Konzertreihe Phantasticus 2019 16-Jähriger begeistert mit Orgel-Programm in der Propsteikirche

Von Daniel Lösker

Bescheiden nimmt der junge Organist Thorsten Grasmück den langanhaltenden Applaus entgegen. Foto: Daniel LöskerBescheiden nimmt der junge Organist Thorsten Grasmück den langanhaltenden Applaus entgegen. Foto: Daniel Lösker

Meppen. Mit seinem Programm „Zwischen Abgrundtiefen und Höhenflügen“ hat der erst 16-jährige Organist Thorsten Grasmück in der Meppener Propsteikirche das Publikum begeistert.

Da steht er mit wehender Haarpracht. Nahezu schüchtern nimmt er den anhaltenden Applaus der Zuhörer entgegen, verbeugt sich kaum, scheint überrascht, dass seine Kunst ein derartig entgegenkommendes Echo verursacht. Dabei hat der erst 16-jährige Thorsten Grasmück gerade ein einstündiges kleines musikalisches Wunder erschaffen.

„Zwischen Abgrundtiefen und Höhenflügen“ nennt er sein Programm, welches Orgelmusik von Dietrich Buxtehude über Johann Sebastian Bach und Robert Schumann bis hin zum weniger geläufigen, jedoch nicht minder beeindruckenden Remigio Renzi, einem Italiener, der 1938 in Rom starb, beinhaltet.

 Verständnis für die Anforderungen der Partitur

Dessen „Toccata in E-Dur“ hat es in jüngster Zeit zu einiger Bekanntheit gebracht. Frohgelaunt und mit prächtigem Schluss versehen, bietet das kurzweilige Werk Grasmück Gelegenheit, seine wohl größte Stärke auszuspielen. Erstaunlich reif ist das Verständnis für die Anforderungen der Partitur; und dies ist nicht nur auf die beinahe schon selbstverständlich wirkende Virtuosität beschränkt. Nein, Grasmück erweist sich als junger Meister überbordender Musikalität.

Das gilt ebenso für das „Präludium g-Moll“ von Buxtehude und erstaunlicherweise auch für die Stücke Bachs. Erstaunlich deshalb, weil zwar auch in jungen Jahren Bach zum täglich Brot des Organisten gehört, jedoch erfahrungsgemäß einige Jahre braucht, um vollends zu reifen. Nicht so bei Grasmück. Fehlt dem „Präludium e-Moll“ vielleicht noch ein wenig Dampf, so präsentiert der Landauer reichlich davon in der das Konzert abschließenden „Toccata F-Dur“. 

Steile Karriere zu erahnen

Fabelhaft, wie er die kanonischen Besonderheiten des gewaltigen Werkes herausarbeitet, umwerfend seine Beherrschung der wahrlich nicht einfachen Pedalsoli. Prachtvoller hat man das erhebende Finale mit seinem berühmten umgekehrten Septime-Akkord wahrlich selten gehört. Das alles ist große Kunst, die erahnen lässt, welch Karriere dem jungen Mann bevorstehen kann.

Dann kommt er, nachdem alles vorbei scheint – die Zuschauer gegangen sein müssten – wieder in den Kirchenraum. Doch dieser ist immer noch dicht gefüllt. Erneut braust Applaus auf. Kaum einer ist gegangen. Wieder schaut Grasmück bescheiden in die Runde, deutet eine Verbeugung an und vergisst dabei, dass jene Ehrerweisung eigentlich ihm gebührt. Beifall als Verneigung vor einer brillanten Leistung.


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