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"Arbeit mit der Spielschar macht mir nach wie vor riesigen Spaß"

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Von Carola Alge

Meppen
Die Arbeit mit der Spielschar der Meppener Freilichtbühne, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, macht Regisseur Peter Jahreis "nach wie vor riesigen Spaß". Die totale Begeisterung, "die jeder dort mitbringt, lässt mich so manche stressige Fahrt nach Meppen vergessen", sagte der Theatermann aus Münster gestern im Interview mit unserer Zeitung. Seit 24 Jahren ist der 56-Jährige künstlerischer Kopf der Freilichtbühne, die zum Jubiläum u.a. "The Rocky Horror Show" aufführen wird. Sein Wunschstück sei das nicht unbedingt gewesen, so Jahreis, doch inzwischen freue er sich darauf.

Frage: Die Meppener Freilichtbühne feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Seit 24 Jahren sind Sie ihr künstlerischer Kopf. Wie ist Ihr Resümee dieser Zeit?
Antwort: Meine erste Inszenierung war die Operette "Der Vogelhändler" mit Profis, dann folgte die zweite Operette "Das Schwarzwaldmädel", bei der ich zu den sechs Profis das erste Mal Amateure aus der Spielschar genommen habe. Erst danach wurde ich ein paar Jahre später vom damaligen Vorstand angesprochen, ob ich z.B. auch das Kinderstück machen würde. Es folgten Jahre, in denen ich Kinder- und Abendstück inszenierte, immer nur mit Amateuren. Das war eine wundervolle Zeit. Leider nahm das Publikum die Abendstücke nicht an. Ich überlegte, um das große Platzangebot im Zuschauerraum zu füllen, wie man ein Musical auf die Beine stellen könnte mit wenigen Solisten usw. Ich fing mit "Anatevka" an, was sofort einschlug.

Frage: Waren solche Inszenierungen nicht ein Wagnis für die damalige Zeit?
Antwort: Nein. Die Solisten waren mit mir befreundet, und sie haben sich auch sofort wohlgefühlt.

Frage: Stichwort Solisten. Bekommen Sie immer Ihre Wunschkandidaten?
Antwort: Natürlich nicht. Es gibt oft Vorbehalte seitens der Profis (nicht bei denen, die letztlich da sind). Viele wollen einfach nicht mit Amateuren auf der Bühne stehen. Das muss man akzeptieren.

Frage: Es gibt aber auch Profis, denen es so gut in Meppen gefällt, dass sie zum "Wiederholungstäter" werden. Gertraud Wagner von der Staatsoper Hannover war gleich dreimal Solistin und kommt bekanntlich gerne in die Kreisstadt zurück. Woran liegt das, was macht den Reiz der Meppener Bühne aus?
Antwort: Es ist vor allem das angenehme Miteinander. Ich bin immer wieder stolz und dankbar, wenn es erneut geglückt ist, aus so vielen unterschiedlichen Charakteren -Amateuren und Profis- ein Ganzes zu machen.

Frage: Was gibt Ihnen die Arbeit mit der Spielschar?
Antwort: Sie macht mir nach wie vor riesigen Spaß, was manche meiner Kollegen hier in Münster nicht verstehen. Die totale Begeisterung, die jeder mitbringt, lässt mich so manche langweilige stressige Fahrt nach Meppen vergessen.

Frage: Sind Musical und Operette die Genres, die auch in Zukunft im Mittelpunkt der Abendstücke stehen werden?
Antwort: Ob die Richtung Musiktheater beibehalten wird, weiß ich nicht. Das entscheidet der Vorstand der Bühne in jedem Jahr neu.

Frage: In diesem Jahr gibt es "The Rocky Horror Show" als Hauptstück. Eine eher ungewöhnliche Wahl für ein Jubiläumsjahr, in dem mancher einen echten Klassiker erwartet haben dürfte...
Antwort: Mein Wunschstück war "Rocky" nicht, aber es musste für die jungen Leute irgendwann fallen. Wann also sonst als im Jubiläumsjahr? Außerdem habe ich alle attraktiven Musicals, die man mit Amateuren verwirklichen kann, in Meppen gemacht. Inzwischen freue ich mich auf das Stück.

Frage: Wie steht's mit den Besetzungen der Profiparts? Als "Frank'nfurter" war ja mal Luka Zamperoni, der Darsteller des "Nick" aus der "Verbotenen Liebe", im Gespräch.
Antwort: Die Profibesetzungen sind noch nicht spruchreif. Ich habe bisher nur drei Rollen benannt: Oliver Schulte als Rocky, Herbert Schulte als Kriminologe, Siegfried Franke als Dr. Scott. Luka Zamperoni hätte liebend gerne in Meppen gespielt. Leider haben wir die Aufführungsrechte erst ziemlich spät bekommen, und da hatte er schon einen neuen Exklusivvertrag für das Fernsehen unterschrieben, der ihn bis zum 24. Juli bindet. Zur Premiere von "Rocky" ist er aber da.

Frage: Als Kinderstück gibt's "Peter Pan". Werden Sie ihn nah am Disneyfilm erarbeiten?
Antwort: Nein. Die Inszenierung hat kaum etwas mit dem Film zu tun. Ich halte mich mit der Story eng an den Roman von Barrie, wobei eine Musicalfassung immer eigene Wege geht.

Frage: Was verbinden Sie mit beiden Stücken?
Antwort: Sie haben für mich etwas mit Zukunftsträumen, nicht altern wollen zu tun. Meine Vision dabei ist, nicht unbedingt irgendein Stück aus den Vorjahren schlagen zu wollen, sondern ein neues Spektakel mit meinen Mitstreitern zu erarbeiten. Man fängt immer wieder bei Null an.

Frage: Ein wichtiger Bestandteil Ihrer Inszenierungen sind die Bühnenbilder. Was dürfen die Besucher im Jubiläumsjahr erwarten?
Antwort: Ich habe lange gebastelt, um einen Weg für die Naturbühnen zu finden. Bei "Rocky" wird es eine Mischung aus Raum-/Traumschiff sein, von dem ich einen Teil auch für "Peter Pan" verwende, da dort ja ein Piratenschiff benötigt wird. Die Kulisse wird auf jeden Fall sehr aufwendig, wobei die Bühne in einem völlig neuen Bild erscheint.

Frage: Sie haben es einmal als Ihren Traum bezeichnet, in Meppen den "Freischütz" in Szene zu setzen. Wann erfüllen Sie sich diesen Traum?
Antwort: Der "Freischütz" ist schon lange nicht mehr mein Wunschtraum, denn er ist in der heutigen Zeit einfach nicht machbar: Das große Orchester und die Solisten sind zu teuer, und für die Spielschar gibt es keine Rollen. Ein Wunschtraum aber ist geblieben: Ein Rockmusical über Franz von Assisi, das schon lange in Arbeit ist. Arbeitstitel: "Der Narr Gottes".

Frage: Ihr Wunsch für das Jubiläumsjahr?
Antwort: Allen Beteiligten viel Spaß bei der Probenarbeit, die viel anstrengender als bisher wird. Und dass wir viel neues Publikum gewinnen werden, wobei ich unser Stammpublikum ganz gewiss nicht enttäuschen werde.


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