Kritik an Gewerkschaft Verdi Belegschaft der Spedition Boll in Meppen sauer über erneute Betriebsratswahl

Von pm

Die Spedition Boll in Meppen. Foto: David HartmannDie Spedition Boll in Meppen. Foto: David Hartmann

Meppen. Bei der Meppener Spedition Boll muss die Betriebsratswahl wiederholt werden, weil einige Mitarbeiter, unterstützt von der Gewerkschaft Verdi, die erste Wahl angefochten hatten. Dies habe Unmut hervorgerufen, teilt das Unternehmen mit.

Die Mitarbeiter und der aktuelle Betriebsrat sind einer Pressemitteilung zufolge "irritiert über die Aussagen der Gewerkschaft Verdi". Diese hatte öffentlich erklärt, dass die Mitarbeiter bei der Betriebsratswahl 2019 Verstöße festgestellt hätten - die Wahl sei manipuliert worden. Daraufhin hatte die Gewerkschaft die Mitarbeiter bei einer Wahlanfechtung unterstützt. Das Lingener Arbeitsgericht hatte die Wahl unlängst für ungültig erklärt (wir berichteten).

Aus Sicht der Mitarbeiter und des aktuellen Betriebsrats wollte die Gewerkschaft die Wahl nur deshalb für unwirksam erklären lassen, weil ihr die zuletzt gewählten Personen nicht gewerkschaftstreu genug sind. Nur drei von insgesamt knapp 500 Mitarbeitern hätten die Wahl angefochten. „Das ist für uns nicht zu verstehen“, erklärte Sabine Pollmann, Vorsitzende des Wahlausschusses. „Wir haben genauso gewählt, wie wir es in den letzten Wahlen immer getan haben. Dass jetzt die Gewerkschaft und drei abgewählte Betriebsratsmitglieder wegen Formfehlern die Wahl anfechten, die sie teilweise selbst mit organisiert haben, enttäuscht mich.“ Die Wahlzettel seien schon immer ohne zusätzlichen Briefumschlag in die versiegelte Urne geworfen worden.

„Betriebsratswahlen werden nicht von Profis, sondern von Mitarbeitern organisiert, die die Wahlvorschriften nicht bis ins letzte Detail kennen“, so der Anwalt der Firma Boll. Damit sei so gut wie jede Betriebsratswahl wegen Formfehlern anfechtbar.

Hintergründe

Schon 2018 hatte es eine Betriebsratswahl gegeben. Kurz danach waren laut der Spedition "etliche gewählte Betriebsratsmitglieder aus Protest gegen die geforderte Gewerkschaftspolitik des damaligen Betriebsratsvorsitzenden ausgetreten oder Nachrücker traten gar nicht erst an". Somit sei schon nach sechs Monaten eine Neuwahl notwendig geworden, um die vorgeschriebene Zahl von elf Mitgliedern wieder herzustellen.

„Ich habe mich in den damaligen Betriebsrat wählen lassen, um die Interessen der Mitarbeiter und der Firma Boll zu vertreten“, sagte Mitarbeiterin Michaela Ostrowski. Seitens des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Wilfried Gödeker und einiger weniger Betriebsratsmitglieder sei es aber nur darum gegangen, was die Gewerkschaft umgesetzt sehen wolle und nicht um Maßnahmen zum Wohl der Mitarbeiter. Daraufhin sei sie mit einigen Kollegen aus dem Betriebsrat ausgetreten.

Vor der Neuwahl 2019 hatte der alte Betriebsrat um den damaligen Vorsitzenden Gödeker zu einer Betriebsversammlung eingeladen. Schon hier hatte die anwesende Belegschaft dem Unternehmen zufolge ihren Betriebsratsvorsitzenden massiv dafür kritisiert, mit Meldungen über eine angebliche Räumung des Betriebsratsbüros und einer arbeitsbedingten Versetzung an die Öffentlichkeit gegangen zu sein.

"Der Wechsel in einen anderen Aufgabenbereich war zum damaligen Zeitpunkt mit dem Betriebsratsvorsitzenden abgesprochen gewesen", schreibt die Spedition. "Als dieser aber erfuhr, dass er an seinem neuen Arbeitsplatz kein Einzelbüro hat, zog er seine Zustimmung zurück und verweigerte den Wechsel."

Das Gericht stellte damals fest, dass kein Anspruch auf ein Einzelbüro besteht, aber für den Wechsel eine Zustimmung des Betriebsrats notwendig gewesen wäre, die man aufgrund der zunächst vorliegenden Zustimmung nicht eingeholt hatte. Bei der Neuwahl 2019 wählten die Mitarbeiter mit einer deutlichen Mehrheit die zuvor aus Protest ausgetretenen Mitarbeiter zum neuen Betriebsrat.

"Verlust von Einflussnahme"

„Diesen Verlust von Einflussnahme auf das Unternehmen scheint die Gewerkschaft Verdi nicht hinnehmen zu wollen“, ist Jörg Gerdelmann, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition, überzeugt. Mit Verdi-Unterstützung hätten drei der abgewählten Betriebsratsmitglieder gegen die Wahl geklagt, angeblich in Vertretung aller Mitarbeiter. Am Wochenende nach der Veröffentlichung in der Zeitung habe aber der von der Belegschaft in einem internen Forum am häufigsten geäußerte Wunsch gelautet, dass wieder Normalität in den Arbeitsalltag einziehen möge. Es habe Unverständnis geherrscht, dass nur drei Mitarbeiter ihre Interessen gegen die Mehrheit durchsetzen wollten.

„Die Belegschaft ist mit der Arbeitsweise des neuen Betriebsrats sehr zufrieden und will nicht erneut wählen“, so Gerdelmann. Dies zeige auch die Reaktion auf die vor kurzem erfolgte Einladung der Gewerkschaft zu einer Versammlung im Kolpinghaus. Hier sollte die Neuwahl im Falle einer Unwirksamkeitserklärung durch das Arbeitsgericht Lingen besprochen werden. "Es kam jedoch niemand. Der Saal blieb leer."


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