und Schüler entgegneten hier, dass die Verwendung ein jugensprachlicher Ausdruck sei, dessen Bedeutung überbewertet werde und ohne den es wohl keine so große Resonanz auf das Video gegeben hätte. Ebenso seien die von Rezo angeführten Kritikpunkte an der CDU und anderen Parteien allesamt sauber recherchiert und belegt, wohingegen Kristina Dunz bemängelte, dass aber die kritisierte Partei entgegen journalistischer Gepflogenheiten nicht gehört wurde.

Intensiver Austausch

So entwickelte sich ein zunehmend intensiver Austausch zu der Frage, welche Bedeutung und Zukunft vor allem den Printmedien noch gegeben ist, wenn besonders die nachwachsende Generation klassische Informationsformate wie Zeitung und Fernsehen kaum noch nutze, gleichzeitig aber dieses Rezo-Video so große Resonanz erhalte. Dunz merkte hierbei kritisch an, dass in der digitalisierten, informationsüberfluteten Medienwelt gerade neutrale und umfassende Informationen in unserer Demokratie eine immer wichtiger werdende Rolle spielten, weshalb sie sich um deren Entwicklung angesichts der einseitigen Information bei Jugendlichen über Youtube, Twitter und weitere wenig journalistische Formate zunehmend sorge. Nur gut informiert könnten Bürgerinnen und Bürger aufgeklärt demokratisch partizipieren, mit entscheiden, was mit ihnen und ihrer Umwelt passiere.

Die Schüler entgegneten ihr, dass sie sich keineswegs lediglich auf diesen Wegen informierten, sich aber wünschten, dass die klassischen Printmedien sich anderen Formaten wie Youtube-Kanälen öffnen und auch ihre Themendarstellung und –auswahl überdenken müssten. Die ständige Verfügbarkeit über ein ganzes Meer an Nachrichten überfordere den Bürger und vor allem junge Menschen zunehmend, was auch zu dessen Abstumpfung und Manipulierbarkeit führen könne.


Gerade hier seien die Parteien in Deutschland, allen voran die Regierenden, gefragt, glaubwürdig zu bleiben und die Generation der heute unter 30-Jährigen nicht zu vernachlässigen, so Dunz. So sei die Reaktion der CDU auf das Rezo-Video doch eher unprofessionell ausgefallen, aber auch sonst erreichten CDU und SPD junge Menschen mit ihren Ideen und auch deren Darstellung in der Öffentlichkeit immer weniger. Viele Schülerinnen und Schüler äußerten, sie fühlten sich durch die etablierten Parteien nicht mehr repräsentiert, hätten Schwierigkeiten bei Wahlen, eben überhaupt eine Wahl zu treffen. Selbst die zur Zeit stark gehypten Grünen fanden in der Runde weniger Zuspruch als erwartet.

Die Diskutierenden zeigten in ihrem engagierten Auftreten, dass sie größtenteils keineswegs politikverdrossen oder pseudo-politikinteressiert waren. Sie forderten aber, dass Politik sich einerseits ihren Themen nach einer zukunftsfähigen Demokratie und Wirtschaft, wie auch in der Fridays-for-future-Debatte deutlich wird, stärker zuwenden und Presse neue Wege der Verbreitung gut recherchierter Informationen gehen müsse.


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